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  Letzte Änderung: 07.10.2003

 
Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde
- Sektion Genealogie -

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Quellen zur Ahnenforschung in Hermannstadt

Von Lorenz Sievert †

Nachdruck aus der "Siebenbürgischen Vierteljahresschrift", 55. Jg., Heft 4, 1932, S. 354-358 (von der Redaktion leicht gekürzt und ergänzt)

Auch unter uns Sachsen in Siebenbürgen wird es immer mehr Brauch, seine Ahnen auch über die Großeltern hinaus zu erforschen. Da wird es nicht unerwünscht sein zu erfahren, wo man in Hermannstadt Ahnenforschung treiben kann. Sehr erwünscht wären ähnliche Zusammenstellungen für die anderen sächsischen Städte.

Die genealogischen Quellen werden nach ihren gegenwärtigen Aufbewahrungsorten angeführt.

I. Evangelisches Stadtpfarr-Archiv (Huetplatz)

1. Die Tauf-, Trau- und Totenmatrikeln. Diese bestehen aus einer stattlichen Reihe von Bänden. Die Taufmatrikel beginnt mit dem Jahre 1642. Vom Jahre 1648 weiter wird auch die Traumatrikel geführt. Die Totenmatrikel beginnt erst mit dem Jahre 1753. Die Matrikeln sind bis zur Gegenwart lückenlos geführt worden, nur die Trauungen der Jahre 1688-1692 fehlen. Zu sämtlichen Matrikeln sind Indexe angelegt worden, ohne sie wäre das Arbeiten in den ältesten Bänden sehr erschwert, in den Bänden späterer Zeit wegen dem großen Umfang fast unmöglich.

Für die Forschung an dieser Stelle wäre es von Vorteil, wenn der Index der Trauungen nicht nur nach dem Namen des Bräutigams geordnet wäre, sondern auch nach dem Namen der Braut.

2. Neben den Matrikeln liegen im Pfarrarchiv die Familienbogen auf, die im 19. Jahrhundert ein rasches Zurechtfinden ermöglichen.

3. Zwei Matrikeln anderer Art liegen ebenfalls im Pfarrarchiv. Die Matrikel der Plebane (= Stadtpfarrer) angelegt im Jahre 1761, da die alte Originalmatrikel verloren gegangen [ist]. [Sie] Enthält auch vorreformatorische Plebane. Die andere, Minister(= Prediger)-Matrikel genannt, ist im Jahre 1711 angelegt worden und enthält kurze Daten - kürzestes Curriculum vitae - der Stadtpfarrer nach der Reformation bis auf die Gegenwart. Weiters findet sich die Reihe der Diaconen-Prediger beginnend mit dem Jahre 1711 lückenlos bis zur Jetztzeit. Hat der Forscher es mit Pfarrern zu tun, die vom Hermannstädter Gymnasium durch ein Diakonat an den Hermannstädter Kirchen ins Pfarramt, hauptsächlich das Dorfspfarramt kommen, so findet er in diesen Matrikeln sehr wertvolle Daten.

4. Zuletzt befinden sich an genanntem Orte noch die Friedhofsbücher, enthaltend die Namen der Besitzer von Gruften und Gräbern auf den evangelischen Friedhöfen bis zum Jahre 1917, in welchem ausschließlich der große Stadtfriedhof am Jungen Walde in Verwendung genommen wird, die Verwaltung dieses befindet sich am Stadtmagistrat.

II. Römisch-katholisches Stadtpfarramt

Für deutsch-sächsische Ahnenforschung kommen besonders in Betracht die Tauf-, Trau- und Totenmatrikeln der römisch-katholischen Kirche zu Hermannstadt. Hingewiesen sei bloß auf die vielen Mischehen der theresianischen und späteren Zeit, insbesondere zwischen sächsischen Patriziergeschlechtern evangelischer Konfession und hohen Beamten und Offizieren römisch-katholischer Konfession.

III. Staatliches Matrikelamt

Die zivilen Matrikeln seit ihrer Einführung.

IV. Gymnasial-Archiv (Brukenthal-Lyzeum)

Gymnasial-Matrikel beginnend mit dem Jahre 1606 fortlaufend, lückenlos bis zur Gegenwart.

Das Verzeichnis der Schüler des Gymnasiums vom Jahre 1606-1719 ist auch im Drucke veröffentlicht worden.1

V. Archiv des rumänischen Staats-Lyzeums „Gheorghe Lazãr“

Matrikel des einstigen deutschen, römisch-katholischen Staatsgymnasiums, des späteren ungarischen Staatsgymnasiums.

