|
|
Zurück zu Wanderungen Wanderbewegungen am Beispiel der Marktgemeinde ZeidenVon Erhard KrausZuwanderungen und Abwanderungen hat es jederzeit und überall gegeben. Zunächst bleiben die Fragen "Woher" und "Wohin" offen und als nächste Frage das "Warum". Am Beispiel von Zeiden will ich versuchen, auf die Fragen einzugehen und sie zu beantworten. Als Quellen für diese Arbeit verwendete ich die "Hof- und Familienblätter für Zeiden", gesammelt und aufgeschrieben von Michael Königes, der auch als Bauerndichter in die siebenbürgische Literaturgeschichte eingegangen ist, und die "Blätter zur Familienforschung von Zeiden", bearbeitet vom Zeidner Lehrer Joseph Friedrich Wiener. Die Zahlen, die im Bericht genannt werden, sind Annäherungswerte und dürften 10 bis 15% unter der Realität liegen. Über die Zuwanderungen in früheren Zeiten deuten die heutigen Familiennamen nach den Herkunftsorten. In den oben erwähnten Blättern und aus persönlichen Kenntnissen finden wir in Zeiden folgende Familiennamen: Birthelmer, Brenndörfer, Heldsdörfer, Rothbächer, Nußbächer, Neudörfer, Weidenbächer, Petersberger, Hermannstädter, Fogarascher, Tekeser, Nierescher, Kellinger, Pildner, Tartler, Wiener und Zeidner. So ähnlich ist es auch in anderen Ortschaften. Wie es zu solchen Benennungen gekommen ist , soll folgendes Beispiel zeigen: etwa um 1820 kam aus Bulkesch ein Georg Boyer nach Zeiden, noch nach etlichen Generationen wurden seine Nachfahren als "Boulkescher" bezeichnet. Die Umwandlungen der Herkunftsorte in Familiennamen finden wir auch bei anderen Völkerschaften. So haben wir in Zeiden bei den Rumänen die Familiennamen "Fãgãrãsan" (Fogarascher), "Feldiorean" (Marienburger), "Prejmerean" (Tartlauer), "Râsnovean" (Rosenauer) und schließlich "Codlean" (Zeidner). 1857 heiratete ein Skalitzky Wenzel eine Zeidnerin, er stammte aus der Nähe von Königgrätz in Nordböhmen , nicht weit von seinem Geburtsort gibt es die Ortschaft Skalitz. Woher kamen die Zugewanderten? Anhand der oben erwähnten Quellen konnten männliche Zuwanderungen bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts festgestellt werden, in dieser Zeitspanne sind sechs Zugänge. In der ersten Hälfte des 19. Jh. sind 29, in der zweiten bereits 53 Zugänge zu verzeichnen. In der Zeit von 1900 bis Kriegsbeginn des Zweiten Weltkrieges waren 128 Zugänge. Das sind insgesamt 216 Zugewanderte. Sie kamen aus dem sächsischen Burzenland, davon 20 aus Weidenbach, 21 aus Heldsdorf und 15 aus Kronstadt. Dann folgen die Gemeinden Rosenau mit 9, Wolkendorf und Brenndorf mit je 7, Neustadt mit 6 und Marienburg mit 5 Personen. Aus den anderen Ortschaften des sächsischen Burzenlandes kamen eine Person bis drei Zugänge. Aus Neudorf im Burzenland, das im 18. Jh. allmählich madyarisiert wurde, kamen im 19. Jh. 12 Personen, aus Krebsbach unter der Heldenburg zwei Personen und ein Sachse mit Namen Blues (gelesen Blu-es, nicht Blüs) kam aus Bacsfalu (Baciu). Aus 25 Ortschaften Siebenbürgens kamen 38 Personen. Außerhalb von Siebenbürgen fanden den Weg nach Zeiden: sechs aus dem Banat, je einer aus Sathmar, Wojwodina, Kroatien, Galizien, Bukarest und Bessarabien. Sechs Zugänge kamen aus Österreich, neun aus Böhmen, zwei aus Deutschland und drei aus dem zaristischen Russland. Bei 31 Zuwanderer konnte der Herkunftsort nicht festgestellt werden. Die Beweggründe der Zuwanderer waren verschiedener Natur. Einige wurden als Prediger, Lehrer und Notäre nach Zeiden berufen, es kamen Kaufleute, Gewerbetreibende, Handwerker, Bauern, Landarbeiter und Tagelöhner. Besonders im ausgehenden 19. Jahrhundert und dann wieder