Brieg war eine sangesfreudige Stadt. Der Grundstein dazu wurde schon in den verschiedenen Schulen gelegt. Die Volksschulen verfügten über eine verhältnismäßig große Anzahl an Lehrkräften, die die Fähigkeiten besaßen, einen guten Musikunterricht zu erteilen. Auch in der Mittelschule war das Musikleben dank der Musikalität ihres Leiters, Rektor Paul BUSSE; und der erfolgreichen Mitarbeit von Mittelschullehrerin Margarete WANGORSCH erfreulich rege. Wenig in Erscheinung trat das Gymnasium, das aber durch systematische Entwicklung der jugendlichen Stimmen in Ton- und Lautbildung durch Musiklehrer JEROFKE, einst bester Bariton Schlesiens, zur Hebung der Sangesfreudigkeit in Brieg, wenn auch unauffällig, nicht unwesentlichen Anteil hatte. Daß das Lehrerseminar mit Musiklehrer Max RICHTER innerhalb und außerhalb des Schullebens eine wichtige Rolle spielte, lag nicht zuletzt an der Struktur des Lehrplanes; Chorgesang, Orgel- und Klavier- und Violinunterricht sowie Orchester waren Pflichtfächer. Auf hohem Niveau stand der Musikunterricht im Oberlyzeum. Professor HIELSCHER, aufgeschlossen für jeden Fortschritt, erteilte Unterricht ganz im Sinne der Anfang der zwanziger Jahre neu gestalteten Richtlinien für den Musikunterricht. Seine durchdachte Unterrichtsmethode und seine freundliche, liebenswürdige Art und Gabe, junge Menschen für die Musik hell zu begeistern, ließen seine Stunden zum echten Erlebnis werden. Schließlich sei noch der Piastenschule gedacht, die nach Auflösung des Lehrerseminars in dessen Räumen einzog und u.a. den Reichtum an Musikinstrumenten (Orgel, Klaviere und Streichinstrumente) übernahm. Als Studienrat SCHÖN die Musiklehrer-Stelle schon als Musikstudent übertragen wurde, nutzte er das reichhaltige Instrumentarium durch Einrichten von zwei Orgelabteilungen, drei Violingruppen und vier Klavierabteilungen sinnvoll aus. Neben diesem vielseitigen, in der damaligen Zeit für eine höhere Schule außergewöhnlichen Musikbetrieb, bestanden noch ein staatlicher Schulchor und leistungsfähiges Schulorchester, das u.a. das Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur von L. van Beethoven und das Violinkonzert in D-Dur, KV. 218 von W.A. Mozart zur Aufführung brachte. Seine Nachfolger, Rektor Arthur NITSCHKE und Studienrat Josef GABOR, arbeiteten in dieser Richtung erfolgreich weiter.
Dieses rege Musikleben in den Schulen mußte sich naturgemäß auf das allgemeine Musikleben der Stadt günstig auswirken. So bestanden zahlreiche Gesangvereine: Der Männergesangverein "JUNG", der Brieger Männergesangverein, der Bürgerliche Gesangverein, der Männergesangverein 1913, die Männergesangvereine "Gutenberg" und "Vorwärts" sowie die gemischten Chöre "Edelweiß" und der Volkschor. Zeugnis von ihrer zielstrebigen und erfolgreichen Arbeit legten ab die alljährlichen, auf beachtlichem Niveau stehenden Konzerte, sowie das gut Abschneiden auf Kreis- und Bezirkssängerfesten. Eine besondere Stellung nahm die Singakedemie ein; pflegten die Gesangvereine hauptsächlich acapella-Gesang, so vermittelte die Singakedemie bedeutende Vokalwerke mit Orchesterbegleitung unserer großen Meister wie eines J.S. Bach, G.F. Händel, L. van Beethoven, J.Brahms u.a.m.
