Die Stadt Brieg wurde im Zuge der mittelalterlichen Ostkolonisation vor 1250 nach deutschem (Halle - Neumarkter) Recht gegründet. Begründer waren die vom regierenden Piastenherzog beauftragten Lokatoren Gerkinus von Goldberg, Ortlif und Heinrich von Reichenbach. Letzterer schenkte der jungen Stadt sein Familienwappen, die Wolfssense, als Stadtwappen. Die Gründungsurkunde ist nicht überliefert, wohl aber die Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1250, die Herzog Heinrich III. dem Lokator Konrad von Neiße ausstellte, der den dritten noch lebenden Lokator Ortlif ablöste. Diese sogannte Frankenberger Urkunde, die durch einen Editionsfehler des bekannten Leipziger Historikers Kötzschke jahrelang für die Gründungsurkunde gehalten worden ist, enthält jedoch die wichtigsten Bestimmungen der Gründungsurkunde im Auszug.
Die Ursache für die Neugründung der Stadt an der jetzigen Stelle dürfte die günstige Lage des Ortes an einem wichtigen Straßenkreuz zu suchen sein. Von Nordwest nach Südost führte auf dem erhöhten Südufer der Oder eine wichtige Straße von Breslau nach Oppeln, die sich in Oberschlesien gabelte, und zwar nach Wien und nach Ungarn durch die Mährische Pforte. Diese Straße kreuzte in Brieg der Weg von Prag über Nimptsch und Strehlen nach Gnesen, dem im Jahre 1000 von Kaiser Otto III. gegründeten Bischofssitz, und führte weiter zur Ostsee. Die rechteckige Anlage der Innenstadt, typisch für die ostdeutsche Kolonisationsstadt, ist auf diese großen Wirtschaftswege zurückzuführen.
Die Blütezeit Briegs als Gemeinwesen und als Residenz lag im 16. und 17. Jahrhundert. Die vielen Renaissancebauten der Stadt, das Schloß, das Rathaus, die Bürgerhäuser am Ring und in den Straßen der Innenstadt sind oder waren Zeugen dieser Zeit, da im Schloß die Piastenherzöge von Liegnitz, Brieg und Wohlau Hof hielten und Brieg dank des um das Jahr 1290 ins Leben gerufenen Gymnasiums zu den am meisten aufgesuchten Orten des Südostens gehörte. Die bekanntesten Namen aus dieser Zeit: Herzog Georg II., Herzogin Barbara von Brandenburg und Dorothea Sibylla von Brandenburg, die Gemahlin Herzog Johann Christians. Ferner Friedrich von Logau, der berühmte Epigramatiker, der als Gymnasiast und herzoglicher Hofmann in Briegs Mauern weilte, sowie der evangelische Theologe und Liederdichter Johannes Heermann, der "schlesische Hiob", als Schüler des Gymnasiums im Brieger Schloß auf Geheiß Kaiser Rudolfs II. zum poeta laureatus gekrönt.
Mit dem Erlöschen der Piastendynastie 1675 geht die große Zeit Briegs als Fürstenresidenz zu Ende. Brieg wird, wie ganz Schlesien, österreichisch. Gegenüber den brandenburgischen Erbansprüchen, die aus dem Vertrag von 1537 herrühren, setzt sich Habsburg, dem die Piasten lehnsuntertänig waren, durch. Die Gegenreformation bringt Jesuiten in die Stadt. Die barocke Kreuzkirche wird errichtet.
In dem Maße, da Brieg seine Bedeutung als Residenz einbüßt, geht auch die Eigenart der Stadt verloren. Im Jahre 1741 tobt vor den Toren der Stadt die Schlacht bei Mollwitz, die der Graf Schwerin gegen ein österreichisches Heer gewinnt. Brieg wird preußisch. Das Piastenschloß, Wahrzeichen der alten Residenz, geht in Flammen auf und wird Magazin. Die nüchterne Zweckmäßigkeit, die den preußischen Staat prägt, setzt sich auch in Brieg durch. Brieg wird eine fleißige Arbeiterin im preußischen Gesamtstaat. Die Stadt tritt hinter Oppeln und Breslau deutlich zurück; das einstmals "Illustre Gymnasium" mit Hochschulverfassung wird eine höhere Schule wie andere.
Brieg bleibt bis zum Schicksalsjahr 1945 eine bürgerliche-rührige Stadt, geprägt vom Fleiß seiner Bewohner, einer alten geschichtlichen Tradition und dem mächtigen Oderstrom, der Lebensader des schlesischen Landes.
Ausdehnung:
Der Umfang des Stadtgebietes beträgt etwa 21 km. Es wird ringsherum von
Gemeinden des Landkreises Brieg umgeben. Dieses sind:
Die Ausdehnung des Stadtgebietes betragen in Richtung
Brieg liegt auf dem 500 51´ nördlicher Breite und 350 6´ östlicher Länge.
Höhenlage:
Die Mühlinsel liegt auf + 198 m NN und der südliche Stadtteil auf etwa + 148 m NN. Amtlich wird die Höhenlage mit + 148 m NN angegeben.
