Achtung! / Attention!

Diese Webseiten sind technisch und zum Teil auch inhaltlich veraltet; sie werden nicht mehr aktiv gepflegt. Ihr Inhalt wurde weitgehend in das aktuelle Webangebot GenWiki überführt, diese Migration konnte aber noch nicht abgeschlossen werden.

These pages are outdated, they aren't administered any longer. Most content was migrated to GenWiki, but the process isn't finished yet.

Achtung! / Attention!

Diese Webseiten sind technisch und zum Teil auch inhaltlich veraltet; sie werden nicht mehr aktiv gepflegt. Ihr Inhalt wurde weitgehend in das aktuelle Webangebot GenWiki überführt, diese Migration konnte aber noch nicht abgeschlossen werden.

These pages are outdated, they aren't administered any longer. Most content was migrated to GenWiki, but the process isn't finished yet.

[Genealogy Home (D) / (E)] [What's New] [Allgemeine Hilfe / General Help] [Regional Research (D) / (E)]


Thüringen
AMF Arbeitskreis Kyffhäuserkreis

Leopold von Ranke - einer der Großen aus dem Unstruttal

(von Pfarrer Gottfried Braasch, Wiehe - Vorsitzender des Ranke-Vereins e.V.)

"Alteingesessene" im mittleren Unstruttal, jetzt im Kyffhäuserkreis in Nordthüringen gelegen, waren die Rankes nicht, aber sie hatten auch hier Wurzeln - und sie liebten ihre Heimat.

Der Großvater des großen Historikers, seiner kongenialen Brüder und der zwei Schwestern Johanna und Rosalie, Johann Heinrich Israel Ranke, am 8. Mai 1719 in Wolferode geboren, wird 1754 Pfarrer in Ritteburg an der Unstrut. Seine Vorfahren waren Pfarrer im Mansfeldischen; der älteste bekannte Ranke war Stadtcämmerer in Wettin.

Der junge Pfarrer heiratet im Juli 1757 in Ritteburg die gleichaltrige, aus Voigtstedt stammende Magdalene Sophie Elisabeth, Tochter des Hechendorfer Erbsassen und Kantors in Voigtstedt, Andreas Christoph Eberhardt. Dessen Frau Anna Magdalene, die er 1712 in Wiehe heiratet, entstammt den alten wieheschen Bauern- und Handwerkerfamilien Lorenz und Herold. Ob ein hier in Wiehe vor vier Jahren gefundener Grabstein der Meyerin von Hechendorf, Anna Weiße, das älteste Zeugnis einer Ranke-Vorfahrin ist, muß derzeit noch eine offene Frage bleiben.

Im Ritteburger Pfarrhaus wurden 5 Kinder geboren, drei davon wurden dort begraben, wo schließlich 1771 auch die 52jährige Pfarrfrau in die Erde gelegt werden muß. Am 22.05.1762 wird dem Ehepaar ein Sohn geboren, den es Gottlob Israel nennt. Mit seiner Schwester Maria Magdalena Elisabeth Sophia, der späteren Frau Bürgermeisterin in Nebra, wächst er direkt an den Ufern der Unstrut heran. Gottlob Israel durchbricht die Tradition der Familie und wird Jurist - später bedauert er gelegentlich, nicht auch Pfarrer geworden zu sein. Nachdem er einige Zeit in mehreren Harzorten tätig war, zieht er nach seiner Trauung am 17.02.1795 in der Schloßkirche zu Querfurt mit seiner jungen Frau Friederike, der Tochter des Erbgerichtsherrn auf Weidenthal bei Querfurt, Johann Friedrich Wilhelm Lehmicke, in das von der Großmutter Eberhardt zusammen mit einem Landgut ererbte Haus in der "Hauptstraße" des kleinen Landstädtchens Wiehe ein. Hier übt er seine Tätigkeit als churfürstl.-sächs. Advokat und kaiserlicher Notar aus; von hier aus reist er zu Pferde nach Schönewerda oder Gehofen zur Verwaltung der dortigen Rittergüter.