In Professor HIELSCHER hatte sie eine überragende Künstlerpersönlichkeit zum Leiter. Waren schon die Übungsabende dank seines großen fachlichen Wissens und Könnens ein musikalischer Genuß, so blieben die Aufführungen den Chormitgliedern wie den Zuhörern unvergeßliche Erlebnisse. Sein plötzlicher Tod, der die ganze Stadt in tiefe Trauer versetzte, riß in das Brieger Musikleben eine große und tiefe Lücke, die sich durch seinen Nachfolger, Rektor BUSSE, der sich seiner großen Aufgabe und Verantwortung voll bewußt war, erst allmählich schloß. Mit derselben Begeisterung und Hingabe wie die Singakedemie sang auch der Kirchenchor der Nikolaikirche unter Prof. HIELSCHERs genialer und sicherer Leitung. Daß jeden Sonntag der Hauptgottesdienst durch Chorgesang ausgestattet wurde, war eine beachtliche Leistung, die manche Großstadtkirche nicht aufzuweisen hatte. Prof. HIELSCHERs Nachfolger wurde Kirchenmusikdirektor Max DRISCHNER, der sich als Organist und Kantor ganz der Musik alter Meister verschrieben hatte. Es war sein unbestrittenes Verdienst, durch seine vortreffliche Registerkunst der Gemeinde den Wert der unvergeßlichen, herrlichen Engler-Orgel bewußt gemacht und ihr das Verständnis für die Werke eines Sweenlinck, Cabezon, Frescobaldi, Scheidt usw. geweckt zu haben.
Mit beachtlicher Stimmkultur sang der von Prof. HIELSCHER gegründete und Max DRISCHNER zur Verfügung gestellte Jugendchor, dessen Pianissimo den Klang überirdischer Schönheit trug. Während der Kirchenchor nach HIELSCHERS Tode im Jahre 1924 im Gottesdienst im Wechsel mit dem Jugendchor sang, ging er später allmählich im Jugendchor ganz auf.
Von nicht geringer Bedeutung ist DRISCHNERs Stellung als Komponist. Seine Orgelwerke haben im In- und Ausland Anerkennung gefunden. Prof. HIELSCHERs Worte über DRISCHNER wurden Erfüllung. "Sie tun gut, sich den Namen DRISCHNER zu merken!" Nicht unerwähnt dürfen auch Frau Erna NITSCHKE-KLICH (Alt) und Fräulein Margarete WANGORSCH (Sopran) bleiben, die über Brieg hinaus als Solosänger einen Namen hatten und sich auch als Chorsänger dem Brieger Kirchenchor und der Singakedemie hilfsbereit zur Verfügung stellten.
Das Interesse und die Liebe der Brieger galt aber auch der Kammer- und Orchestermusik. Wer erinnert sich nicht gern der ausgezeichneten Konzerte im Schauspielhaussaal, wenn z.B. das Pozniack-Trio, das Dresdner Streichquartett oder die Schlesische Philharmonie gastierten? Und welch nicht geringen Anteil am regen Brieger Musikleben hatten die tüchtigen Militärkapellen, die Stadtkapelle und der Beamtenmusikverein, der die heitere und ernste Muse pflegte und manchmal neben der Schlesischen Philharmonie zu den Aufführungen der Singakademie herangezogen wurde !
Brieg war trotz der konkurrierenden Nähe der auf hoher Kulturstufe stehenden Stadt Breslau unbestritten eine Musikstadt, und darauf kann voller Stolz zurückgeblickt werden.
Am Eingang des Stadtparks war das schöne, geräumige Stadion gelegen mit seiner Kampfbahn, den Spielfeldern und Tennisplätzen. Neben vielen anderen schönen Wettkämpfen fanden dort auch die prächtigen Reitturniere statt, die vor dem stimmungsvollen Hintergrund des Stadtparks zu den Höhepunkten des Brieger sportlichen Lebens gehörten. Auch für die großen Volksfeste bot das Stadion den passenden Rahmen.