nach dem Ersten Weltkrieg war der Zuwanderungsstrom an tüchtigen Handwerkern in jedem Beruf bedeutend. Aus Neudorf kamen von 1800 bis 1900 Landarbeiter, deren Nachkommen gute Bauern und Handwerker wurden. Wie vorher angeführt wurde, kamen Zuwanderungen auch aus dem zaristischen Russland. Es waren drei ehemalige russische Kriegsgefangene die nach Kriegsende Zeidnerinnen heirateten. Sie arbeiteten zunächst als Berghauer im nahe gelegenen Bergwerk, später wurde einer Steinmetz und Friedhofbesorger, die anderen zwei gingen in andere Betriebe in Zeiden. Bemerkenswert ist die Feststellung, dass wir in Zeiden vier Barbiere aus dem Banat hatten. Weil Zeiden eine berittene Militäreinheit beherbergte, blieben von den abgerüsteten Soldaten einige in Zeiden. Sie waren entweder bei der Gemeinde angestellt oder gingen ihrem Beruf nach. Die Zugewanderten wurden voll eingegliedert. Einige von ihnen konnten auf kulturelle und wirtschaftliche Erfolge zurückblicken. Um einige Beispiele anzuführen sollen ein paar Namen genannt werden: Lehrer Michael Thies kam aus Brenndorf, er gründete den Männerchor, förderte und leitete über einige Jahrzehnte die Blaskapelle, wurde zum ersten Direktor des Zeidner Elektrizitätswerks ernannt und als Rentner war er längere Zeit Kirchenkurator von Zeiden. Der aus Marpod stammende Prediger und Lehrer Michael Wilk förderte die Kirchenmusik, leitete eine zweite Blaskapelle, nach vorzeitigem Ausscheiden aus dem Lehreramt gründete er 1880 die erste Zierpflanzengärtnerei. Im Jahr 1879 schuf der aus Heldsdorf stammende Tischlermeister Johann Horwath die erste Werkzeugfabrik in Ungarn. Nach dem ersten Weltkrieg kam Fritz Schkrohowsky aus Österreich und baute eine gut gehende Gärtnerei auf. Hans Thomas aus Weidenbach hatte neben seiner Bauernwirtschaft, im Gemeindeamt lange Zeit das Amt eines Borgers und später als Wirtschafter inne. Und schließlich waren z.T. Zugewanderte (viele waren aber auch wieder abgewandert) als Mitbegründer des "Zeidner Verschönerungsvereins", der später über mehrere Wahlperioden von dem aus Weidenbach stammenden Lehrer und Prediger Thomas Dück geführt wurde. Dieses sind nur ein paar Beispiele der "Integration". Die Zuwanderungen von weiblichen Personen nach Zeiden in den oben angeführten Zeitspannen hat folgendes Bild: von 1750 bis 1800 kamen 3 Frauen, in der ersten Hälfte des 19. Jh. kamen 25, in der zweiten 38 und schließlich in der ersten Hälfte des 20. Jh. waren 81 Frauen nach Zeiden gekommen. Das sind insgesamt 147 Zugänge. Aus Wolkendorf kamen 22, aus Heldsdorf und Rosenau je sechzehn, aus Weidenbach dreizehn, aus Neustadt acht, aus Honigberg siebem Frauen. Dann kamen aus Kronstadt sechs, aus Marienburg fünf, aus Brenndorf und Neudorf im Burzenland je drei, aus Rothbach zwei und schließlich je eine Frau aus Nußbach, Petersberg und Tartlau. Weitere Herkunftsorte außerhalb des Burzenlandes sind Deutsch Tekes, von dort kamen acht Frauen, aus Schirkanyen vier, und je eine Frau aus folgenden Ortschaften: Felmern, Kaisd, Hamruden, Neudorf bei Schässburg, Agnetheln, Kerz und Birthälm. Je sechs Frauen kamen aus Deutschland und Österreich, und dann je eine aus Ungarn, Böhmen, Sudetenland, dem Buchenland, Serbien und Russland. Aus unbekannten Orten waren sechs Frauen registriert. Die Beweggründe der Zuwanderung bei Frauen dürften naturgemäß zum Teil andere gewesen sein wie bei den Männern. Wenige kamen als Dienstboten (Mägde), die später von Arbeitern und Handwerkern gefreit wurden. Ein Drittel kam in der Landwirtschaft unter, der größere Teil jedoch wurde von Handwerkern heimgeführt. Ein