Veranstaltungen der Schleswig-Holsteinischen Familienforschung e.V. in 2007
Aufgrund von Erfahrungen aus der eigenen Familienforschung und dem
daraus entstandenen Buch "Hoboisten in Hessen-Kassel im 18./ 19. Jh."
gewährte Frau Irmgard Khuen am 12.03.2007 in Kiel den
erschienen Mitgliedern und Gästen einen Einblick in das Thema "Militärmusiker
- Funktionen, Instrumente, Schicksale und Genealogien".
Resultierend aus ihrem Forschungsgebiet lag der Themenschwerpunkt dabei
auf Hessen und nicht auf Schleswig-Holstein.
Während es "Signalmusiker" wie z.B. Trompeter bereits seit vielen
Jahrhunderten gab, entstanden Militärmusiker zunehmend erst nach
dem 30-jährigen Krieg 1618-1648, als die Landesherrn sich eigene
Armeen zur Machterhaltung hielten. Obwohl der Begriff Oboist bzw. frz.
Hoboist zunehmend den Begriff Militärmusiker ablöste, waren
damit auch Musiker mit anderen Musikintrumenten gemeint. Je nach
Militärrichtung gab es z.B. Hörner, Trompeten, Trommeln,
Triangeln, Becken u.a. So wurden die Oboisten nicht nur bei den Armeen
direkt, sondern z.B. auch bei Hofe oder im Theater eingesetzt. Die
Anzahl der Oboisten schwankte dabei je nach Finanzkraft des Landesherrn
stark. Als Daumenregel gilt, daß sie ca. 1 % der Sollstärke
einer Armee ausmachten, welche jedoch zwischen 750 und 3000 Mann
betrug. Auch wenn sie zur jeweiligen Armee gehörten, so wurden sie
i.d.R. nicht als gleichwertig angesehen. Ein Grund könnte
dafür der Umstand sein, daß sie nicht mit marschieren
mußten, sondern zum Schutz der teuren Instrumente auf dem
Rüstwagen mitfuhren.
Der Vortrag endete mit einem allgemeinen Austauch über
diesbezügliche Fundstellen für Schleswig-Holstein. Dabei
wurden genannt: Reichsarchiv Kopenhagen, Militärarchiv Freiburg
und das Geheime Staatsarchiv Berlin-Dahlem.
Das Rahmenprogramm der diesjährigen Mitgliederversammlung am 06.05.2007 begann im Museum der Stadt Eckernförde, dem alten Rathaus. Ausgehend von 2 Modellen der Stadt aus dem 16. Jh. und dem Jahr 1970 führte der Leiter des Museum, Dr. Uwe Beitz, die Teilnehmer in die Geschichte und Entwicklung der Stadt ein. Der zeitliche Bogen reichte dabei vom 16. - 20. Jh.. Neben einem Einblick in die Rolle der Fischerei und des Tourismus für Eckernförde ging die Führung insbesondere auf verschiedene, für Eckernförde wichtige Familien ein: So z.B. die für die wirtschaftliche Entwicklung wichtige Familie Otte, deren Wirken als Kaufleute, Reeder und Fabrikbesitzer vom 16. - 18. Jh. reichte. Oder die Holzschnitzerfamilie Gudewerdt aus dem 17. Jh. oder die Maler- und Fotografenfamilie Baasch im 19./ 20. Jh.
Nach dem Mittagessen stellte Herr Joachim Memmert den
Teilnehmern seine Holländerforschung vor: Bei den
Holländern handelte es sich ursprünglich aus den spanischen
Niederlanden geflohene Protestanten, die sich außer im Rheinland,
Westphalen, Friesland auch in Schleswig-Holstein ansiedelten. Neben dem
Einsatz als Deichbauer an der Westküste fanden sie ihr
Betätigungsfeld insbesondere in der Viehwirtschaft, indem sie im
16./ 17. Jh. verstärkt das Vieh auf den adligen Gütern
pachteten.
