[ Genealogie Homepage] [News] [Allgemeine Hilfe] [Regionale Forschung]

Genealogie in Ostfriesland

Allgemeines zur Region Ostfriesland

Politische Einteilung der Region Ostfriesland

Ostfriesland ist in historischer Zeit nur zu Beginn der Neuzeit bis 1754 ein politisch definierter relativ selbstständiger Bereich innerhalb des Deutschen Reichs gewesen. Nach 1754 war es erst preußisch, dann welfisch - hannöversch , wieder preußische Provinz um dann nach 1945 als Teil des Bundeslandes Niedersachsen zu einer Region zu werden. Es gilt als Region im Sinne der EU und umfaßt die küstennahen Kreise Zwischen Dollart und Jade. Es grenzt westlich an die Nierderlande, östlich an die Wesermündung bis an die oldenburgischen und bremischen Grenzen.

Auf der sogenannten "Ostfriesischen Halbinsel" zwischen Dollart im Westen und Jadebusen im Osten bestehen heute zwei kreisfreie Städte und vier Landkreise (näheres dazu siehe unten). Die größte Ausdehnung des Festlandteiles von Norden nach Süden beträgt ungefähr 75 km, von Ost nach West rund 80 km. Dabei ist Ostfriesland gar nicht so flach wie allgemein angenommen: höchste natürliche Erhebung ist das Dünengebiet Holle Sand (Landkreis Leer, diese Binnendünen sind etwa 30 Kilometer von der Küste entfernt) mit etwa 18,5 Metern, die tiefste Fläche bei Freepsum (gleichzeitig tiefste Stelle Deutschlands) liegt rund 2,5 Meter unter Normalnull.

Bei Gemeinden, deren Name nicht identisch mit dem des Hauptortes ist, ist der Sitz der Verwaltung jeweils angegeben; bei Samtgemeinden sind die einzelnen Mitgliedsgemeinden ebenfalls aufgeführt.


Landkreis Aurich:

1285,71 qkm, 179.342 Einwohner (139,5 Einw./qkm; Stand 30.06.1995)

Kreisfreie Stadt Emden:

112,40 qkm, 51.826 Einwohner (461,1 Einw./qkm; Stand 30.06.1995)

Landkreis Leer:

1086,19 qkm, 153.200 Einwohner (141,0 Einw./qkm; Stand 30.06.1995)

Landkreis Wittmund:

656,54 qkm, 54.926 Einwohner (83,6 Einw./qkm, Stand 30.06.1995)

Landkreis Friesland (mit Sitz in Jever):

607,50 qkm, 97.929 Einwohner (161,2 Einw./qkm; Stand 31.12.1996)

Kreisfreie Stadt Wilhelmshaven:

103,45 qkm, 90.798 Einwohner (877,6 Einw./qkm; Stand 31.12.1992)

Einige Anmerkungen zur politischen Einteilung
[Zum Anfang des Dokuments]

Das eigentliche Ostfriesland, ausgehend vom ehemaligen Fürstentum, umfaßt lediglich die Stadt Emden und die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund mit den ostfriesischen Inseln. Das Gebiet des heutigen Landkreises Friesland gehörte zum Großherzogtum Oldenburg - somit zählt Wangerooge historisch politisch gesehen sondern nur geographisch zu den "Ostfriesischen Inseln". Eine weitere Sonderstellung nimmt die Stadt Wilhelmshaven ein. 1853 verkaufte der Staat Oldenburg 325 Hektar Land am Ufer des Jadebusens an Preußen, das hier einen Hafen für seine Kriegsmarine anlegte. Die im Laufe der Zeit entstandene Siedlung war also früher eine preußische Enklave im Großherzogtum Oldenburg.

