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SCHLESWIG-HOLSTEIN
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Schleswig-Holstein: Grundzüge der Geschichte

(von Jörg Krüger)

Schleswig-Holstein

Erstmals im Jahre 811 wurde die Eider als Grenzfluß zwischen dem dänischen und dem fränkischen (später deutschen) Gebiet vereinbart. Im nördlichen Teil wurden seit dem 12. Jahrhundert vom dänischen Königshaus regelmäßig jüngere Söhne als Herzöge von Südjütland mit Sitz in Schleswig eingesetzt, um sie so zu versorgen und damit die vorher stets eintretenden Thronfolgekriege zu verhindern. 150 Jahre später war die Herzogswürde in Schleswig innerhalb einer solchen königlichen Nebenlinie erblich geworden, deren letzter Herzog 1375 starb.

Im südlichen Teil, "Nordalbingen" genannt (das Gebiet nördlich der Elbe), wurde 1110 ein Graf Adolf I. von Schaumburg (im heutigen Niedersachsen) vom zuständigen Herzog von Sachsen als Graf von Holstein und Stormarn eingesetzt. Diese Schauenburgischen Grafen wurden in den folgenden Jahrhunderten zwar kurzzeitig vertrieben (so 1138-42 und 1201-24) und teilten sich ab 1241 in etliche Nebenlinien - dennoch konnten sie ihre Macht so festigen, daß sie 1375 das Erbe ihres nördlichen Nachbarn antreten konnten: Schleswig und Holstein waren vereint.

1459 starb der letzte schaumburgische Herzog von Schleswig und Graf von Holstein (vgl. jedoch unten Pinneberg). Sein Nachfolger wurde der Sohn seiner Schwester: Christian, Graf von Oldenburg und Delmenhorst, der schon 1448 vom dänischen Reichsrat zum König von Dänemark gewählt worden war (einschließlich Norwegens; im Rahmen der Kalmarer Union war er außerdem noch König von Schweden). Die Herzogtümer Schleswig und Holstein (letzteres wurde 1474 in diesen Rang erhoben) ließen es sich von ihrem neuen Herrscher im "Freiheitsbrief von Ripen" von 1460 schriftlich geben, daß sie innerhalb dieses Machtblocks ihre Eigenständigkeit und rechtliche Autonomie bewahren durften und "dat se bliven tosamende up ewich ungedelt". Nur staatsrechtlich betrachtet blieb der Unterschied, daß Schleswig ein dänisches Herzogtum war, das der König an sich selbst verlieh, während Holstein vom deutschen Kaiser an den dänischen König verliehen wurde. Wichtig wurde das erst 1848 und '64.

Die dänischen Könige aus dem Oldenburger Haus teilten ab 1490 Schleswig-Holstein mit ihren jüngeren Brüdern; am folgenreichsten war die zweite Teilung 1544: ein jüngerer Bruder des Königs begründete die Nebenlinie Gottorp, die so stark wurde, daß sie sich 1658/60 ihren Landesteil vom König als souveränes Eigentum anerkennen ließ, das kein dänisches Lehen mehr sei. Im Nordischen Krieg stellte sich Gottorp gegen seine dänischen Verwandten, verlor 1721 den Krieg und auch seinen Anteil an Schleswig. Sein Anteil an Holstein wurde erst 1773 mit dem dänischen Teil wiedervereinigt (vgl. unten Dithmarschen und Fürstbistum Lübeck).

Auch der nachfolgende König teilte seinen verbleibenden Anteil an Schleswig-Holstein mit einem jüngeren Bruder, so entstand 1564 die Linie Sonderburg. Weil die Stände Schleswig-Holsteins jedoch nicht um ihre Zustimmung gebeten worden waren, verweigerten sie dieser Linie die Anerkennung als regierenden Herren. Als adlige Grundbesitzer gab es sie weiterhin, nach 1622 auf fünf Linien aufgeteilt. Selbst einige dieser Teilherrschaften wurden abermals geteilt. Hier dauerte es bis 1761, bis alle Besitzungen in Schleswig-Holstein aus der dritten Teilung wieder an die dänische Krone zurückfielen.

Nach 1800 entstand im dänischen Patriotismus die Forderung, das dänische Herzogtum Schleswig enger an das Mutterland zu binden. Dagegen erhob sich 1848 nicht nur die Bevölkerung Schleswig- Holsteins, auch der Deutsche Bund griff ein, denn mit einer solchen Regelung wären auch die Interessen des deutschen Herzogtums Holstein berührt worden. Drei Jahre lang stand Schleswig- Holstein unter Statthalterschaft, bis 1851 die dänische Regierung bereit war, zu den alten Zuständen zurückzukehren. 1864 setzte der frisch gekrönte König eine neue Verfassung in Kraft, die Schleswig in Dänemark einzubinden suchte; wieder griff der Deutsche Bund ein. Im dänisch-deutschen Krieg besetzten deutsche Bundestruppen die beiden Herzogtümer: Holstein wurde von Österreichern verwaltet, Schleswig von Preußen. Während dieser Zeit brach 1866 der Deutsche Krieg zwischen diesen beiden Mächten um die Vormachtstellung in Deutschland aus: Österreich verlor, und auch Holstein ging in preußische Hände über. 1867 wurde Schleswig-Holstein zur Provinz des Königreichs Preußen erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1920 durch eine Volksabstimmung der Nordteil Schleswigs an Dänemark abgetreten; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Provinz 1946 zum selbständigen Land Schleswig-Holstein.

