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  Letzte Änderung: 07.10.2003

 
Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde
- Sektion Genealogie -

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Zur Methodologie der Familienforschung (I)

Von Harald Roth

Grundsätzliches zur Aufstellung einer Ahnentafel und zur Zusammenstellung einer Ahnenliste ("Ahnenpaß")

Bei Beginn der Erforschung der eigenen Vorfahren erweist es sich als zweckmäßig, sich zunächst mittels einer Ahnentafel einen Überblick über die bekannten Daten und Namen zu verschaffen. Derjenige, für den die Ahnentafel (AT) aufgestellt wird, der "Proband", erhält die Nummer l und wird an unterster Stelle der Tafel angeschrieben. Der Vater wird links oberhalb mit der Nummer 2, die Mutter rechts oberhalb mit der Nummer 3 eingetragen. Hieraus ist auch das System ersichtlich, nach dem männliche Vorfahren stets links, weibliche Vorfahren stets rechts angeschrieben werden.

Die Durchnumerierung erfolgt nach Generationen. Somit lassen sich stets - auch in früheren Generationen - die Nummern (Ahnenziffern/AZ) der Eltern einer bestimmten Person berechnen: der Vater erhält stets den doppelten Wert des Sohnes oder der Tochter, die Mutter den Wert des Vaters plus eins.

Da sich die Ahnentafel jedoch nur als Hilfe zur besseren Übersicht, jedoch nicht als Weg, um genaue und ausführliche Angaben festzuhalten, bewährt hat, ergibt sich die Notwendigkeit, eine Ahnenliste (AD anzufertigen. Die kann man auf zwei verschiedene Weisen anfertigen: zum einen in der Reihenfolge der AZ der einzelnen Personen, zum anderen alphabetisch nach Namen. Im letzten Fall, der nicht immer als übersichtlich zu bezeichnen ist, sollte man jedoch beim Neuauftreten eines Namens (das ist bei einer Heirat der Fall) auch auf die "Anschlußstelle", d.h. den Namen des Ehegatten, den die Ahnfrau heiratete, hinweisen. Ferner sollte man zur schnelleren Identifizierung einer Person deren AZ und die Ahnengeneration, der sie angehört, mit römischer Ziffer hinzufügen.

Bei der Anordnung in Reihenfolge der AZ ergibt sich das System, das uns im "Ahnenpaß" bekannt ist. Da der Ahnenpaß in früheren Jahrzehnten jedoch in erster Linie amtlichen Zwecken diente (daher auch die Bezeichnung "Paß"), sollte man diesen Ausdruck heute für neuangelegte Aufstellungen nicht unbedingt verwenden; u.a. auch deshalb, um Mißverständnissen vorzubeugen (z.B. um Unwissenden keinen Anlaß zum Vorwurf zu geben, es handele sich um eine Art "Rassennachweis"). Ein Ahnenpaß = Ahnenliste läßt sich mittels Formblättern für jeweils ein Ehepaar zusammenstellen, die in ihrer Vollständigkeit unterschiedlich sein können. Sie sollten auf jeden Fall enthalten:

  • AZ des männlichen Ahnen, AZ seines in der AT vorkommenden Kindes
  • Name, Vorname dieses männlichen Ahnen, Namen und AZ von dessen Eltern
  • Geburts- und/oder Taufdatum und -ort
  • Bekenntnis (Religion)
  • Todesdatum und -ort
  • Datum und Ort der Eheschließung
  • Beruf
  • AZ der Ahnfrau (AZ des Mannes + 1)
  • Name und Vornamen der Ahnfrau, Namen und AZ von deren Eltern
  • Geburts- und/oder Taufdatum und -ort
  • Bekenntnis (Religion)
  • Todesdatum und -ort

Es wird hier ein Beispiel für ein Erfassungsformblatt, etwas ausführlicher als oben erläutert, gegeben. Formblätter dieser Art gibt es bei genealogischen Verlagen (z.B. Degener & Co., Neustadt/Aisch; C.A. Starke, Limburg/Lahn) käuflich in verschiedenen Ausführungen zu erwerben, ebenso verschiedene "Ahnenbücher". Es empfehlen sich jedoch oftmals einige Entwürfe. Es sollten, soweit bekannt, auch die Quellen ins Formblatt eingetragen werden. Sind Matrikeleintragungen im Wortlaut bekannt, so sollten diese auf dem Formblatt, auf dessen Rückseite oder auf beigefügten Blättern an der entsprechenden Stelle festgehalten werden. Das Gleiche gilt, wenn Paten, füngierender Geistlicher, Nummer des Hofes oder des Hauses etc. bekannt sind. Hinweise auf den Lebenslauf (Ausbildung, berufliche Entwicklung, frühere bzw. spätere Heiraten etc.) könnten ebenfalls auf der Rückseite eingetragen werden. Der frühere Ahnenpaß gab in dieser Hinsicht nicht so viele Möglichkeiten; seine Spalten waren nur für relativ wenige Daten konzipiert. Die Formblätter lassen sich in einem Ringordner oder in einem Schnellhefter in Übersichtlicher Ordnung halten ( es empfiehlt sich die Größe DIN A 4).

