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Der Wiederaufbau Briegs

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Das durch den Angriff und die Belagerung im Februar 1945 schwer angeschlagene Brieg hat sich stark verändert, besonders in der Innenstadt.

Die ersten Arbeiten nach Beendigung der Kampfhandlungen bestanden in der Instandsetzung der völlig zerstörten Versorgungsnetze und der Ingangsetzung lebenswichtiger Industrie-, Handels- und Handwerksbetriebe. Die Stadt mußte wieder lebensfähig gemacht werden. Hinzu kam die ständig hereinströmende polnische Bevölkerung, der Arbeit und Brot gegeben werden mußte.

Ungeheuer war die Trümmerbeseitigung. Hierzu wurden in erster Linie die in Brieg verbliebenen Deutschen herangezogen, soweit sie nicht als "Spezialisten" anderweitig benötigt wurden. An Wohnungsbau war zunächst gar nicht zu denken. Als erstes galt es, die weniger beschädigten Häuser wieder instand zusetzen und bewohnbar zu machen. Der Wohnungsbau hat erst relativ spät eingesetzt.

Entgegen der anfänglichen Absicht der jetzigen Bauherren und anders als in Breslau und Oppeln, wo man sich bemüht hat, die alten Hausformen mit den schönen Giebeln wieder herzustellen, sind die infolge völliger Zerstörung neu errichteten Häuser an der Nord- und Südseite des Ringes und an einigen Straßen ganz modern, d.h. ohne krönende Giebel und mit neuzeitlichen Loggien und Balkonen und mit übergroßen Schaufenstern zur Ausführung gekommen. Neu ist die kräftige farbige Behandlung der Häuserfronten. Die Ostseite des Rings (FLECHSIG) ist unverändert erhalten. Die Nordseite (MOHREN-APOTHEKE, Fa. HEIM u.a.) ist vollkommen neu bebaut und hat besonders komfortable Läden bekommen. Das alte schöne Portal der Mohren-Apotheke ist an der selben Stelle wieder eingebaut, führt aber nicht mehr zu einer Apotheke, sondern zu einer "Restauraczja". Im ehemaligen GOLDENEN LAMM ist ein großer Juwelierladen mit riesigen Schaufenstern vorhanden. Klick für Vollbild Klick für Vollbild Das einzige Haus dieser Ringseite, welchem man den malerischen alten Giebel wieder aufgesetzt hat, ist das ehemalige SÜSS-Haus, und zwar deswegen, weil dieser Giebel der einzige in Brieg war, der alte polnische Architektur aufwies. Die Südseite des Ringes zwischen Äpfelstraße und Mollwitzer Straße (also die ehemaligen Häuser von THIELSCHER, SCHÜFFTAN usw.) sind ebenfalls in modernen Formen und mit großen Geschäften wieder errichtet. Die alten Hinter- und Lagerhäuser sind abgebrochen. Breite schöne Loggien schauen auf die ehemaligen finsteren Hinterhöfe. Die Ring-Westseite (ehemalige RATSAPOTHEKE, KAUFHAUS FRIEDLÄNDER u.a.) ist völlig abgebrochen und als Grünplatz mit Springbrunnen und Sitzbänken angelegt worden. Das Rathaus steht noch in alter Schönheit, allerdings schon etwas vom Zahn der Zeit angefressen; denn die Holzbalustrade des breiten Balkons ist schon stark baufällig.