Dithmarschen

Die Grafschaft Dithmarschen (1474 zum Herzogtum Holstein gerechnet und ab 1548 als eigenständiges Herzogtum in der Herrscher-Titulatur geführt) unterstand im Hochmittelalter den Grafen von Stade und kam dann - nach vorübergehenden Herrschaften des Herzogs Heinrich des Löwen von Sachsen und Waldemars des Siegers, Königs von Dänemark - an das Fürstbistum Bremen. Da sie für alle diese Herrscher ziemlich abseits gelegen war, konnten sich die einheimischen Bauern tatsächlich selbst verwalten, was später unzutreffend als "Bauernrepublik" bezeichnet wurde. 1473 verlieh der deutsche Kaiser Dithmarschen an den König von Dänemark. 1500 versuchte dieser, seine Herrschaft auch tatsächlich durchzusetzen, doch sein Heer wurde von den Dithmarschern geschlagen. Erst ein zweiter Kriegszug 1559 brach den Widerstand. Dithmarschen wurde geteilt: Süderdithmarschen unterstand dem dänischen König, Norderdithmarschen kam an den verbündeten Herzog von Gottorp. Diese Teilung wurde auch nach der Übernahme der Gottorper Herrschaft durch die königlich-dänische Regierung (1773, s. o.) und nach der preußischen Regierungsübernahme beibehalten; ein vereinigter Landkreis wurde erst 1970 geschaffen.

Pinneberg

Die schauenburger Grafen von Holstein hatten sich - wie oben erwähnt - in verschiedene Linien aufgesplittet. Als die Linie, die auch Schleswig geerbt hatte, 1459 ausstarb, gab es weiterhin eine Linie in Schaumburg, der auch die Herrschaft Pinneberg gehörte. Erst als diese Linie 1640 ausstarb, wurde Pinneberg von den Erben an das dänische Königshaus und Gottorp verkauft.

Rantzau

Den Herren von Rantzau wurde als verdienten dänischen Politikern von ihren königlichen Herren ein Teil des gerade erhaltenen Pinneberg (Barmstedt und Elmshorn) überlassen, der 1650 vom Kaiser zur Reichsgrafschaft erhoben wurde. 1721 wurde der regierende Graf bei einem Jagdunfall erschossen; der trauernde Bruder übernahm die Regierung, bis sich herausstellte, daß er der Anstifter des "Unfalls" gewesen war. Er wurde in Haft genommen und die Grafschaft 1726 der königlich- dänischen Verwaltung Schleswig-Holsteins unterstellt.

Herzogtum Lauenburg

1180 wurde der zu mächtige Herzog von Sachsen, Heinrich der Löwe, abgesetzt; hatte sein Herzogtum in Norddeutschland gelegen (das heutige Niedersachsen), wurde der Herzogstitel nun an die Askanier vergeben (die im Gebiet des heutigen Sachsen herrschten). Von denen spaltete sich 1260 eine eigenständige Nebenlinie in Lauenburg ab, die 1689 ausstarb. Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg kam an den Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Celle, einen Nachfahren Heinrichs des Löwen. Nach dessen Tod kam es 1705 an seinen Schwiegersohn, den Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg, Kurfürsten von Hannover und König von Großbritannien. Zusammen mit Hannover wurde es 1803 von Napoleon besetzt und 1810 sogar Teil des Kaiserreichs Frankreich.

1815, nach Napoleons Vertreibung, wurde es dänisch, und zwar als - eher symbolische - Entschädigung für den Verlust Norwegens (das an Schweden kam, weil Dänemark zu treu zum nun geschlagenen Napoleon gehalten hatte). Hier erst beginnt die gemeinsame Verwaltung mit Schleswig-Holstein, die 1864 kurz unterbrochen wurde: Zusammen mit Schleswig-Holstein wurde auch Lauenburg besetzt, jedoch schon 1865 von Dänemark dem preußischen König überlassen. Die Vereinigung mit der preußischen Provinz Schleswig-Holstein wurde erst zehn Jahre später (1876) vollzogen.

Freie und Hansestadt Lübeck

Ursprünglich Zentrum der Slawen im östlichen Holstein ("Wagrien"), wurde Lübeck nach deren Niedergang 1143 von den Holsteiner Schauenburgern neugegründet. Nachdem die kurze Herrschaft des dänischen Königs Waldemar abgeschüttelt war, verstand es die Stadt, sich direkt dem Kaiser zu unterstellen und somit allen anderen Herrschern gegenüber ihre Unabhängigkeit zu wahren. (Ausnahme war nur der Anschluß an Napoleons Frankreich 1810-13.) Erst 1937 wurde die Freie und Hansestadt Lübeck durch die nationalsozialistische Regierung als Stadtkreis an Schleswig-Holstein angeschlossen.

Fürstbistum Lübeck

Die Fürstbischöfe von Lübeck waren seit dem Sturz Heinrichs des Löwen eigenständige Herrscher, die in Eutin residierten, nachdem die namensgebende Stadt sich verselbständigt hatte. Auch nach ihrem Übertritt zum evangelischen Glauben behielten sie den alten Titel "Fürstbischof" bei. Ab 1586 wurden fast immer Mitglieder der Linie Gottorp zu Bischöfen gewählt, die 1773 auch die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst von Dänemark erhielten (das war der Ausgleich für die oben erwähnte Übergabe der gottorpischen Besitzungen in Holstein an Dänemark). Seitdem war das Fürstentum Lübeck ein abseits gelegener Teil des Herzogtums (seit 1777) Oldenburg. 1810-13 war es von Napoleon besetzt, danach wieder Teil Oldenburgs, dessen Herzöge sich nun Großherzöge nannten. 1937 wurde der Landesteil Lübeck des Freistaats (seit 1918) Oldenburg an Schleswig-Holstein angeschlossen und in den Landkreis Eutin umgewandelt.


Zuletzt überarbeitet: $Date: 2001/05/26 14:54:37 $ ($Author: jesper $)
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