Dem Wassersport diente neben der Oder das neue Freibad im Süden der Stadt. Es war aus einem Baggerteich entstanden. Mit seiner Wasserfläche von 23 Morgen bot es dem Wassersport alle Möglichkeiten. Der breite Sandstrand und die ausgedehnten Liegewiesen konnten an schönen Sommertagen die Masse der Erhohlungssuchenden kaum fassen.
Neben dem Stadion standen den Schulen und Sportvereinen auch noch fünf städtische Turnhallen an der Bergelpromenade, im Lyzeum, in der neuen Volksschule sowie im Gymnasium und in der Piastenschule zur Verfügung.
Die Anzahl der Sportvereine war sehr stattlich, wie die nachstehende Auswahl zeigt:
Die Stadtforst von Brieg lag nicht innerhalb seiner Stadtgrenzen, sondern im Kreisgebiet bei Leubusch. Sie umfaßte etwa 3.000 Morgen. Der Wald wies je nach Qualität des Bodens verschiedene Bestände auf und brachte gute Erträge; auch Hoch- und Niederwild war vorhanden. In letzter Zeit ist noch Damwild eingeführt worden; es wurde im Gatter gehalten. Im Wald befand sich auch ein Jagdhäuschen mit Übernachtungsgelegenheit und die Gaststätte "Wechmannsruh".
Außer den privaten Krankenhäusern des evangelischen Diakonissenstifts in der Steinstraße und dem katholischen St. Marienstift in der Lindenstraße bot das Städtische Krankenhaus in der Neuhäuser Straße etwa 100 Kranken Pflege und Heilung. Die Leitung lag in den Händen tüchtiger Ärzte. Ein großer Neubau war in der neuen Hindenburgstraße geplant. Das neue Krankenhaus sollte die drei alten Anstalten völlig ersetzen und jeden vorauszusehenden Mehrbedarf für die Zukunft aufnehmen. Daneben waren Ärzte- und Schwestern-Wohnungen, Verwaltungsgebäude, Park usw. vorgesehen. Das alte städtische Krankenhaus in der Neuhäuser Straße sollte zu einem würdigen Altersheim umgebaut werden, weil das vorhandene an der Neißer Straße neuzeitlichen Ansprüchen nicht mehr genügte.
Während des Krieges wurde das städtische Krankenhaus für Lazarettzwecke in Anspruch genommen. Letzte leitende Ärzte waren Dr. A. LÜCK, + 1945 in der Lüneburger Heide und Dr. K. JENETZKY, Bayreuth, Bahnhofstraße 16
Brieg gehörte zu den Städten, die keinen eigenen Schlachthof besaßen. Er befand sich noch im Besitz der Fleischerinnung Brieg. Die Stadt wollte diese wichtige Einrichtung allerdings in ihren Besitz übernehmen. Hierfür war schon ein leitender Tierarzt und städtischer Veterinär nebst Hilfspersonal eingestellt. Erweiterungs- und Verbesserungspläne, der Neuzeit entsprechend lagen vor.
Ihre Bedeutung für Industrie, Handel, Gewerbe usw. braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Entsprechend der ständig wachsenden Bevölkerung mit ihren vielseitigen Bedürfnissen mußte die Anlagen ständig erweitert und verbessert werden. Die Verwaltungsräume befanden sich im neuen Sparkassengebäude in der Mollwitzer Straße. Während des Krieges wurden an die Stadtwerke ganz besondere Anforderungen gestellt. Im Rahmen der Verlagerung kriegswichtiger Industrie- und Entwicklungsbetriebe waren oft in kürzester Zeit schwierigste Erweiterungs- und Umlegungsarbeiten am Elektrizitäts- und Gasversorgungsnetz auszuführen und Kapazitätserhöhungsaufgaben zu erfüllen.
