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  Letzte Änderung: 07.10.2003

 
Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde
- Sektion Genealogie -

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Aufgaben der Heimatortsgemeinschaften für die siebenbürgische Familienforschung*

Von Balduin Herter, Mosbach

Seit Jahr und Tag bemühen wir uns, in die siebenbürgische Familienforschung nicht nur einzelne Familien und Sippen einzubeziehen, sondern vor allem auch ganze Ortsgemeinden. Dabei behandeln wir die Ortsgemeinden nach Möglichkeit als geschlossene genealogische Einheiten und räumen ihnen so eine eigenständige Rolle ein. Der meist bäuerliche Lebensraum, der in der Regel über Jahrzehnte und Jahrhunderte eine geschlossene Gemeinschaft umfaßte, bietet sich dafür an; wie in Deutschland, so auch in Siebenbürgen. Die bekannten Ortsfamilienbücher sind aus dieser Erkenntnis entstanden, worüber wiederholt berichtet wurde. (Vgl. R. Eilers: Die genealogische Arbeit im südbadischen Raum unter besonderer Berücksichtigung der Badischen Ortssippenbücher und der Auswanderung nach Siebenbürgen, in: SF 3 [1986], 2, S. 49-54; V. Weiss: Die Bedeutung von Ortsfamilienbüchern. In: SF 12(1995), 1, S. 7-10.)

Wir haben seinerzeit begonnen, einen Teil des Genealogie-Archivs der Siebenbürgischen Bibliothek nach Orten zu ordnen. Die Mikrofilme der Kirchenmatrikel nordsiebenbürgischer Gemeinden sind ebenfalls ortsbezogen archiviert, wie z. B. auch die Sammlung Erich Jekelius: Kronstädter Familien, u. a. (Vgl. B. Herter: Familienforschung im Rahmen der Heimatortsgemeinschaft [HOG], in: SF 1[1984], 2, S. 88-91.) Dieses Ordnungsprinzip kann allerdings nur beibehalten werden, wenn die einzuarbeitenden genealogischen Daten in der Form von geschlossenen Ortssammlungen abgegeben werden. Ein Beispiel dafür ist die Ortsfamiliensammlung von Brenndorf, die Hermann Schmidts aufgebaut hat und weiterführt. Erfreulicherweise beschäftigen sich inzwischen bereits einige Familienkundler bzw. Arbeitskreise auf HOG-Ebene mit der Erfassung genealogischer Daten des ganzen Ortes. Für Reussen haben wir ein Beispiel von Hofgeschichten, wo ebenfalls der ganze Ort einbezogen ist. (Vgl. M. Hihn: Zur Hofgeschichte in Reussen, in: SF 11 [1994], 1, S. 1 ff.)

Für folgende Orte sind derzeit Ortsgenealogen tätig** (ohne Gewähr):
Agnetheln (Richard Weisskircher)
Alzen (Gerd Welker)
Arbegen (Dr. Anton W. Schuller)
Birthälm (Hermann Richter)
Bistritz (Dr. Ernst Wagner)
Braller (Gustav Ziegler)
Brenndorf (Hermann Schmidts)
Bussd/Mediasch (Ria Fronius)
Dunesdorf (Georg H. Gehann)
Felldorf (Reiner Seiler)
Großlasseln (Georg H. Gehann)
Großprobstdorf (Dr. Helmut Kelp)
Hamruden (Dr. Harald Lienert)
Heldsdorf (Peter Hedwig)
Heltau (Günther Handel)
Hermannstadt (Dr. Werner Klemm, Dr. Heinrich Phleps ?)
Jakobsdorf/Harbach (Johann Schuff)
Johannisdorf (Eduard Kletter)
Katzendorf (Dr. Harald Lienert)
Kerz (Oswald Kessler, Friedrich Schuster)
Kleinscheuern (Martin Rill)
Kronstadt (Dr. Christian Zaminer)
Lechnitz (Wigant Weltzer)
Leschkirch (Michael Edling)
Marienburg/Burzenland (Harald Janesch ?)
Martinsdorf (Daniel M. Schobel)
Mediasch (Gustav Servatius)
Meeburg (Wilhelm Schuster)
Meschen (Martin Henning)
Meschendorf (Friedrich Töpfer)
Neustadt/Burzenland (Gerhard Dick)
Petersdorf bei Mediasch (Andres Scholten)
Reps (Meta Phleps)
Reussen (Michael Hihn)
Reußmarkt (Simon Acker, S. Schenker)
Rosenau (Gerhard Truetsch)
Rotberg (Hans Peter Stamp)
Sächs. Regen (Wigant Weltzer)
Schäßburg (Ernst Graef)
Schirkanyen (Hans-Günther Kessler)
Seiburg (Hildegard Arz)
Seiden (Friedrich Orendi)
Streitfort (Michael Galz)
Talmesch (Josef Krauss)
Tartlau (Paul Salmen jr.)
Weidenbach (Johann Klees,
Wilhelm Preiss)
Weilau (Johann Binder)
Wolkendorf/Burzenland (Helmut Beer)
Zeiden (Udo Buhn, Kuno Kraus)
Zendersch (Andreas Bürger)

