[
Genealogy Home (D) / (E)] [What's New] [Allgemeine Hilfe / General Help] [Regional Research (D) / (E)]1. Das Ellricher Stadtsiegel


(Quelle: "Imagebroschüre des Landkreises Nordhausen 1992", Landratsamt Nordhausen)
Die früher stets herangezogene Urkunde des "Codex diplomaticus Fuldensis", angeblich aus dem Jahre 874 stammend und die Namensform "Alarici" enthaltend, hat sich später als eine Fälschung erwiesen.
So ist es richtiger, für die älteste urkundliche Erwähnung einer Ansiedlung "Ellrich" eine Urkunde zugrunde zu legen, die in Ingelheim, der alten Kaiserpfalz westlich von Mainz, am18. Mai 876 in der Kanzlei König Ludwigs des Deutschen ausgestellt wurde und die Beilegung eines Rechtsstreites zwischen dem Erzbischof von Mainz und dem Abt von Fulda über den Zehnt in Thüringen zugunsten des Klosters besiegelt.
Die hier vorkommende Schreibung "Alarichi" bedeutet die erste schriftliche Erwähnung einer Ansiedlung, ihren Eintritt in die durch schriftliche Überlieferung abgesicherte Geschichte. Auch diese Urkunde befindet sich im Hessischen Staatsarchiv zu Marburg. Der Name Alarichi, 1229 Elreke, 1256 Elrike wird mit dem altsächsischen Wort alira, elira, "Erle", und dem mittelniederdeutschen reke, "Reihe, Heckenzaun", erklärt.
Die dem Kloster Fulda zehntpflichtige Ansiedlung entwickelte sich südlich des Frauenberges. Die Marienkirche auf dem Frauenberg ist wahrscheinlich in eine vorgeschichtliche Anlage und Kultstätte hineingebaut worden.
Der Sage nach von Bonifatius erbaut, dürfte sie anfangs aus Holz gewesen sein, wurde aber noch in romanischer Zeit in Stein errichtet, worauf sich nach 1300 ein Umbau im gotischen Baustil
anschloss. Wallreste und eine Art Terrasse am Fuße des Berges deuten auf ursprüngliche Befestigungen hin.
Auch auf dem Burgberg wurde im vorigen Jahrhundert ein kleiner Ringwall nachgewiesen, der jedoch durch den Bau der Gastwirtschaft heute nicht mehr feststellbar ist.
In der im 10. Jahrhundert weiter nach Süden an der Zorge sich ausdehnenden Siedlung hat nach späterer Tradition Königin Mathilde, die Gemahlin Heinrichs I., die Ortskirche St. Johannis gegründet.
Dass die Liudolfinger schon Ausgang des 9. Jahrhunderts unter Heinrichs Vater Herzog Otto die südlichen Harzlande mit ihrem ausgedehnten Reichsgut fest in ihre Hand genommen hatten, ist unbestritten. Rechte des Klosters Fulda in Ellrich lassen sich später nicht mehr erkennen.
Für die weitere Entwicklung des Ortes sind die Grafen von Klettenberg von Bedeutung. Diese werden 1187 erstmals in den Quellen erwähnt. Ihre Grafschaft (das Komitat, nach lat.comes = Graf) entstand auf Veranlassung Kaiser Friedrichs I.Barbarossa. Konrad von Ballhausen wurde vom Kaiser für die ihm geleisteten Dienste vornehmlich als Podesta von Ferrara - mit der Grafschaft Klettenberg belehnt. Von den benachbarten Grafen von Honstein als Fremd- und Eindringlinge betrachtet und bekämpft, verloren die comites de Clettenberg zeitgleich mit dem Untergang der Staufer ihre Burg Klettenberg 1253 an die Grafen von Honstein.
Auf die Zugehörigkeit Ellrichs zum Klettenberger Komitat weist eine Urkunde vom 25. Mai 1229 hin: Albert, Graf von Klettenberg, schenkt seiner Pfarrkirche "in Elreke" viereinhalb Hufen von seinen Ländereien "in oppido nostro Elreke". Wurde der Ausdruck "villa" für eine Siedlung rein bäuerlichen Charakters gebraucht, so bezeichnet der Begriff "oppidum" in dieser Zeit eine zwar noch nicht ummauerte, aber doch mit Erdwällen, Flechtzäunen und Palisaden befestigte Ortschaft von beginnendem städtischem Typus.