Der städtische Marstall hatte seine Bezeichnung aus der Zeit erhalten, da die Fahrzeuge noch von Pferden gezogen wurden. Im letzten Jahrzehnt vor der Vertreibung ist der Betrieb stark modernisiert und motorisiert worden. Dem Marstall oblag mit seinem Arbeitskräften die Sauberhaltung der Straßen zu allen Jahreszeiten. In den 30iger Jahren ist auf dem Gelände des Marstalles sogar eine Seidenraupenzucht angelegt worden.
Die Betriebsangehörigen des Marstalles waren gleichzeitig Einsatzkräfte des Entgiftungstruppe für den Luftschutz. Ein großer Krupp-Sprengwagen mit Spezialdüsen für Straßenentgiftung und Chlorkalk-Anhänger, sowie moderne Gummi-Schutzanzüge waren ihre Ausrüstung. Die Fachausbildung lag in den Händen des Chemikers, Stud.Rat Dr. REINISCH, Gadderbaum, Kreis Bielefeld, Maraweg 7a.
Wie viele gleich große Städte besaß Brieg auch eine Feuerwehr, die sich aus etwa 100 Freiwilligen zusammensetzte, und zwar aus allen Kreisen der Bürgerschaft, besonders aber aus der Handwerkerschaft. Getreu dem Wahlspruch: "Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr" hat die freiwillige Feuerwehr auch bei Wassernot und in anderen Fällen das Ihre zur Erhaltung der Stadt und ihrer Bürger beigetragen. Ständige Verbesserungen und Verstärkung der Geräte war die stete Sorge der Stadtverwaltung. Neben der freiwilligen städtischen Feuerwehr gab es noch Betriebsfeuerwehren mit eigenem motorisiertem Gerät bei den Firmen GÜTTLER & Co., PZILLAS, T.T. HEINZE, LOEWENTHAL, MOLL usw.
Die freiwillige Feuerwehr Brieg verfügte in ihrem Feuerwehrhaus Mühlstraße - altes Zeughaus, früher Franziskanerkloster über ein ideales Ausbildungs- und Einsatzzentrum. Es enthielt neben der großen Exerzierhalle mit eingebautem Steigerturm die Fahrzeughalle, den Schlauchtrockenturm, 2 große Versammlungs- und Ausbildungsräume, das Vorstandszimmer mit der von dem Brandmeister, Ing. Rudolf KELLNER, geschaffenen Lehrmittelschau, die z.B. die Modelle aller bekannten Dachstuhlkonstruktionen aufwies, sowie einen Luftschutzraum. Drei komplette Löschzüge, bei denen sich u.a. eine vollautomatische Magirus-Drehleiter auf Mercedes-Pritsche befand, bedeuteten den Wehrmännern ein gutes Rüstzeug. Dadurch, daß im Feuerwehrhaus drei in städtischen Diensten stehende Kraftfahrer wohnten, erreichte die mit den in der Nähe wohnenden Kameraden die Schlagkraft und Einsatzbereitschaft einer Berufsfeuerwehr. Eine moderne Feuermeldeanlage, deren umfangreicher Melde- und Schaltschrank in der Polizeiwache stand, mit Feuermeldern, von denen aus jederzeit die Polizei und das Feuwehrhaus telefonisch erreichbar waren und Alarmglocken in der Wohnung jedes Feuerwehrmannes ergänzten die schnelle Einsatzmöglichkeit.
Bei der Räumung der Stadt wurden die Geräte nach Hirschberg im Riesengebirge überführt. Dabei blieb unterwegs die große Autospritze liegen. Die Großgeräte kamen in die Sammelstelle im Schloßpark Bad Warmbrunn. Ein Mercedes Mannschaftwagen wurde von der Feuerwehr Hirschberg übernommen. Zwei Tragkraftspritzen mit Pkw-Zugwagen und div. Material wurden am 30.3.1945 dem Feuerwehrleiter der Werksfeuerwehr "Schlesische Zellwolle AG" in Hirschberg auf Weisung des Reg. Präs. vom Feuerwehrdezernat übergeben.