invalider Kriegsteilnehmer im ersten Weltkrieg brachte seine Frau aus Böhmen, ein ehemaliger Kriegsgefangener in Serbien brachte seine Retterin aus Serbien, ein anderer brachte nach zwölfjähriger Gefangenschaft in Russland seine Frau von Russland mit. Wie schon bei den Männern angeführt, wurden auch die Frauen in die Gemeinschaft aufgenommen, viele reihten sich in den "Zeidner Frauenverein" ein, wo einige sogar Ausschussmitglieder wurden. Bedeutend war der Einsatz der aus Deutschland stammenden Frau Dr. Hanna Josef betreffs Kleinkinderbetreung. In den Nachbarschaften wurden alle voll angenommen. Als nächstes Kapitel ist die Abwanderung von Zeidnern, d.h. von Männern. Dass schon in früheren Zeiten Abwanderungen stattgefunden haben, zeigt die Mitteilung, dass 1483 der Zeidner Andreas Rabe als Buchdrucker in Venedig arbeitete. Um 1615 kam der Bauernsohn Peter Meedt als Armenschüler nach Kronstadt. Nach Abschluss der Lateinschule zog er nach Rostock auf die Universität. Als Magister der Weltweisheit kehrte er in die alte Heimat zurück. Nach der damaligen Sitte hatte er seinen Namen latinisiert und hieß fortan "Petrus Mederus". Nach einigen Jahren als Lehrer und Pfarrer wurde er zum Stadtpfarrer von Kronstadt und später zum Dechant des burzenländer Kapitels gewählt. Gute hundert Jahre später kam der 1725 geborene Georg Preidt , Sohn des Richters Hannes Preidt, auf die Honterusschule und besuchte anschließend mehrere Universitäten in Deutschland . Nach seiner Rückkehr war sein weiterer Lebensweg ähnlich dem von Petrus Mederus gewesen, er war zunächst Lehrer und Rektor an der Honterusschule, wurde 1771 zum Stadtpfarrer gewählt und bald darauf zum Dechant. In der Zeitspanne von 1750 bis etwa zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges konnten wir 142 männliche Abwanderungen feststellen. Auffallend ist der Abgang nach Amerika, etwa 1/5. Über diese Auswanderungswelle soll weiter unten ausführlicher berichtet werden. Für die Zeitspanne 1800 bis 1849 konnten 11 Abgänge ermittelt werden, von 1850 bis zur Jahrhundertwende 50, und für 1900 bis etwa 1940 81. Nach Kronstadt zogen 24, nach Neustadt 10, je fünf wanderten nach Heldsdorf, Wolkendorf und Weidenbach ab. Weitere Abwanderungen erfolgten nach Rosenau vier, je drei nach Marienburg und Tartlau. Je eine Person kam nach Nußbach, Brenndorf und Zernescht. Außerhalb des Burzenlandes haben sich in Siebenbürgen Zeidner Männer in folgenden Ortschaften niedergelassen: zwei in Schirkanyen, drei in Hermannstadt, dann je einer in Fogarasch, Katzendorf, Reps, und Mediasch. Ein Apotheker ließ sich in Neumarkt a. Mieresch nieder, nach Sf. Gheorghe hat es einen Maschinisten geführt. Über die Grenzen Siebenbürgens hinaus kam ein Lehrer nach Bessarabien, ein Arzt in die Nähe von Temeschburg, ein Gärtner nach Orawitza. Nach Bukarest gingen drei Zeidner, in die Walachei (Azuga, Ploiesti) sechs. Ins Ungarische gingen, etwa um 1850, ein Tierarzt und ein Agronom, nach Österreich erfolgten sechs Abgänge und schließlich nach Deutschland zwölf. Es waren Ärzte, Professoren, Lehrer und Notäre, Ingenieure, Handwerker und Kaufleute, die nach außen zogen bzw. berufen wurden. Eines Mannes soll hier gedacht werden, der einen triftigen Grund hatte, sein Heimatland zu verlassen. Johann Müll, geboren am 19.09.1824, dem die bäuerliche Arbeit anscheinend nicht Spaß machte, verließ nach kurzer Ehezeit Frau und Kinder und wurde Soldat. In der Revolutionszeit 1848 kämpfte er als Offizier im österreichischen Heer gegen die ungarischen Honved. In einem Gefecht hat er den General Kusmaneck getötet. Weil