Abschließend sei auf ein sehr nützliches Büchlein hingewiesen, verfaßt von Gottfried Roesler: Neuzeitliche Darstellungsformen familiengeschichtlicher Forschungsergebnisse am Beispiel des Deutschen Familienarchivs Band 1-12, Neustadt/Aisch (Degener & Co.) 1960, 42 Seiten; es enthält wertvolle Hinweise und Anleitungen zur Methodologie der Familien- und Ahnenforschung.

Beispiel 1:

Ahnentafel (Kann nach oben hin beliebig fortgesetzt werden.)

Zur Methodologie der Familienforschung (II)

Grundsätzliches zur Zusammenstellung von Stammtafel/Nachfahrentafel und Stammliste/Nachfahrenliste

Zunächst soll eine Begriffserklärung vorausgeschickt werden. Der häufig benutzte und volkstümliche Begriff "Stammbaum" ist eine relativ schwammige Bezeichnung; in der wissenschaftlichen Genealogie wird er in der Regel nicht verwendet. Er entspricht am ehesten der Bezeichnung "Stammtafel", d.h. der graphischen (!) Darstellung aller Nachkommen im Mannesstamm eines bestimmten Ahnherrn bzw. Ahnenehepaars. Die dazugehörigen Daten und Angaben werden in der Stammliste zusammengetragen. Hingegen enthält die Nachfahrentafel auch die sog. Töchter-Nachkommen, also alle bekannten Nachkommen des entsprechenden Ahnherrn. Die dazugehörigen Daten werden in der Nachfahrenliste (Nachkommenliste) aufgeführt. Freilich gibt es auch die Möglichkeit, sämtliche Daten in die Graphik selbst einzutragen; je umfangreicher eine Aufstellung allerdings wird, desto dringlicher empfiehlt sich der Übersichtlichkeit und Ausführlichkeit wegen das Anlegen von Listen.

Im Gegensatz zur Ahnentafel ist eine Stamm-/Nachfahrentafel stets ein unregelmäßiges Gebilde; so wird auch kaum mit entgültiger Sicherheit festzustellen sein, ob eine Aufstellung vollständig ist, da möglicherweise ein Nachkomme einer bestimmten Person fehlen, als fehlend aber nicht erkannt werden kann.

Bei der Nachfahrentafel beschäftigt man sich mit der Darstellung der "Deszendenz", indem man zeitlich von einem durch einen Ahnherrn fixierten Punkt vorwärts schreitet. Beim Gegenstück, der Ahnentafel (vgl. Methodologie der Familienforschung (I), SF 3, 1986, H. l, S. 39-42), schreitet man vom Probanden aus rückwärts und stellt somit die "Aszendenz" dar.

Je mehr (sinnvolle) Angaben in den Stamm- und Nachfahrenlisten festgehalten werden, desto "lebendiger" wird der trockene Datenstoff: es bieten sich damit sowohl für die Familiengeschichte wie für weitere Forschungen (z.B. in angeheirateten Familien oder Nebenzweigen), für Statistiken oder soziologische Untersuchungen mehr Ansatzpunkte.

Wichtig bei den Listen ist die Numerierung der Nachkommen. Von den vielen Möglichkeiten, die sich hier bieten und wo die Phantasie eines jeden Genealogen gefordert ist, sollen nur die häufigsten erwähnt werden. Durchnumerierung der Generationen (in Römischen Ziffern), zusätzlich Durchnumerierung innerhalb jeder Generation (ggf. gesondert nach Stämmen oder Ästen oder Durchnumerierung sämtlicher Personen aus der Stamm- bzw. Nachfahrentafel, -liste, wobei die Aufstellung dabei möglichst abgeschlossen sein sollte, um komplizierte Änderungen zu vermeiden.

Das System der Stamm- bzw. Nachfahrenlisten sieht wie folgt aus: Der ältestbekannte Ahnherr, dessen Nachkommenschaft dargestellt werden soll, erhält die Generationennummer I und wird an erste Stelle der Liste gesetzt. Es folgt sein ältestbekanntes Kind (Gen. II); hat dieses Nachkommen, werden zunächst diese festgehalten, und zwar nach dem gleichen System: zunächst die Kinder des ersten Kindes, deren Kinder, Kindeskinder etc. Es kann also durchaus sein, daß man plötzlich von Generation X in der Liste wieder zu Generationen II zurückspringen muß, da das erste Kind in Generationen II bis Generation X Nachkommen hat.

Das System verdeutlicht am besten ein Beispiel (s. Beispiel 1).

Welche Daten in den Listen festgehalten werden können und sollten, zeigt ein weiteres Beispiel, der Entwurf zu einem Formblatt, das als Karteikarte verwendet werden kann. Es können hier außer den Lebensdaten und Berufen auch Wohnorte, Jahre der Deportation, Flucht, Spätaussiedlung u.a. festgehalten werden. Konsequenz bei der Durchführung eines einheitlichen Schemas ist vielversprechend (s. Beispiel 2).