Hier werden dem Ehepaar 9 Kinder geboren, von denen zwei auf dem unweit vor den Toren der Stadt gelegenen Gottesacker begraben werden. Noch im gleichen Jahr zieht mit dem Ritteburger Pfarrer altes Leben und mit dem lt. Kirchenbuch am 20.12.1795 geborenen Sohn, der in der Taufe am 26.12. in St. Bartholomäus den Namen Franz Leopold erhält, junges Leben in das Haus ein. Daß neben der Nebraer Tante auch der Großvater Ranke zu seinen Taufpaten gehört, war für Franz Leopold wichtig. "Er hat mich gesegnet" vermerkt er später in seinen "Aufsätzen zur eigenen Lebensgeschichte". Am 29. Mai 1799 stirbt der Großvater in Wiehe.

Warum Leopold und seine Familie den 21.12. als seinen Geburtstag feiern, bleibt letztlich ein Rätsel.

Die Eltern Ranke lebten bis 1834/35 in Wiehe, dann zogen sie nach Erfurt, wo beide nach kurzer zeit bei der Tochter Rosalie starben, der Vater Ranke am 13. Mai 1836, die Mutter im August des gleichen Jahres. Leopold schreibt im November 1834 an einen Freund: "In Wiehe fand ich die alten Eltern ziemlich, wie ich sie vor einem Jahr verlassen habe. Doch verliert man immer mehr von der Heimat. In meiner Abwesenheit wurde das väterliche Haus verkauft, es ist schmerzlich, die Stätte der Jugend in fremde Hände übergehen zu lassen. Ich habe eine Liebe zu diesem Lande." Der das schrieb, war bereits ordentlicher Professor an der Berliner Universität und Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften; er hatte nach seinem Erstlingswerk, das er als Gymnasiallehrer in Frankfurt/Oder 1824 unter dem Titel: "Die Geschichte der romanischen und germanischen Völker" herausgab und das mit einem Anhang "Zur Kritik der neueren Geschichtsschreiber" versehen war, 1825 einen Ruf nach Berlin erhalten. Von dort aus konnte er 1827-1831 umfangreiche Forschungen in süddeutschen, österreichischen und italienischen Archiven betreiben. Als Ergebnis dieser Forschungen kam 1834 eines seiner Hauptwerke, die "Römischen Päpste, ihre Kirche und ihr Staat im 16. Und 17. Jahrhundert" heraus.

Ein weiteres Ergebnis war seine Forderung nach einem kritischen Quellenstudium für die Geschichtsschreibung. "Ad fontes" (zu den Quellen) wurde für ihn zum unumstößlichen Grundsatz. Durch seine historisch-kritische Methode wurde er zum Vater der modernen Geschichtsschreibung, die, befreit von allen ideologischen Vorgaben oder legendären Zugaben oder pädagogisch verwertbaren Auflagen darstellen soll, "wie es eigentlich gewesen ist". Dabei habe sie weder Vergangenheit zu richten, noch Schulmeister für die Zukunft zu sein. Auch einer der beiden Schlüsseltexte der Geschichtsschreibung Rankes ("Die großen Mächte" und "Das politische Gespräch") lag in der von ihm 1832-1836 herausgegebenen "Historisch-politischen Zeitschrift" bereits vor.

Dabei war Ranke schon 27 Jahre "aus dem Hause". 1807 bringt ihn der Vater in die eine Wegstunde entfernt liegende Schule Kloster-Donndorf - eine Bildungseinrichtung, die im Gefolge der Reformation von den Herren von Werthern als Vorbereitungsschule für eine der großen Schulen Sachsens eingerichtet war für Jungen aus dem Bereich der v. Werthernschen Herrschaft. Hier erlebt der junge Ranke die Schönheit der umliegenden Höhenzüge und Täler. "Wir genossen die Natur, aber wir studierten sie nicht". Er wurde auch bekannt mit sächsisch-thüringischer Geschichte, "die durch die nahen historischen Plätze einen besonderen Reiz für die Jugend bekam" - z.B. die Ruine Rabiswald, die Reste der Sachsenburgen oder die des Klosters Memleben.