die ungarischen Truppen gesiegt hatten, musste Müll das Land verlassen und floh in die Walachei. In Bukarest hatte er sich den Namen Dumitru Codulean zugelegt. Etwa um 1860 wollte der damalige Fürst von Rumänien, Alexandru Ioan Cuza, eine Bodenreform durchführen, weswegen er von seinen Gegnern gefangen und eingesperrt wurde. Müll soll ihn aus dem Gefängnis befreit haben und wurde vom Fürsten reich beschenkt, so dass er sich in Ploieºti eine Apotheke einrichten konnte. (Nachzulesen in Blätter zur Familienforschung von Zeiden, Folge 26/1986) Die Auswanderungsziffern bei den Frauen sind folgende: In dem Zeitraum von 1800 bis 1850 gingen sechs Frauen von Zeiden weg. Im nächsten halben Jahrhundert waren es 41 Frauen. Von 1900 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges waren 81 Abgänge, das sind insgesamt 128 Frauen, die aus Zeiden abwanderten. Davon gingen siebzehn nach Kronstadt, neun nach Heldsdorf, acht nach Wolkendorf, sieben nach Neustadt, sechs nach Rosenau und fünf Frauen zogen nach Weidenbach. Je drei Frauen gingen nach Marienburg und Tartlau, je zwei nach Nußbach, Brenndorf und Zernescht, je eine nach Rothbach, Honigberg und Törzburg. In elf verschiedenen Orten zwischen Schirkanyen und Hermannstadt ließen sich fünfzehn Zeidnerinnen feststellen. Nach Bukarest kamen fünf Frauen, nach Ploiesti und Sinaia je zwei und schließlich je eine nach Busteni, Azuga und Moreni. Außerhalb des Landes ging eine Frau nach Budapest und eine nach Strassburg im Elsass, zwei nach Böhmen, nach Österreich fünf und nach Deutschland zogen neun Frauen. Bei sechs Zeidnerinnen konnte der Abwanderungsort nicht festgestellt werden. Nach Amerika wanderten acht Frauen aus, über die weiter unten noch berichtet wird. Nach Bukarest, Ploiesti und Sinaia gingen junge Frauen als Kinder- oder Hausmädchen. Frauen zogen mit dem Ehemann, z.T. auch mit der Familie in die Fabriken nach Busteni und Azuga. Nach Deutschland und Österreich wurden Frauen von ehemaligen Soldaten, die 1916-1918 zeitweise in Zeiden stationiert waren, heimgeführt. Ebenso von ehemaligen Facharbeitern die in der Krisenzeit in den zwanziger Jahren in Zeiden gearbeitet hatten und später wieder in ihre Heimat zogen. Außer den Zugewanderten und Abgewanderten gab es noch eine Gruppe, die nach Zeiden kamen und nach einiger Zeit wieder von Zeiden wegzogen. Es waren vor allem Pfarrer, Ärzte, Veterinäre, Stuhlrichter und Soldaten. Es waren Fachmänner die z.B. die I.G. Farben, später als Colorom bekannt, aufbauten, andere arbeiteten bei der schwedischen Strassenbaugesellschaft, als die Asphaltstrasse gebaut wurde. Viele junge Handwerksburschen hielten sich oft längere Zeit in Zeiden auf, um sich beruflich weiterzubilden. Es soll hier mangels Unterlagen nicht weiter auf diese Gruppe eingegangen werden. Es muss aber festgehalten werden, dass einige Männer, Frauen und Jugendliche dieser Gruppe bedeutenden Einfluss auf kulturelles und sportliches Geschehen in Zeiden hatten und ihnen an dieser Stelle gedankt werden muss. Die Auswanderungswelle nach Amerika. Schon Bischof Friedrich Teutsch hat sich mit diesem Problem beschäftigt. In seinem Werk "Die Siebenbürger Sachsen", Band 4, schreibt er auf Seite 135: "Die Auswanderung, vor allem nach Amerika, hatte in unheimlichem Umfang eingesetzt". Auf Seite 186 ist zu lesen: "Eine neue Erscheinung unter den Sachsen war die große Auswanderung, die in den achtziger Jahren einsetzte und dann so zugenommen hatte, dass um 1900 rund 20.000 Sachsen in Amerika waren." Weiter unten geht er kurz auf die Sektenbewegung ein, die von Rückkehrenden aus Amerika mitgebracht wurde. Auf der gleichen Seite ist eine kurze aber harte Bemerkung zu lesen: "Es hing auch mit der Auswanderung zusammen, dass die Landeskirche in Birthälm ein Waisenhaus errichtete, das gerade auch die durch Auswanderung verlassenen Kinder aufnehmen sollte."