Diese heutige Einteilung mit 8 Samtgemeinden und 25 Gemeinden (der Landkreis Friesland und die Stadt Wilhelmshaven im folgenden eingerechnet) ist mit der zum 1. Januar 1974 begonnenen Gebietsreform entstanden. Vorher bestand Ostfriesland aus 327 Gemeinden, teilweise ausgesprochen klein und im extremsten Falle nicht einmal 50 Hektar umfassend. Dem folgte am 1. Juli 1977 die Umbildung der Landkreise: die ehemaligen Kreise Norden und Aurich wurden zum neuen Landkreis Aurich zusammengeschlossen. Die alten Landkreise Friesland und Wittmund wurden vereinigt, das Gebiet um Varel gehörte jedoch nicht mehr dazu, Sitz dieses neuen Kreises wurde Wittmund. Die kreisfreie Stadt Emden und der Kreis Leer blieben bestehen, einige Dörfer wechselten jedoch zur Stadt Emden. Allerdings ließ sich die Vereinigung des "ostfriesischen" Harlingerlandes und des "oldenburgischen" Jevers nicht durchsetzen, auf gerichtlichem Wege erlangte der Kreis Wittmund seine Wiederherstellung zum 1. Januar 1980. So lassen sich die früheren Grenzen des Fürstentums Ostfriesland wieder ungefähr an den Kreisgrenzen nachvollziehen, während der Landkreis Friesland (jetzt gehörte Varel wieder dazu) in etwa wieder das frühere oldenburgische Gebiet an Jade und Nordsee umfaßt.
Der letzte Rest ostfriesischer Eigenständigkeit ging schließlich 1978 verloren, als der Regierungsbezirk Aurich aufgelöst und (wie Osnabrück) in den Regierungsbezirk Weser-Ems mit Sitz in Oldenburg eingegliedert wurde. 514 Jahre nach dem Entstehen der Reichsgrafschaft Ostfriesland zeugte nun nur noch die Ostfriesische Landschaft von der früheren Selbstverwaltung.

Aus den 300.000 Einwohner Ostfrieslands von 1939 wurden bis 1946 durch Zuwanderung von Flüchtlingen 365.000, 1948 lebten hier sogar schon über 390.000 Menschen. Die Zählung von 1950 ergab 300.000 Einheimische, fast 68.000 Heimatvertriebene, etwa 14.000 "zeitweilig Ortsansässige" und 6.000 Personen aus dem vormals sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, insgesamt nahezu 388.000 Menschen. Der niedrigste Nachkriegsstand wurde 1958 mit etwa 358.000 Bewohnern erreicht. 1970 lebten hier 400.000 und 1986 schon wieder 415.600 Menschen. Insgesamt umfaßt Ostfriesland heute 3.850 qkm mit über 627.000 Einwohner (durchschnittlich 162 Einwohner pro Quadratkilometer).

(Die Adressen und Daten der Städte, Kreise und Gemeinden finden sich in der jeweils aktuellen Ausgabe des "Ostfreesland, Kalender für Jedermann" des Verlages Soltau-Kurier, Norden, dazu die Adressen der verschiedenen Bundes- und Landesbehörden, Kommunaleinrichtungen, privaten Verbände usw. Im Internet einsehbar sind die Adressen über das Telefonverzeichnis.)

Auf Anfrage teilt das Bundesminister des Inneren mit, daß Ostfriesland als Region im Sinne der EU aufzufassen sei und die Ostfriesen seitens der Bundesregierung als Minderheit angesehen würden. Heute ist die Region das gesamte Küstenland zwischen Dollart und Wesermündung und umfaßt oben angegebene Kreise und Städte.


Kirchliche Einteilung und Kirchenbücher
[Zum Anfang des Dokuments]

Kirchlich ist Ostfriesland nach der Reformation protestantisch und während der Gegenreform dringt der römisch katholische Einfluß wieder bis Papenburg vor. So sind bis in das 19. Jahrhundert etwa folgende Gebiete für genealogische Recherchen wichtig zu unterscheiden:

Kirchenbücher                                                      [Zum Anfang des Dokuments]

Adresse für lutherische Kirchengemeinden:
Landessuperintendentur
Julianenburger Straße 23
26603 Aurich
Tel : 04941/2672

Öffnungszeiten
Mo - Do: 8.15 - 13.00 h und 14.15 - 17.00 h
Freitag : 8.15 to 13.00 h

Evangelisch Reformierte Kirchbücher

Sie sind in beachtlichem Umfang auf Mikrofilm vorhanden und bei der Upstalsboom - Gesellschaft einsehbar

Baptistengemeinden / heute: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden

Ostfriesische Baptistengemeinden existieren in Augustfehn, Aurich, Ditzumerverlaat (Rheiderland), Emden, Esens, Firrel (Hesel), Ihren (Westoverledingen), Jennelt (Krummhörn, früher: Hamswehrum), Leer, Moorhusen (Südbrookmerland), Norden, Norderney, Remels (Uplengen), Rysum (Krummhörn), Veenhusen (Mormerland), Weener und Wymeer (Rheiderland).
Weitere Gemeinden, deren Mitglieder zum Teil im Ostfriesischen wohnen, befinden sich an folgenden Orten: Bad Zwischenahn, Elisabethfehn, Jever, Varel, Westerstede und Wilhelmshaven. Die Kirchbücher (Einträge ab 1840) befinden sich bei den Ortsgemeinden.

Nähere Auskunft erteilt Pastor Gregor Helms, Bismarckstraße 1a, 26441 Jever, Tel.: 04461/912515, eMail: efg-jever@t-online.de .
Weitere Informationen bei www.wikipedia.de, Stichwort: Freikirchen in Ostfriesland


Geschichte in Zahlen                           [Zum Anfang des Dokuments]

Sprache in Ostfriesland                      

Neben dem amtlichen Hochdeutsch ist in Ostfriesland das ostfriesische Niederdeutsch (Platt) auch heute noch recht verbreitet, viele ältere Quellen sind in Plattdeutsch gehalten.Amtliche Dokumente des 16. Jh. sind meist in der Niederdeutschen Amtssprache, die sich in Norddeutschland entwickelte, gehalten, nachdem das vormals Lateinische nach der Reformation seine Bedeutung verlor. Zudem war in der Vergangenheit zeitweise das Niederländische die Amtssprache (Ostfriesland war zeitweilig stark niederländisch beeinflußt). Beim Studium sehr alter Quellen gewinnen über das übliche Latein hinaus die altniederdeutsche und schließlich die altfriesische Sprache, die dem altenglischen sehr ähnlich und verwandt ist, zunehmend an Bedeutung.(Beispiel siehe unten). Als sehr hilfreich ist zu nennen das

"Wörterbuch der Ostfriesischen Sprache"
von Jan ten Doornkaat Koolmann
drei Bände, erschienen 1879 und mehrmals nachgedruckt, z.B. bei Sändig Reprint Verlag

"Plattdeutsch-Hochdeutsches Wörterbuch"
und
"Hochdeutsch-Plattdeutsches Wörterbuch",
beide bearbeitet von Wolfgang Lindow.

Es lohnt sich aber auch immer ein Blick in eine Bibliothek. Fachstelle für Regionalsprache der Ostfriesischen Landschaft, Aurich: Telefon 04941/1799-52

Muster altfriesischer Sprache:

(aus dem Brautgedicht des Imel Agenna von Upgannd)

Sa in mei heed de wyt and klockheed sa geweisen,
als wel veel ad’re sa deerum seen(’hag) verheisen,
als men wel veel kunn sek’ in use fadersloend jeff
That ye heed’ dreemed, als by aelders de poeten
op Parnaszo den birg, ye scholde my formeiten,
to makie een gedicht, That, fon weerdy shold seyn
to kumen aen Thet liacht and aller Manschen schyn.
Ye wuld en breidloftsleed oendreipe jiuw to singen
Weerin ye melde wuld' fonn wonderlyke dingen, ...

[Zum Anfang des Dokuments]


Schriftkunde

Die meisten Kirchenbücher und andere zeitgenössische Dokumente sind in deutscher Schreibschrift (Sütterlin) gehalten, so daß man sich vor dem Quellenstudium etwas mit dieser Schrift beschäftigen sollte. Im Buchhandel sind verschiedene Bücher zu diesem Thema erhältlich, meist unter dem Stichwort "Altdeutsche (Schreib-)Schrift".

Siehe auch Beispiele für alte deutsche Schrift.

[Zum Anfang des Dokuments]


Diese Seite war früher Bestandteil der Seite ...ostfrieslan.html und wurde wegen deren zu großer Länge wieder ausgegliedert. Dez. 1998

Anregungen für Erweiterungen, zu Fehlern und anderem bitte an den derzeitigen Bearbeiter per e-mail oder an: WebMaster