Die Stadt Brieg wurde im Jahre 1250 an dem Oder-Übergang der alten Handelsstraße von Böhmen nach Polen angelegt. In ihrem Mittelpunkt lag der Ring mit dem Rathaus und mit Geschäfts-, Gast- und Bürgerhäusern. Von dort führten Straßen nach den ehemaligen Stadttoren und zu den umliegenden Städten und Dörfern. In der Blütezeit unter Herzog Georg II. sind Piastenschloß, Rathaus, Gymnasium und private Giebelhäuser entstanden. Bei der Belagerung der Stadt durch Friedrich den Großen wurde das Piastenschloß zerstört und nur notdürftig instandgesetzt, dagegen die Festungswälle massiv ausgebaut und erweitert. Auch Kasernen, Proviant- und Salzmagazine wurden errichtet. Die private Bautätigkeit lag darnieder. Nach der Besetzung Preußens durch die Franzosen wurden die Festungswälle 1807 geschleift. Die Stadt konnte sich nach drei Seiten ausdehnen, und als nach dem Krieg 1870/71 Industrie und Handel wieder aufblühten, sich auch in baulicher Hinsicht weiter entwickeln. Es wurde ein modernes Wasserwerk gebaut, eine Kanalisation mit einer neuzeitlichen biologisch-mechanischen Kläranlage geschaffen, sämtliche Straßen mit zementvergossenem Granitpflaster versehen, ein 63 ha großer Stadtpark nach dem Muster englischer Gärten angelegt, neue Kasernen gebaut, eine Landwirtschaftsschule, ein Lehrerseminar mit Direktorenwohnhaus und Turnhalle, ein Lyzeum mit Mittelschule, ein Land- und Amtsgericht mit Gefängnis, ein Zollamt und Garnisonslazarett errichtet.
Dem Wachstum der Stadt entsprechend sind auch die erforderlichen Wohnungen gebaut worden, kurz nach dem 1. Weltkrieg wurden allein rund 500 Wohnungen durch Neubauten erstellt. Später hat die Wohnungsbaugesellschaft Brieg GmbH, an der die Stadt mit 51% beteiligt war, den Wohnungsbau übernommen und bis Ende 1945 insgesamt 452 Wohnungen hergestellt.
In den Jahren 1925/26 wurde ein neuzeitlicher Sportplatz mit Laufbahn und Spielfeld, einer asphaltierten Radrennbahn, Übungsplätzen, Tennisplätzen pp. geschaffen. Etwa 2 Jahre später ist ein Heldenhain mit einem Denkmal in Form einer Stufenterrasse mit 5 Säulen, die 5 Kriegsjahre darstellten, und 2 Gedächtnishallen angelegt worden. Der Umbau des Lehrerseminars zu einer Oberschule erforderte eine Neuausstattung der Physik-, Chemie- und Biologieklassen. Eine Volksschule wurde zu einer Berufsschule umgewandelt. Das Stadttheater ist durch den Einbau einer neuen Soffitten- und Bühnenbeleuchtung, Aufstellen eines neuen Gestühls im Zuschauerraum und Anlage einer Warmwasserheizung modernisiert worden.
1930 wurde Brieg wieder Garnisonstadt. Die Infanterie-Kasernen wurden für das Reiterregiment Nr. 8 umgebaut und die erforderlichen Pferdeställe und Rauhfutterscheunen errichtet.
Vom Jahre 1933 ab wurden zunächst die Altwohngebäude ausgebessert, die Kleinhaussiedlung gefördert, das Anschlußgleis der alten Zuckerfabrik beseitigt, das Gelände baureif hergerichtet, der Bauhof verlegt, das Salzmagazin an der Mollwitzer Straße abgebrochen und auf diesem Gelände eine neue Sparkasse errichtet. Eine 26 klassige Volksschule mit Brausebädern wurde erstellt, das Stadttheater weiter ausgebaut und der Ausbau des Piastenschlosses fortgesetzt. Auch das Baggerbad mit Gaststätte, Umkleideräumen und Liegewiesen wurde gebaut.