(1911) Im "Lexikon der Siebenbürger Sachsen" ist kurz vermerkt, dass wirtschaftliche Not, Niedergang des Handwerks, Zerstörung der Weinberge durch die Reblaus die Auswanderungswelle ins Rollen brachte. Es werden mehrere Wellen angeführt, die Lage in Zeiden war ähnlich. Der Zeidner Rudolf Müll, der mit seiner Frau, einer Wolkendörferin, 1956 aus Österreich nach Amerika auswanderte, schrieb von einer Welle vor der Jahrhundertwende, dann eine um 1900-1906, dann schreibt er von einer "Wanderlust" von 1907 bis 1913, als nächste Zeitspanne führt er die zwanziger Jahre an und dann wieder um 1950 bis etwa 1958. In den Blättern von Michael Königes sind 14 einzelne Personen angeführt und 12 Paare. Ob bei den Paaren auch Kinder dabei waren ist nicht ersichtlich. Ergänzend zu dieser Anzahl gibt Müll in seinem Schreiben noch 19 Namen an und 3 Familien, allerdings schreibt er bei einigen Namen, z.B. die Bergels aus der Belgergasse und aus dem Neugäßchen und andere. Also dürfte die Zahl der Ausgewanderten bedeutend höher gewesen sein. Eine andere Gruppe, die nach Amerika zogen, kamen nach kürzerem oder längerem Aufenthalt wieder zurück. Es gab welche, die die Strapaze der langen Reise auch zweimal machten. Einige hatten sich beruflich neue Erkenntnisse erwerben können. Wenn man die Hausnummern betrachtet, ging die Ausreiselust quer durch die ganze Ortschaft. Es waren Kleinbauern, Handwerker, Arbeiter, die das Risiko eingingen. Bei Jugendlichen sicher auch die Abenteuerlust. Ob auch Einflüsse von Sekten mit im Spiel waren ist nicht bekannt. Von einer Familie wird berichtet: der Verdienst des Mannes war klein und zehn Kinder waren da, sie sind zur Pfingstgemeinde gegangen und konnten durch Unterstützung den Kindern eine gute Schulausbildung ermöglichen. Von zwei Zeidnern war bekannt, dass sie sich einen Gartenbaubetrieb aufbauen konnten. Manche sollen es als Arbeiter zu Wohlstand gebracht haben und konnten sich im Reisewohnwagen ganz Amerika anschauen. Allerdings gab es auch Fälle, wo Leute um ihr Vermögen gekommen sind. Der Zusammenhalt der Zeidner untereinander und mit anderen Siebenbürger Sachsen soll einige Zeit gut funktioniert haben und man hat manche Treffen veranstaltet. Mit der Zeit hat das aufgehört, weil die nächste Generation in den amerikanischen Schmelztiegel gelandet ist. In der letzten Auswanderergruppe haben wir 16 Personen. Die Heimkehr nach Zeiden war nach Kriegsende den meisten verwehrt. Heimatlos gingen sie das Risiko der Auswanderung nach Amerika ein und haben dort eine neue Heimat gefunden. Als kurze Zusammenfassung können wir feststellen: Nach Zeiden gab es in den Jahren 1750 bis 1940 rund 363 Zuwanderungen, 216 Männer und 147 Frauen, entspricht rund 60% zu 40% plus den Unbekannten. In dieser Zeitspanne waren 270 Abwanderungen, davon 142 Männer und 128 Frauen, entspricht rund 53% zu 47% plus den Unbekannten. Die Auswanderer nach Amerika
71 Istok Christian 28.02.1887 Liste von Auswanderern laut einem Schreiben von Rudolf Müll vom 6. Februar 1984 (die alten Hausnummern können nicht bei allen ermittelt werden): Zeides Paul Liste der Auswanderer nach dem Zweiten Weltkrieg (mit den Hausnummern von 1930): 99 Bajusz Harald, Liste der Amerikafahrer, die wieder nach Zeiden zurückkehrten: Wrobel Adolf (Hinter der Kirche) Zurück zu Wanderungen |