Im 16. Jh. stieg das Preisniveau für landwirtschaftliche
Erzeugnisse stark an, so dass es sich lohnte, nicht mehr nur für
den eigenen Bedarf, sondern mehr und mehr für den Verkauf zu
produzieren. Daran partizipierte der Adel durch Vergrößerung
seiner Anbauflächen und der Bildung größerer
Viehherden. Während es sich dabei zunächst um (Mast-) Ochsen
handelte, wurde die Viehhaltung auf Anregung der Holländer bald
auf Milchkühe umgestellt. Ebenfalls auf Anregung der
Holländer entstand das noch heute für Schleswig-Holstein
typische Bild der Koppellandschaften, da es rentabler war,
größere Herden - sie reichten i.d.R. von 50 - 200 Stück
Vieh - auch auf größeren zusammenhängenden
Landflächen zu halten.
Die Verträge zwischen Adel und Holländer - sie reichten vom
Maitag eines bis zum Maitag des folgenden Jahres - regelten genau die
Rechte und Pflichten auf beiden Seiten. So stellte der Gutsherr Vieh,
Hof, Stall, Koppeln und das Winterfutter, während der
Holländer die erforderlichen Gerätschaften mitzubringen hatte
und pro Kuh eine Jahrespacht von 7-8 Reichstaler zu zahlen hatte. Die
Pacht war jeweils zu einem Drittel fällig bei Antritt (01.05.), zu
Johanni (24.06) und zu Martini (11.11.). Durch den Verkauf von Butter
und Käse an Städte, Garnisonen, Hafen- und
Residenzstädte bestritt ein Holländer seine Unkosten und
brachte es so auch zu bescheidenem Reichtum, welcher es ihm
ermöglichte, nach Verlauf einiger Jahre und Ablauf seines
Vertrages eine größere Herde zu pachten.
Ca. 18 - 20 Tiere wurden von einer Magd gemolken. Die Literatur nennt
dabei folgende Milchleistung pro Kuh: 1634: 700 Liter; 1755: 1050 -
1250 Liter; 1949: 3200 Liter und heute: ca. 7000 Liter jährlich.
Pro Kuh wurde damals eine Fläche von 1 - 3 ha benötigt. Dies
entsprach bei einer Herde von ca. 50 Tieren der Fläche von
ungefähr 3 Hufen.
Der Höhepunkt der Holländereien lag im 18. Jh., als diese
sich in der langen Friedenszeit positiv entwickelten. Sie gingen mit
Aufhebung der Leibeigenschaft Ende des 18./ Anfang des 19. Jh.
zurück, als sowohl das benötigte Personal als auch die
erforderlichen Flächen nicht mehr zur Verfügung standen. Es
entstanden zunehmend Genossenschaftsmeiereien in Konkurrenz zu den
Holländern. Auch begünstigte die Erfindung der Dampfmaschine
und damit z.B. der Zentrifuge den Niedergang der Holländer, da
diese es sich nicht erlauben konnten, diese anzuschaffen und mit ihnen
umzuziehen und die Gutsherren kein Interesse am Erwerb der Maschinen
zeigten.
Nach dem Einblick in die Geschichte der Holländer gab Herr Memmert
noch einen Überblick über die Quellenlage: Informationen
finden sich in den Kirchenbüchern, den Volkszählungen, den
Werken Franz Schuberts sowie u.U. in den noch vorhandenen
Verträgen zwischen Gutsherr und Holländer. Diese werden
i.d.R. in den Gutsarchiven aufbewahrt, soweit diese noch existieren.
Allerdings finden sich darin selten familienkundlich interessantes
Material.
Durch die häufigen Ortswechsel der Holländer gestaltet sich
die Suche nach ihnen relativ schwierig. Neben der Buchreihe
von Herrn Memmert gibt es noch die sogenannte Brügmann-Kartei
(durch die Mormonen verfilmt) sowie die sogenannte Schäfer-Kartei
im Landeskirchenarchiv Mecklenburg in Schwerin, welche vermutlich die
Aufzeichnung der Sippenkanzlei Mecklenburgs enthält und bis ins
19. Jh. reicht. Beide Karteien enthalten viele Mecklenburger,
Brügmann auch in geringem Maße Schleswig-Holsteiner.