Auch de Straßen rings um den Ring sind stark verändert. In der Lange Straße ist das ehemalige Strafanstaltsgebäude bis auf einen etwa 1,50 m hohen Sockel abgebrochen und wird zu einem Wohnhaus wieder aufgebaut. Auch die Eckgebäude an der Milchstraße (BÄCKER MENDE und KAUFMANN ADAM) sind verschwunden, so daß an dieser Stelle die Längsseite des Stadttheaters freigelegt und mit einem Eingang an der Seite architektonisch neu und ansprechend ausgebaut werden konnte. Die Synagoge ist erhalten geblieben; jetzt wohnen Russen darin. Am Stiftsplatz haben die abgebrochenen Stiftshäuser einem großen Grünplatz weichen müssen. Das Gymnasium gegenüber befindet sich in einem traurigen, ruinösen Zustand. In der Burgstraße sind sämtliche Häuser an der linken Seite (FREYER-HAUS u.a.) völlig abgebrochen. Die gegenüberliegende Seite weist große Baulücken auf (z.B. ehem. Kino). Der Platz vor der katholischen Kirche hat die Eckgebäude (LIKÖRFABRIK HÄNSCH, SCHLOSSARRENDE u.a.) völlig verloren, so daß sie südliche Seite des Schloßflügels mit der rohen Längsfront in ganzer Länge sichtbar ist. Ein wenig schöner Anblick! Die vom Ring nach der Oder zu führenden Straßen (Zoll-, Gerber und Mühlstraße) sind kaum noch wiederzuerkennen. Anstelle der abgebrochenen Häuser sind hier große moderne Wohnungsgebäude mit großen Ladeneinbauten entstanden, wobei die bunten Fassaden den Haupteindruck machen. Die BRIEGER MÜHLE ist noch um ein ganzes Geschoß erhöht worden. Die alte MINORITENKIRCHE (ehemaliges FEUERWEHRHAUS) ist durch Verlegung der Feuerwehr nach dem Grundstück der ehemaligen THEUERLINGSCHEN FASSFABRIK in der Gartenstraße freigemacht und zum Lagergebäude geworden. Der Stadtteil zwischen Mühl-, Oppelner- und Lazarettstraße ist vollkommen abgebrochen, so daß man von der Polnischen Straße ungehindert bis zur alten Kaserne sehen kann. Ebenso ist das Viertel hinter dem Neumarkt zwischen Oppelner- und Paulanerstraße völlig freigemacht, so daß der Anblick vom Neumarkt nach der Nikolaikirche frei liegt.

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Als größter Neubau der Stadt ist das große, aus vielen Einzelgebäuden bestehende Krankenhaus zu nennen, welches das ganze Areal des alten Friedhofs einnimmt. Damit ist natürlich der frühere Verbindungsweg von der Logau- nach der Neuhäuserstraße verschwunden. Nur ein schmaler Trampelpfad führt längs der seitlichen Mauer entlang, an welcher die Familiengrüfte der ehemaligen Brieger Patrizier liegen. Diese sind schon gleich nach 1945 zerstört worden. Nur einzelne, halbzerstörte steinerne Genien bewachen diese Stätte der Vergänglichkeit. Der alte katholische Friedhof an der Neuhäuserstraße ist aber noch in Benutzung, wobei allerdings eine große Anzahl deutscher Gräber ausgehoben und neu belegt worden ist, insbesondere zu beiden Seiten des Mittelganges und im ganzen unteren Teil. Die Familiengräber an der linken Längswand des Friedhofes sind noch sämtlich erhalten, natürlich ungepflegt, einzelne Gräber fehlen, so daß man die Inhaber nicht mehr feststellen kann.

Völlig wieder aufgebaut und restauriert in alter Schönheit ist die Kreuzkirche bis auf die zerstörten Deckengemälde. Die Hedwigskirche ist zwar ebenso wieder hergestellt, aber nicht mit derselben Liebe und Stilkunde wie die Kreuzkirche. Die stark zerstört gewesene Nikolaikirche ist im Wiederaufbau begriffen. Das riesige hohe Dach ist bereits aufgesetzt, die inneren Deckengewölbe wieder erneuert. Im Dach des Museums sollen die Kisten mit den Resten des hölzernen Prospektes der berühmten ENGLER-ORGEL stehen, welche darauf warten, noch einmal in der Nikolaikirche wieder eingebaut zu werden.