Im Zuge des Aufbaues der Luftwaffe ist ein neuer Flugplatz mit Verwaltungsgebäuden, Kasernen, Flugzeughallen und Werften angelegt worden. Weitere Kasernen mit den erforderlichen Nebengebäuden enstanden im Osten der Stadt. In einer Bucht an der nahen Oder wurde ein Pionierübungsplatz mit Hafen, Aufenthalts- und Geräteräumen angelegt. Durch die Ausführung der Kasernenbauten und die Belegung der Stadt mit Truppen hat die Wirtschaft einen starken Auftrieb erhalten. Es mußten neue Verkaufsläden, Werkstätten, Gaststätten, Lagerräume usw. errichtet bzw. ausgebaut werden.
Im Laufe der Kriegsjahre wurde durch die Verlagerung kriegswichtiger Betriebe wie Hentschel-Flugzeugwerke Berlin-Johannesthal; Vorrichtungs- und Gerätebau H. Engelhardt und H. Agatz, Berlin; Georg Osram, Berlin; Daimler-Benz, Berlin; Hein, Wuppertal; Panzerreparaturwerkstatt Ost, das Baugewerbe übersättigt. Es mußten aus der Umgebung eine Anzahl von Firmen herangezogen werden.
Durch die Länge des Krieges waren Hoch- und Tiefbauarbeiten weitgehend eingeschränkt worden. Für die Nachkriegszeit aber lagen fertige Baupläne bereits vor.
Zur Entlastung des ständig wachsenden Verkehrs in der Innenstadt sollten Durchgangs- und Umgehungsstraßen gebaut werden, eine Autostraße in Verlängerung der Reichstraße 5, Breslau-Oberschlesien, am Briesener Block abbiegen, südlich den Stadtpark umgehen und etwa an der städt. Ziegelei vor Paulau wieder auf die bisherige Straße stoßen. Eine andere Durchgangsstraße sollte im Zuge der Schüsselndorfer Straße-Piastenstraße-Gartenstraße und Georgstraße auf einer zweiten Oderbrücke den Strom kreuzen und dann, nach Norden schwenkend, die Straße nach Scheibendorf erreichen. Schließlich war noch beabsichtigt, die Lindenstraße und Logaustraße mit Hilfe eines Durchbruches der Lindenstraße zwischen Knaben-Volksschule und Marienstift über die Promenade hinweg zu verbinden.
Ein wichtiges Projekt war der neue Oderhafen. Durch den von der Provinz Schlesien in Aussicht genommenen großen Ausbau der Wasserstraßen im Osten wurde Brieg unmittelbar mit berüht. Hierzu wäre das Flußbett zu verbreitern und zu vertiefen gewesen, um auch größere Schiffe den Strom befahren zu lassen. Unter Hinzuziehung erfahrener Sachverständiger wurden daher Pläne für einen leistungsfähigen Umschlaghafen in der Mündung des Paulauer Baches und des Koppener Kanales neben einer größeren Reparaturwerft ausgearbeitet. Langwierige Verhandlungen mit den Behörden wegen des Grunderwerbs, Eingemeindungen, Gleisanschlüsse usw. waren hierzu erforderlich geworden.
Auch die Reichsbahn plante eine bedeutende Erweiterung des Güterbahnhofs. Die Durchführung hätte starke Eingriffe in städtisches Gelände gebracht.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die weiteren Baupläne für den Neubau eines Krankenhauses, die Wiederherstellung des Piastenschlosses und den Erweiterungsbau des Rathauses.
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zuletzt aktualisiert: 11.05.2001