Das Projekt GedBas (Genealogische Datenbasis) wurde vom
Verein für Computergenealogie e.V. ins Leben gerufen und
Mitgliedern und Gästen am 07.05.2007 in einem Vortrag in Kiel
durch Andre Studt näher gebracht. Es soll Forschern in Deutschland
helfen, Kontakte zu anderen interessierten Forschern zu finden und
Ergebnisse auszutauschen. Anders als bei FOKO werden hier auch konkrete
Daten veröffentlicht. So muss nicht mehr in jedem Fall per E-Mail
oder per Post angefragt werden, da diejenigen, die Interesse an den
Namen haben, bereits bei der Suche in der Datenbank erkennen
können, ob die Forschungsergebnisse für sie von Interesse
sind oder nicht.
Jeder Familienforscher kann hier seine Forschungsergebnisse beitragen,
jeder kann die Datenbank abfragen.
Mit den Zugangsdaten für unsere Online-Mitgliederdatenbank kann
man sich direkt mit den dort benutzten Zugangsdaten im
GedBas-Teilnehmerbereich einloggen. GedBas ist erreichbar unter http://gedbas.genealogy.net.
Wer seine Daten einstellen möchte, muß über sein
Genealogieprogramm eine GEDCOM-Datei erzeugen, das können fast
alle gängigen Programme. GEDCOM ist ein Dateiformat, das dazu
dient, Daten zwischen verschiedenen Genealogie-Programmen
auszutauschen, die Qualität der erzeugten GEDCOM-Dateien kann
allerdings sehr unterschiedlich sein. GEDCOM-
Dateien sind im Prinzip sehr einfach, man könnte sie sogar selbst
schreiben, kommt dann aber spätestens bei den Urgroßeltern
mit den Verknüpfungen durcheinander.
Alle Personen, die vor weniger als 100 Jahren geboren bzw. weniger als
30 Jahren verstorben sind, werden automatisch vor der Übernahme in
die GedBas-Datenbank entfernt; sie sind nicht Bestandteil des von
jedermann abfragbaren Datenbestandes. Wenn allerdings zu einer Person
keine Daten angegeben sind, kann das Programm auch nicht erkennen, dass
sie eigentlich gelöscht werden sollte. Demnach kann man als
Einsender also auch bestimmen, dass man wenigstens die Namen lebender
Personen angezeigt haben möchte (ohne ihre Lebensdaten, bzw.
weitere Angaben) - man muss dazu einfach das Geburtsdatum entfernen, es
reicht das Jahr zu löschen. Fragen Sie die lebenden Personen aber
vorher um Erlaubnis zur Veröffentlichung, es könnte sonst zu
unliebsamen Familienstreitigkeiten führen.
Folgende Vorgehensweise empfiehlt sich ganz grundsätzlich:
Wer seine Daten öffentlich verfügbar machen will, indem er
sie in Internet-Datenbanken einspeist, auf seiner Homepage zum Download
oder im privaten Austausch mit anderen Forschern zur Verfügung
stellt, der sollte für diesen Zweck eine spezielle GEDCOM-Datei
erstellen (und so benennen, dass er sie eindeutig identifizieren kann!).
Wenn man noch keine Benutzer-Kennung hat, geht man auf "Anmeldung" und
gibt seine persönlichen Daten ein. Die Kennung wird dann in der
Regel nach 1-2 Tagen freigeschaltet. Wer bereits eine Benutzer-Kennung
hat, kann seine Daten sofort hochladen. Dazu geht man in den
Teilnehmerbereich, gibt die Kennung und das Passwort ein, wählt
anschliessend die hochzuladende Datei aus und lädt sie hoch. Jede
Datei wird nach dem Upload auf korrekte Syntax geprüft und erst
danach im System abfragbar sein.
Es ist möglich und u.U. sinnvoll, mehrere separate Gedcom-Dateien
hochzuladen, wenn die einzelne Datei sonst sehr groß wäre,
oder auch wenn man mehrere Forschungsbereiche in separaten Dateien
erfasst und speichert.
Letzte Änderung/Last update: Dezember 2007
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Familienforschung e.V.
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