Als Ministerialen, Dienstleute, Burgmannen, aus denen der niedere Adel hervorging, werden im 13. Jahrhundert in den Urkunden des Klosters Walkenried ein Henricus, Rudolfus, Theodoricus und Sifridus de Elrike genannt. Sie werden wohl ursprünglich in Klettenberger, dann in Honsteiner Diensten gestanden haben. Hertwicus und Sifridus de Elrike werden seit 1242 als Nordhäuser Bürger - cives Nordhusenses - erwähnt. Die Anwesenheit eines Grafen von Honstein am 10. Juni 1230 in "Elrecke", das in dieser Urkunde noch als "villa" bezeichnet wird, bedeutet noch nicht,
dass sie die Klettenberger zu diesem Zeitpunkt bereits verdrängt hätten. Vielmehr waren sie vom Kloster Pöhlde zusammen mit den Grafen von Klettenberg, Scharzfeld und Lauterberg zu einer Schlichtungsverhandlung gebeten worden. Dagegen geht aus einer Urkunde vom 27. September 1256 hervor,
dass die Grafen von Honstein die neuen Herren waren. Sie urkundeten erstmals in bezug auf Ellrich und seine Umgebung: Heinrich, Graf von Honstein, verkauft dem Kloster Walkenried für 150 Mark seine Fischteiche, "Hymelrich" genannt, bei der "villa" Elreke. Die Bezeichnung "villa" in mehreren Urkunden weist auf den noch überwiegend dörflichen Charakter des Ortes hin.
In die Regierungszeit König Rudolfs von Habsburg fällt der Übergang der dörflichen Siedlung zur Kleinstadt. In einer Urkunde vom 30. März 1292 (Original im Staatsarchiv von Wolfenbüttel) sprechen Dietrich und Heinrich von Honstein von ihren Bürgern "cives de Elrich", und der "civitas Elrich" und erwähnen bereits "consules", Ratsherren. Diese Urkunde ist viermal besiegelt, mit den beiden Grafensiegeln, dem des Abtes von Walkenried und dem der Stadt Ellrich.
Dass letztere nun auch mit einer festen Stadtmauer umgeben wurde, beweist eine Walkenrieder Urkunde des Jahres 1315.
Ellrich, eine kleine Stadt am Rande des Südharzes, ist umgeben von herrlichen Wäldern und Anhöhen. Erstmals wurde sie 874 als Besitz des Klosters Fulda urkundlich erwähnt. Wie fast alle Orte in unserer Heimat, hatte auch Ellrich unter mehreren Bränden zu leiden, besonders dem von 1627. Dieses Feuer brach in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges aus, uns zwar am Pfingstmontag, dem 14.Mai 1627, in einem Haus nahe dem ehemaligen Auetor und der heutigen Austraße. Man
muss von Brandstiftung ausgehen. Eine gewaltige Feuerwalze, die vom Westwind weitergetragen wurde, breitete sich schnell aus. Die damals noch mit Holzschindeln gedeckten Fachwerkhäuser boten den Flammen eine leichtentzündliche Nahrung. Binnen weniger Stunden lag die ganze Stadt in Schutt und Asche, bis auf einige Häuser in der Ritterhagengasse. Auch die St.-Johannis-Kirche wurde ein Raub der Flammen, die beiden Türme sowie die von sechs Säulen getragene Decke über dem Kirchenschiff brachen zusammen. Die Brandkatastrophe kostete zahlreiche Menschen das Leben.
Im Ellricher Magistratsbuch wird diese furchtbare Heimsuchung wie folgt beschrieben:
"Zu wissen, dass durch Gottes Verhängnis anno 1627 den Pfingstmontag dieses ganze Städtlein Ellrich durch ein von boshaften Menschen angelegtes Feuer eingeäschert und auch das Rathaus mit consumiret worden und wegen des
grossen 30jährigen Krieges nicht sobald wieder restauriert werden können, so ist endlich vermittelst göttlicher Gnade und Beihülfe vornehemer Leute, absonderlich des Durchlauchtigsten Fürst und Herrn, Herrn Rudolphi Augusti Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, welcher 150 Stämme Tannenholz dazu spendiret, dieses Rathaus auch anno 1671 im Augusto gerichtet, von Jahr zu Jahren allgemächlich nach Vermögen der Ratseinkünfte ausgebauet auch heutigen Tages dieser Knopf bei Verfertigung des Daches aufgesetzt worden, welches zur Nachricht anhero registriret und in diesen Knopf mit eingelegt worden. Ellrich, den 19. Jan. 1676"
Die alte Wetterfahne dieses Rathauses mit der Jahreszahl 1676 befindet sich heute im Ellricher Heimatmuseum. Der Wiederaufbau der Stadt verzögerte sich unter anderem dadurch, weil es zu damaliger Zeit keine richtige Brandversicherung gab. Erschwert wurde das Aufblühen des Städtchens weiterhin durch die im Harz auftauchenden Räuberbanden. Wie langsam der Wiederaufbau der Stadt erfolgte, geht daraus hervor,
dass nach zwanzig Jahren erst wieder 146 Häuser von ehemals 416 Häusern errichtet waren. Aus der Zeit stammt der Spitzname der Ellricher, "Bettelfanier".
(Quelle: Jahrbuch des Landkreises Nordhausen 1997
Herausgeber: Landratsamt Nordhausen)
URL: ../gene/reg/THU/NDH/ellri.html