Beispiele für Stamm- und Nachfahrentafeln sind in dieser Zeitschrift schon verschiedentlich geboten worden. Es wird auf die weiterführende Literatur auch zu diesem Themenbereich in den Literaturhinweisen in diesem Heft verwiesen.

Beispiel 1:

Stammliste der Familie Ziegler (1) aus Kronstadt
(Jahres- und Datumsangaben beziehen sich auf Kronstadt.)

I. Ziegler Wolffgang gest. 9. Mai 1616, Handelsmann in Kronstadt.

II. Andreas Ziegler geb. 1579, gest. 7. März 1632, Dr. med. Er erhielt am 10. Aug.1610 in Wittenberg die Doktorwürde, war dann von 1611-1628 Physicus in Kronstadt und wurde am 13. Febr. 1628 als Pfarrer in Tartlau gewählt.
oo 15. Mai 1611 Barbara T. d. Chrestelschmied Johann /Franzen Hannes/, Orator.

III. Andreas Ziegler geb. 1612, gest. 3. Juni 1638 /Fleckfieber/, auf der Universität in Rostock. Stud. phil.
III. Johann Ziegler geb. 8. Juli 1615, gest. 11. Febr. 1654
oo 15. Febr. 1639 Sophia T.d. Welther Mathias, Pfarrer in Katzendorf /Catifalvensis/. gest. 12. Dez. 1663.
Sie heir. 2. /Gotzmeister, Collega/

IV. Johann Ziegler gest. 5. April 1692, Senator 1675-1692, Gewölbeherr.
oo 4. Mai 1664 Margaretha T.d. Greissing Christoph, Senator, u. d. Margaretha Forgäts, geb. 29. Aug. 1649, gest. 5. Aug. 1717.

V. Margaretha Ziegler geb. 1672, gest. 28. Okt. 1763,
oo Jan. 1691 Martin Ziegler geb. 1660, gest. 6. Feb. l716, Rector in Kronstadt, Pfarrer in Tartlau und Brenndorf.

V. Anna Sophia Ziegler gest. 20. Sept. 1735,
oo 12. April 1693 Thomas Franzen, Siegelstecher.

V. Christoph Ziegler gest. als russischer Oberstleutnant in Moskau.

III. Christian Ziegler geb. 24. Dez. 1617, gest. 10. Aug. 1647 oo 12. März 1647 Margaretha T.d. Goehal Andreas.

(Dargestellt nach Arbeiten von Erich Jekelius.)

Beispiel 2:

Formblatt für Nachfahren- und Stammliste

Hinweise auf Hilfsmaterial

Zeitrechnung

Zur Berechnung des genauen Datums bei Datierung nach Sonntagen in Matrikeln (z.B. Dienstag nach Invokavit 1727; 14. Sonntag nach Trinitatis 1810 u.a.) eignet sich gut der leicht zu handhabende "Dauerkalender vom Jahre 532 bis zum Jahre 2099. Nach Dr. Dolarius, Neubearbeitung von Herbert Dennecke." Zu beziehen über den Verlag Degener & Co., D-8530 Neustadt/Aisch für ca. DM 5,-.

Ebenfalls wertvoll, jedoch hauptsächlich für wissenschaftliche Arbeiten zu verwenden ist das "Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit" von Hermann Grotefend, Hannover 1971, 222 Seiten. Bei gängigen genealogischen Problemen dürfte die Dolarius-Tabelle ausreichen, andernfalls wäre das schwieriger zu handhabende und teurere, andererseits aber unübertroffene Handbuch von Grotefend hinzuzuziehen (im Fachbuchhandel).

Schriftkunde

Eine große Hilfe beim Erlernen und Entziffern der deutschen Schrift ab dem Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert ist der "Leseschlüssel zu unserer alten Schrift" von Paul Arnold Grun, zu beziehen für DM 28,-über den C.A. Starke Verlag, D-6250 Limburg an der Lahn 1. Es handelt sich hierbei um einen Nachdruck der Ausgabe von 1935 mit zahlreichen Schriftbeispielen und Tafeln.

Handbücher

Als weitere Hilfsmittel sollen noch zwei Handbücher genannt werden, beide erhältlich im Verlag Degener & Co., D-8530 Neustadt/Aisch. Es finden sich hier Angaben zu genealogischen Darstellungensformen, Angaben zur Schriftkunde, Zeitrechnung, Wappenkunde, Siegelkunde etc., lexikalische Kapitel, Literaturhinweise, Anschriften u.a.m.

Wolfgang Ribbe, Eckart Henning: Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung, begr. von Friedrich Wecken, Neustadt/Aisch 1975, 355 S.

Eckart Henning, Wolfgang Ribbe: Handbuch der Genealogie. Neustadt/Aisch 1972, 304 S.

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