Welches sind nun die Aufgaben, die sich auf dem Gebiet der Genealogie für die Heimatortsgemeinschaften (HOG) stellen?

Vorab muß festgestellt werden, daß wir genealogisch auf zwei parallelen Wegen arbeiten: (a) in konventioneller Arbeitsweise und (b) mittels der modernen EDV-Erfassung. Die HOG beschreiten in den meisten Fällen den ersten, konventionellen Weg (a) und sammeln die Daten in Karteien, auf Papierbogen, Fotokopien oder in Mikrofilmen. Der zweite Weg (b) führt oft ebenfalls über den Weg (a) zur fortschrittlicheren EDV-Erfassung. Günstigenfalls ist es möglich, den direkten Weg (b) von den Original-Datenträgern verschiedener Art (Matrikelbücher, Ahnenpässe, Familien- und Stammtafeln) unmittelbar der EDV-Erfassung zuzuführen, also ohne den Zwischenschritt (a) dazwischen zu schalten.

Nicht jede Heimatortsgemeinschaft hat Zugriff auf die Kirchenmatrikel ihrer Gemeinde. (Siehe hierzu: Mikroverfilmung der Kirchenmatrikel abgelehnt, in: SF 11[1994], 1, S. 47.)

Zugänglich sind die Kirchenmatrikel der nordsiebenbürgischen Gemeinden. Hiervon liegen Mikrofilme in der Siebenbürgischen Bibliothek auf. Von einigen weiteren Gemeinden Siebenbürgens liegen Mikrofilme der Kirchenmatrikeln in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig auf. (Eine Auflistung ist enthalten im Bestandsverzeichnis dieses Instituts, Teil II [1992]; es sind dort Kirchenbuch-Filme von folgenden Gemeinden vorhanden: Arkeden, Belleschdorf, Birthälm, Bodendorf, Denndorf, Deutsch-Weißkirch, Donnersmarkt, Dunesdorf, Eibesdorf, Felldorf, Felsendorf, Henndorf, Hohndorf, Irmesch, Kreisch, Leblang, Maldorf, Malmkrog, Maniersch, Mediasch, Meeburg, Meschen, Meschendorf, Nadesch, Peschendorf, Puschendorf, Petersdorf, Reussdorf, Schaas, Scharosch b. Mediasch, Waldhütten, Weißkirch b. Schäßburg, Wolkendorf b. Schäßburg, Zendersch und Zuckmantel. Welche Kirchenmatrikel-Jahrgänge aufliegen, ist dem Bestandsverzeichnis zu entnehmen, das auch in der Siebenbürgischen Bibliothek Gundelsheim aufliegt. Die Filme können in der Zentralstelle eingesehen werden: Käthe Kollwitz Str. 82, 04109 Leipzig, Tel. 0341/4011191.) Sie können aber auch in den Genealogischen Forschungszentren der Mormonen in Frankfurt, Berlin, Dortmund, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Karlsruhe, München, Neumünster, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal gegen Entgelt eingesehen werden.

Wie aber steht es mit der Einsichtnahme in die Kirchenbücher und Matrikel, die in Siebenbürgen liegen und nicht verfilmt sind?

Hier muß nach Aufbewahrungsort unterschieden werden:

  1. Kirchenbücher, die nach wie vor in den ursprünglichen Gemeindearchiven liegen;
  2. Kirchenbücher, die in Bezirks-Sammelstellen liegen (da die Gemeindearchive aufgelöst sind);
  3. ältere Kirchenbücher (17., 18., 19. Jh.), die in Staatsarchiven (z. B. Matrikel des Hermannstädter Stuhls im Staatsarchiv Hermannstadt) liegen (Register abgedruckt in: SF 9 (1992), 2, S. 94-96).

