|
|
"Kinder dürfen nicht lügen"
|
| Lore Born las aus ihrem Buch "Leibchen und Seelchen"
Gross Ilsede. Kaum fasste der Raum des Kompetenzzentrums Neue Medien im ehemaligen Belegschaftshaus des Ilseder Hüttengeländes die vielen Interessierten, die am Mittwochabend der Einladung von Inge Hartung, Frauenbeauftragte der Gemeinde Ilsede, zur Lesung 'Leibchen und Seelchen - eine Kindheit im Zweiten Weltkrieg' von Lore Born gefolgt waren.
|
|
Stellvertretend für Millionen 'Opfer' einer restriktiven Erziehung, die blindes Funktionieren ohne Hinterfragen sowie Reduktion auf Kinderkindheit gebot, kommt Borns in Form einer Reportage gehaltenen Geschichte einer Aufarbeitung und zugleich einer Abrechnung mit dem in der Nazipädagogik geforderten bedingungslosen Gehorsam gleich.
Früh lernt das intelligente und begabte Mädchen, seine Gefühle zu bremsen und die Bedeutungslosigkeit eigener Wünsche und Bedürfnisse zu erkenne. Borns Erinnerungen blieben ihr ein ganzes Leben treu. Aber erst auf Ermunterung des Schriftstellers und Filmemachers Eberhard Fechner (Die Wolfskinder) zeichnete die heute 66-jährige in Bonn lebende ehemalige Journalistin Bilder, die in Form von Momentaufnahmen Betroffenheit, aber auch Heiterkeit auslösenden Wiedererkennungswert und Identifikation bei den größtenteils gleichaltrigen Hörern weckten.
In beschämenden Erinnerungen gräbt Born, als sie das 'Organisieren' - den Diebstahl eines Eies - gesteht. Damals von der Mutter als Mundraub legitimiert, entlarvt das Mädchen dennoch die den Kindern eingebläuten Erziehungsprinzipien wie Ehrlichkeit als Widersprüche und Doppelmoral ('Kinder dürfen nicht lügen...')
Eine ganz normale Kindheit, die in schlichten, wohlgesetzten Worten oft genug den Hören ein zustimmendes Kopfnicken entlockte.
Leibchen und Seelchen. Kindheit im 2. Weltkrieg. |
|
|