VI. Die Archive der vielen anderen Hermannstädter Schulen

[Sie] bergen ebenfalls Matrikeln, wenn sie auch jüngeren Datums sind. Die Namen einiger Schulen seien angeführt: deutsche evangelische Knabenelementar- und Volksschule, deutsche evangelische Mädchenelementar- und Volksschule, Mädchen-Lyzeum, deutsche Gremialhandelsschule, Gewerbeschule, römisch-katholische Klosterschulen; nicht zu vergessen das Luther-Waisenhaus und das Theresianische Waisenhaus, dieses besitzt [eine] Matrikel, die sämtliche Zöglinge seit seiner Gründung enthält.

VII. Bischofs-Archiv

Ordinationsmatrikel der Pfarrer und Prediger der evangelischen Kirche in Siebenbürgen beginnend mit dem Jahre 1573 bis zur Jetztzeit sozusagen lückenlos.

VIII. Sächsisches National-Archiv

An diesem Orte befinden sich außerordentlich zahlreiche und wertvolle Akten zur Ergänzung der Kirchenmatrikeln über deren Anfang hinaus. Außerdem bieten sie überaus reichlichen Stoff zur Anfertigung von Geschlechtergeschichten.

1. Kirchenbuchrechnungen. Diese führte der jeweilige Kirchenvater und ließ sie jährlich durch den Stadtschreiber sauber zusammenstellen. Ein Verzeichnis enthält die Namen der Verstorbenen nebst Datum des Begräbnisses in die große Kirche oder die Klosterkirche oder auf den Friedhof, dazu die Taxen für das Glockengeläute. Diese Verzeichnisse können direkt als Vorläufer der Totenmatrikel gelten. Leider sind ein ansehnlicher Teil dieser Kirchenrechnungen verloren gegangen.

Ein anderes Register in diesen Rechnungen bietet Anhaltspunkte für die Zeit der Trauung. Jeder jungverheiratete Mann pflegte seiner jungen Frau in einer der beiden Kirchen, oder auch in beiden, eine Frauenstelle zu lösen und zahlte dafür die nach Rang und Ordnung festgesetzte Gebühr.

2. Teilungsbücher der Ober- und Unterstadt. Diese sind fast geschlossen vorhanden seit dem Jahre 1590 und bilden eine ergiebige Fundgrube für Familien- oder besser Geschlechtergeschichte. Am Kopf enthalten sie das Datum der Teilung, das gewöhnlich einige Wochen nach Absterben des Erblassers fällt, den Namen des Erblassers, bei Frauen oft auch deren Mädchennamen, die Erbnehmenden, von verheirateten weiblichen Erben deren Männer usw.

3. Nachbarschaftsbücher. Diese bringen von Zeit zu Zeit Verzeichnisse der Mitglieder der Nachbarschaft.

4. Zunftakten, Geschäftsbücher. Register der jeweiligen Zunftmitglieder, deren Aufnahme in die Zunft, oft auch deren Sterbedatum.

5. Bürgerrechtsprotokolle. Seit 1709 drei Bände. Außer Datum, Namen und Beruf enthalten sie den Geburtsort des neuen Bürgers. Dieses Protokoll ergänzt den zweiten Band der ev. Kirchenmatrikel in ausgezeichneter Weise.

6. Konsularrechnungen. Sie enthalten die jeweiligen Beamten der Stadt und der sächsischen Provinz. Auch enthalten sie Kontributionstabellen der Einwohner der Stadt und auch der Gemeinden des Königsbodens.

7. Gerichtsakten. Inhalt meist Erbschaftsprozesse.

8. Steuerregister.

9. Magistratsprotokolle.

10. Urkunden.

IX. Brukenthal-Museum

Hier findet sich wohl in Vollständigkeit, was über Angehörige des sächsischen Volkes im Drucke veröffentlicht worden [ist]. Dazu kommt seine Urkunden- und Handschriftenabteilung. In der Urkundenabteilung finden sich Stammtafeln bedeutender siebenbürgisch-sächsischer Geschlechter, in ihrer Mehrzahl von Franz Zimmermann zusammengestellt, aber leider ohne Quellenangabe. Weiters finden sich daselbst Stammbücher, Briefe, eine reiche Sammlung von Originalurkunden usw.

X. Ferula der großen evangelischen Kirche

Sie enthält Grabsteine und Denkmäler aus der Zeit, da die Vornehmen der Stadt in der Kirche begraben wurden. Samuel Möckesch, Die Pfarrkirche zu Hermannstadt 1839, enthält sämtliche Grabsteine samt ihren Inschriften.

XI. Friedhöfe

Die Grabsteine enthalten manche nützliche Daten.

1 Rudolf Briebrecher, Die Hermannstädter Gymnasialmatrikel. Hermannstädter Gymnasial-Programm 1909/1910 und 1910/1911.

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