Bekanntlich gibt es heute hinsichtlich der Benutzung der Original-Kirchenbücher (Matrikelbücher), die in den Gemeindearchiven und kirchlichen Bezirks-Sammelstellen liegen, gewisse Probleme. Die Erlaubnis zur Einsichtnahme und vor allem Benutzung und evtl. Kopierung der alten Bücher, die stark gefährdet sind, muß beim Landeskonsistorium in Hermannstadt eingeholt werden. (Eine diesbezügliche Zuschrift des Archivbüros der Landeskirche Frau Dr. Poelchau, die vier Punkte enthält, ist im September-Heft 1994 der "Mitteilungen aus dem Siebenbürgen-Institut", S. 15f. abgedruckt.)

Den Zugang zu den Matrikelbüchern im Hermannstädter Staatsarchiv hat die Leiterin des Staatsarchivs, Frau Monica Vlaicu, mit dem Leiter der Siebenbürgischen Bibliothek, Dr. Harald Roth, kürzlich neu vereinbart. Hierbei mußte berücksichtigt werden, daß die alten, gefährdeten Kirchenbücher und Matrikelbände geschont werden. Die Vereinbarung sieht vor, die Matrikelbände nur e i n m a l zu fotokopieren. Jede Gemeinde (HOG) muß e i n e Person autorisieren, die für diese Bearbeitung verantwortlich ist, damit nicht jedermann aus eigenem Interesse tätig wird und die Unterlagen durch wiederholtes kopieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Der HOG-Genealoge wird aufgrund eines Antrags der HOG bei der Siebenbürgischen Bibliothek in Gundelsheim, von dieser, über die Generaldirektion der Staatsarchive in Bukarest, dem Staatsarchiv in Hermannstadt benannt. Er nimmt dann die erforderliche Menge an Kopierpapier und Toner nach Hermannstadt mit und meldet sich beim Staatsarchiv. Die betreffende HOG bzw. der von ihr beauftragte Ortsgenealoge finanziert diese Unternehmung und deponiert die Fotokopien nach der Auswertung durch die HOG im Genealogie-Archiv der Gundelsheimer Bibliothek, wo sie für weitere Arbeiten bereitgestellt werden. Wir meinen, diesen finanziellen Beitrag für unser gemeinsames, gesamtsiebenbürgisches Vorhaben bei den HOG voraussetzen zu dürfen. Jeder weitere Interessent wird dann anhand der Fotokopien, die in Gundelsheim aufliegen, arbeiten können. In Hermannstadt wird über die Matrikel, die in Gundelsheim als Fotokopien aufliegen, Buch geführt. Es sollte also jeweils eine schriftliche Anfrage in Gundelsheim erfolgen, bevor eine Reise zur Aufnahme von genealogischen Daten in den Matrikeln in Siebenbürgen angetreten wird. Über diese Arbeitsweise werden den HOG zu gegebener Zeit weitere Informationen zugeleitet.

Im Hinblick auf den Modellversuch der Projektgruppe EDV-Genealogie Siebenbürgen, über den Christian Zaminer in diesem Heft eine erfreulich positive Bilanz gibt, müssen nun die nächsten Schritte beraten werden, wollen wir dem hochgesteckten Ziel der gesamtsiebenbürgischen Erfassung näher kommen. Wir haben uns immerhin auf rund 200 Orte einzustellen. Dabei können wir nur mit Hilfe der HOG erfolgreich tätig werden: Jede HOG sollte daher einen Orts-Genealogen beauftragen und uns benennen.

Was seitens der Sektion Genealogie im Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) und der Siebenbürgischen Bibliothek hierzu beigetragen werden kann, sollte alsbald beraten werden. Der HOG-Arbeitsgruppe wäre vorzuschlagen, einen HOG-Genealogie-Ausschuß einzurichten, für den sich inzwischen dankenswerterweise Michael Konnerth, Ebersbach/Fils, schon zur Verfügung gestellt hat. Gemeinsam mit diesem HOG-Genealogie-Ausschuß sind dann die wichtigsten Fixpunkte für die künftige Erfassung zu beraten, damit nach dem inzwischen abgeschlossenen Modellversuch die Arbeit eingeleitet werden kann.

* Referat im Seminar EDV-Erfassung Genealogie am 20.1.1994 in Gundelsheim (Neckar).

** Da der Beitrag etwas älter ist, gibt es mittlerweile möglicherweise andere Ortsgenealogen. Eine aktuelle Liste ist zur Zeit in Arbeit und wird auch auf dieser Seite veröffentlicht werden.

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