1809 bringt der Vater seinen begabten und wissensdurstigen Sohn in das berühmte Schulpforta. Er schreibt später mit höchstem Lob von dem, was ihm in dieser Schule an Bildung und Wissen vermittelt wurde. 1814 holt ihn der Vater dort wieder ab und bringt ihn persönlich an die Leipziger Universität, an der er sich als Student der Theologie und Philosophie einschreibt. Bereits 1817 beendet er sein Studium mit einer Promotionsarbeit über Thukydides. Als junger Doktor der Philosophie und dem Zeugnis über das bestandene Examen für den höheren Schuldienst geht er nach Frankfurt/Oder, nachdem eine Bewerbung um eine Stelle am merseburger Gymnasium nicht angenommen wurde.

Von Frankfurt/Oder aus geht sein Weg nach Berlin, 1825 zunächst als außerordentlicher Professor für Geschichte, 1835 wird er korrespondierendes Mitglied der königlichen Akademie in München. 1841 wird er zum Historiographen Preußens ernannt. Er trägt wesentlich zur Gründung der Historischen Kommission in München bei und wird 1858 deren Vorsitzender. Der 70jährige wird in den erblichen Adelsstand erhoben, 1867 wird er Kanzler des Ordens Pur le merite für Wissenschaft und Kunst, 1882, zum 50jährigen Jubiläum der Akademie-Mitgliedschaft in Berlin, wird er zum wirklichen Geheimen Rat ernannt. Als 80jähriger beginnt er seine "Weltgeschichte" zu schreiben bzw. weil fast erblindet, zu diktieren. Sie bleibt unvollendet. Sein Gesamtwerk umfaßt 54 Bände. Dazu gehört die "Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation" (der junge Ranke hatte sich bereits an ein Luther-Drama gewagt), die "Neun Bücher preußischer Geschichte" (später auf 12 Bücher erweitert), die "Französische Geschichte im 16. Und 17. Jahrhundert" und die "Englische Geschichte vornehmlich im 17. Jahrhundert". Schon das zeigt, daß v. Ranke letztlich europäisch dachte als der Einheit jeweiliger nationaler "Eigentümlichkeiten".

Aus England brachte v. Ranke 1843 seine Frau Clarissa mit, die Tochter des Dubliner Polzeipräsidenten John Graves - ein Großneffe über beide Familien ist der spätere Dichter Robert Ranke-Graves. Der Ehe entspringen 4 Kinder, das jüngste wird 1850 an der Stelle bei der Berliner Sophienkirche beerdigt, an der v. Ranke Anfang Mai 1871 auch seine Frau begräbt und er selbst 15 Jahre später seine letzte Ruhestätte findet. Seine Tochter Maximiliane kommt als Frau von Kotze auf Lodersleben bei Querfurt der Familien-Heimat wieder näher. Der alte v.Ranke hat sich dort oft wohlgefühlt. In der Loderslebener Kirche ist er als Vater Abraham abgebildet.

Am 23. Mai 1886 vollendet sich das Leben eines Mannes, der leidenschaftlich Wissenschaftler war und dabei weder aus seiner vom lutherischen Glauben geprägten Haltung noch aus seiner Verbundenheit zu seiner thüringischen Heimat einen Hehl machte.

zurück   Seitenanfang


Letzte Änderung: 21-Okt-98 (UG)
Kommentare und Ergänzungen zu dieser WWW-Seite an:
- post@guenther-unger.de - post@guenther-unger.de oder an:
WebMaster

URL: .../gene/reg/THU/KYF/ranke.html