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Das Piastenschloß ist in dem Stadtflügel wieder völlig ausgebaut. Die großen Säle im Erdgeschoß sind dem benachbarten Museum zugeschlagen. In ihnen stehen u.a. die alten Zinnsärge einiger Angehöriger der Brieger Piasten, welche früher in dem Seitenflur der Hedwigskirche standen. Das schöne und weit berühmte Portal des Schlosses, welches durch die Beschießung im Kriege Beschädigungen aufwies, wird renoviert.

Beim Gang nach der Westsiedlung kommt man an dem inzwischen fertiggestellten "Amphitheater" hinter dem Logengrundstück vorbei, welches in der Hitlerzeit begonnen worden ist. In der Kasernengegend und in der ganzen Westsiedlung hat sich nicht viel verändert, es sei denn, daß man viele Schäden durch Verwahrlosung an den Häusern zu sehen bekommt. Jenseits des "Grünen Angers" ist ein großes flachgedecktes Gebäude entstanden, anscheinend eine Schule für die Siedlung. Die große LOEWENTHALSCHE FABRIK ist abgebrochen und vom Erdboden verschwunden. In der Gegend jenseits der Oder sind wesentliche Veränderungen nicht zu bemerken.

Polnisches Leben in Brieg

Nach Beendigung der verschiedenen Ausweisungsaktionen hat sich das Leben in Brieg völlig verändert. Deutsche Laute sind in der Öffentlichkeit nicht mehr zu hören. Lediglich die wenigen noch in der Heimat verbliebenen Familien werden untereinander die Muttersprache sprechen. Die Straßenschilder tragen sämtlich polnische Bezeichnungen. In den Straßen herrscht ein starker Verkehr, besonders am Bahnhof. Zahlreiche Autobusse fahren von dort nach allen Richtungen, auch nach Oberschlesien. Der Berufsverkehr nach Brieg ist sehr stark.

Nach vorliegenden Informationen leben noch 16 ehemalige deutsche Familien in Brieg. Sie haben für Polen optiert und sind daher nicht ausgewiesen worden. Von diesen 16 Familien waren 8 bereits 1945 in Brieg ansässig. Die anderen sind entweder aus dem Landkreis, aus Breslau oder anderen schlesischen Städten zugezogen. Diese Familien haben keinerlei Kontakte untereinander. Sie sind auch sehr zurückhaltend in ihrem Briefwechsel mit Verwandten in Westdeutschland oder der sowjetisch besetzten Zone. Sie sind schon öfter in Schwierigkeiten geraten. Zur Patenstadt bestehen überhaupt keine Kontakte.

Bei den alteingesessenen Familien handelt es sich um folgende:

  1. BIJAS, Dorothea, Witwe des früheren Angestellten bei der Stadtverwaltung, früher Brieg, Nonnenstraße 11; jetzt Brzeg nad Odra, ul. Staromiejsksa 11 m. 1
  2. FALTIN, B., früher Brieg, Neuhäuserstraße 23/24; jetzt Brzeg nad Odra, ul. Stalinogrodu 23
  3. JANOSCHKE, Franz, früher Brieg, Neuhäuserstraße 5; jetzt Brzeg nad Odra, ul. Jablkowa 9/10 m. 6
  4. JESCH, Luise, früher Brieg, Burgstraße; jetzt Brzeg nad Odra, Brynek 9 m. 8
  5. LUKASCZYK, Josef, 90 Jahre alt, früher Brieg, Richthofenstraße 20; jetzt Brzeg nad Odra, ul. Chocimska 3
  6. PFEIFFER, Wally, Tochter des B. FALTIN, früher Brieg, Neuhäuserstraße 23/24; Brzeg nad Odra, ul. Obrucav Stalingradu 23
  7. SCHOLZ, Richard, früher techn. Zeichner am Katasteramt, früher Brieg, Neuhäuserstraße 52; jetzt Brzef nad Odra, ul. Stalinogrodu 52
  8. STANOWSKA, Ilse, Tochter des D. BIJAS, früher Brieg, Nonnenstraße 11, jetzt Brzeg nad Odra, ul. Zakonnic 11

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zuletzt aktualisiert: 28.05.2001