Die Vorträge finden statt im Staatsarchiv Oldenburg, Damm 43, 26135 Oldenburg.
Hinweis:
Durch die Fachtagung zum Thema "Migration in Nordwestdeutschland und den benachbarten Niederlanden" am 14. und 15.Oktober
2011 (siehe Aktuelles) in der Johannes a Lasko Bibliothek in Emden, fällt der Oktobervortrag
in Oldenburg aus.
Nr. 428 - 5. November 2011: Volker Landig, Jever:
„Leichenpredigten des 16. bis 18.Jahrhunderts“
Leichenpredigten bilden eine wenig beachtete Gattung geistlich-historischer Literatur. In deutschen Bibliotheken sind um
die 200 000 solcher Dokumente verwahrt, die nur selten Gegenstand der Geschichtsforschung gewesen sind. Die rund fünfzig
gedruckten und gebundenen Leichenpredigten in den beiden historischen Bibliotheken der einstigen Residenzstadt Jever haben
die Aufmerksamkeit des früheren jeverschen Gemeindepfarrers Volker Landig geweckt, der eine kleine Auswahl dieser Dokumente
vorstellen wird.
Ausgangspunkt ist die in der Stadtkirche gehaltene und dort im Archiv als Unikat verwahrte Predigt auf
den Tod der Zarin Katharina II. Die Auswahl der weiteren Beispiele orientiert sich an ihrem Informationsgehalt über die
örtlichen Verhältnisse in Kirche, Schule und Gesellschaft Jevers. Sie vermitteln ein lebendiges Bild von den engen
Beziehungen der Herrschaft Jever zum Fürstentum Anhalt-Zerbst in der Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert und geben Zeugnis
vom Stand der Theologie in der lutherischen Orthodoxie.
Nr. 429 - 14. Januar 2012: Gerold Diers, Sandkrug:
„Bäuerliche Archive und ihr Wert für die Familien- und Regionalgeschichtsforschung“
Bevor Grundbuchämter, Amtsgerichte und sonstige Ämter die Rechte der Bürger an Grund und Boden, aus Geldgeschäften, aus
Eheabsprachen usw. aufzeichneten und aufbewahrten, mußten die Einwohner selbst für die Absicherung ihrer Rechte Sorge
tragen. Jeder Bauernhof wird daher solche wichtigen Dokumente aufbewahrt haben.
Aus dem Gebiet des ehemaligen
Herzogtum Oldenburg sind uns noch viele bäuerliche Archive überliefert, sei es auf den Höfen selbst oder in öffentlichen
Archiven wie dem Staatsarchiv Oldenburg und dem Archiv des Museumsdorfes Cloppenburg. Durch Kriegseinwirkung, durch das
"Höfesterben" und auch durch Unachtsamkeit der jetzigen Bewohner sind andere Archive verloren gegangen.
Manche dieser
Archive reichen bis ins 15.Jahrhundert zurück, andere beginnen erst im 19.Jahrhundert. Sie sind so unterschiedlich wie
die Menschen selbst, aber immer geben sie Einblicke in die Lebensumstände der Familien und ihrer Nachbarn. Aus ihnen
erfahren wir viel über die Lebensbedingungen der jeweiligen Epoche. Mit Hilfe solcher Archive können wir die
Persönlichkeiten unserer Vorfahren zumindestens bruchstückhaft nachzeichnen und verstehen, unter welchen Bedingungen
sie handeln mussten.
An ausgewählten Beispielen aus dem Ammerland und der Delmenhorster Geest wird Gerold Diers
aufzeigen, welche Fülle von Informationen diese Archive sowohl für den Familienforscher als auch für den Heimatforscher
bieten können.
Nr. 430 - 18. Februar 2012: Dr. Heike Düselder, Oldenburg:
„Die Ritter von Elmendorf und ihre Bedeutung im Oldenburger Land"
Wenn die alte Linde in Dreibergen erzählen könnte, wüsste sie sicher einiges zu berichten von den Rittern zu Elmendorff,
jenem Adelsgeschlecht, das im Mittelalter am nordöstlichen Ufer des Zwischenahner Meeres auf drei Burghügeln herrschte,
die später dem Ort Dreibergen seinen Namen gaben.
Die Familie von Elmendorff war einflussreich, das lässt sich an
zahlreichen Erwähnungen in Urkunden erkennen, in denen sie als Zeugen oder Bürgen an erster Stelle stehen. Im ersten
Drittel des 14. Jahrhunderts ziehen sie sich jedoch aus dem Oldenburger Land zurück und lassen sich in Vechta, im späteren
Oldenburger Münsterland nieder. Mit ihnen oder wenig später zog es auch andere Adelsfamilien aus dem Oldenburgischen ins
Münsterland, so etwa die Familien von Eyhausen, Kobrinck und Aschwege.
Im Oldenburger Land gab es fortan so gut wie
keinen landsässigen Adel mehr. Die Grafen regierten ohne Ministeriale und verzichteten auf die persönlichen Bindungen eines
ihnen verpflichteten niederen Adels, in ihrem Herrschaftsverständnis war kein Platz für andere Herrschaftsträger. Doch im
Unterschied zum Umgang der Grafen mit anderen Adelsgeschlechtern im Ammerland zeigten sie sich gegenüber der Familie von
Elmendorff recht großzügig und entschädigten sie für ihren Rückzug aus dem Ammerland recht komfortabel.
Der Vortrag geht
den Gründen für dieses Verhalten nach und richtet den Blick auf die Bedeutung der Ritter von Elmendorff in der Grafschaft
Oldenburg und ihr späteres Wirken im Münsterland.
Nr. 431 - 17. März 2012: Jos Kaldenbach, Alkmaar (NL):
„Die Verenigde Oostindische Compagnie (VOC), der erste Weltmulti aus Holland“
Ein kleines Land wie Holland konnte sich zeitweise zur stärksten Wirtschaft Europas entwickeln. Das betrifft die 7
Vereinigten Niederlande, die im 17. Jahrhundert eine Weltmacht wurden, weil die Einwanderung und Wanderung – also
Saisonarbeiter - besonders aus dem benachbarten Deutschland die Defizite im heimischen Arbeitsmarkt wettmachten.
Ein
wichtiges Unternehmen wurde die Verenigde Oostindische Compagnie (VOC), die mittels Aktien – die ersten der Welt - und
Schiffspaten so viel Kapital sammelte, dass man Schiffe, Geld und Güter nach Ost- und Westindien und Umgebung schicken
konnte um Handel zu treiben.
Die vielen Hunderttausende Deutsche die in der VOC als Soldat oder Seemann oder Händler
mitfuhren – 50 % der Gesamtbelegschaft -, wurden schon digital erschlossen. Das ganze 18. Jahrhundert aus den Beständen
(Musterbücher) der Vereinigten Ostindischen Kompanie ist jetzt schon beinahe komplett im Internet zu finden. Dass man
dabei auch zahllose sehr entfernte und unerwartete Sterbeorte (auf hoher See, das Hospital in Kap der Guten Hoffnung oder
Batavia) und –daten findet, ist für den Orient ja oft ein Glücksfall. Lediglich das 17. Jahrhundert ist in der VOC nicht
vollständig überliefert und deshalb noch nicht digitalisiert.
Auf diese Weise lassen sich auch etwa 500 Bürger aus dem
Oldenburger Land, teilweise mit ihren Kleidungsstücken, Schulden, Forderungen, Zahlungen und Beförderungen nachweisen,
darunter folgende Namen: Aalries, Alderts, Carlensz, Dirksz, Eldertse, Ellers, Folmers, Frees, Geisse, Gessel, Hanken,
Hanssen, Kerns, Kloppenburg, Koopman, Martens, Meijndertsz, Michielsz, Oldenburg(h), Ool, Oolkens, Pietersz, Roelofs.,
Siefken, Speketer, Spekman, Stint oder Willemsz.
Abschließend wird der Referent auch noch kurz auf die Fülle von
Standesamtsurkunden, Tauf- , Heirats- und Sterbebucheintragungen, Notariatsurkunden usw. aus den 12 niederländischen
Provinzen eingehen.
Wer sich auf den Vortrag von Jos Kaldenbach schon etwas vorbereiten möchte, der findet entsprechende
Informationen unter: vocopvarenden.nationaalarchief.nl
Sämtliche Vorträge finden statt an den betreffenden Sonnabenden
um 16.00 Uhr im Staatsarchiv Oldenburg, Damm 43, 26135 Oldenburg