Fläche:
Die Gesamtfläche des Stadtgebietes Brieg beträgt nach amtlichen Unterlagen 1.293 ha., davon entfallen auf:
| Gebäude | 244 ha |
| landwirtschaftliche Fläche | 537 ha |
| Gartenland | 103 ha |
| sonstige Fläche | 409 ha |
Beschäftigte 1939 = 23.566, davon:
| Selbständige | 11,5% |
| Beamte | 13,6% |
| Angestellte | 17,1% |
| Arbeiter | 55,9% |
| Sonstige | 1,9% |
Dicht an Brieg vorbei führte die Autobahnstrecke Berlin - Breslau - Oberschlesien. Das Teilstück Brieg - Gleiwitz konnte noch vor dem Krieg fertiggestellt werden. Die Anschlußstelle befand sich nur wenige Kilometer entfernt hinter Hermsdorf. Durch Brieg hindurch führte die Reichsfernstraße Nr.5
Der älteste und bedeutenste Verkehrsweg allerdings war der Schiffahrtsweg auf der Oder von Cosel über Breslau bis Stettin zur Ostsee. Massengüter aller Art wurden hier befördert, insbesondere die oberschlesiche Kohle.
Zu erwähnen sind außerdem noch zahlreiche Autobus-Verbindungen, die von Brieg aus in die entfernten Dörfer des Kreisgebietes führten.
Die Stadt Brieg lag an der Eisenbahnhauptlinie Breslau - Oberschlesien mit ihren Verbindungen nach Wien, Prag und dem Orient. Sie war darüber hinaus auch Verkehrsknotenpunkt, weil von Brieg aus die Nebenlinien Brieg - Neiße - und Brieg - Strehlen verkehrten. Geplant war außerdem noch die Nebenlinie Brieg - Namslau. Durch den Krieg ist das Projekt nicht mehr zur Ausführung gekommen.
Im Jahre 1935 wurde die alte preußische Magistratsverfassung durch die Deutsche Gemeindeordnung ersetzt. Aufbau und Organisation der Verwaltung waren demgemäß auch hierdurch bestimmt.
1. Oberbürgermeister:
Kurt Schmidt, jetzt Rechtsanwalt und Notar in Fröndenberg, Am Stift 18
Hauptamt - Pressestelle - Stadttheater - Stadtforst - Stadtarchiv - Museum - Stadtverwaltungsgericht - Stadtsparkasse - Standesamt - Rechnungsprüfungsamt - Polizeiverwaltung - Amt für Wirtschaftsförderung.
2. Bürgermeister und Stadtkämmerer:
Waldemar Reche, + 31.7.1958 in Plön/Holstein
Finanzverwaltung - Steuern - Stadthauptkasse - Grundstücksamt - Kirchenpatronate - Schulverwaltung - Ernährungs- und Wirtschaftsamt.
3. Stadtbaurat:
Dr. Ing. Krause, im Krieg vermißt
Stadtplanung - Hoch- und Tiefbau - Siedlungswesen - Baupolizei - Wohnungsamt - Vermessungsamt.
4. Magistratsrat:
Dr. Kampczyk, 25.3.1954 in Hohenstein/Sachsen
Wohlfahrtsamt - Fürsorgeamt - Erwerbslosen-, Renten-, Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge - Jugendamt - Versicherungsamt - Tarifangelegenheit - Konzessionssachen - Verwaltung des Städt. Krankenhauses - Verwaltungspolizei - Quartieramt.
5. Stadtrat:
Paul Mende,
+ 5.8.1947 in Luckenwalde
Bürgerhospital - Obdachlosenheim - Armenhaus - Siechenheim - Kinderhort - Marktwesen.
6. Stadtrat:
Wilhelm Reppert, + 12.8.1959 in Bitterfeld/Sachsen
Marstallverwaltung - Straßenreinigung - landwirtschaftliche Angelegenheiten.
7. Stadtrat:
Alfred Kassubek in Löwensen über Bad Pyrmont
Kaufmännische Leitung der Stadtbetriebswerke - Freiwillige Feuerwehr - Luftschutz - Heimatmuseum - Volksbücherei - Verkehrsamt.
8. Stadtrat:
Adolf Brandt, Oberhausen-Holten, Rahnstraße 212
Verwaltung des Schlachthofes - Städt. Volksbadeanstalt - Schiedsmannangelegenheiten.
4. Heimatmuseum:
Studienrat Günther, vermißt
5. Stadttheater:
Indendant Lenau, Perneck/Fichtelgebirge
6. Städt. Badeanstalten: ?
7. Städt. Marstall:
Stadtinspektor Marks
8. Freiw. Feuerwehr:
Branddirektor Matheis, s.o.
9. Städt. Sparkasse:
Direktor Herbert Matz, Münster, Melcherstraße 30
10. Hotel u. Gaststätten:
Hotel "Goldenes Lamm" und Stadtparkrestaurant
11. Stadtarchiv:
Stadtarchivar Georg Wenzel, Frühjahr 1945 auf dem Marsch in die Gefangenschaft verstorben.
12. Stadtbücherei:
Lehrer Karl Scholz, Brieg, Riedelstraße 9
13. Behördlicher Luftschutz:
Stadtrat Kassubek und Polizeiinsp. Bullan, Goslar
Die Aufgaben der Stadtverwaltung konnten trotz aller Mängel in personeller Hinsicht infolge des totalen Krieges bis zum Verlassen Briegs in mustergültiger Weise wahrgenommen werden.
In der Nacht vom 22. zum 23.1.1945 mußte die Stadt auf Befehl des Gauleiters geräumt werden. Das galt auch für die Verwaltung. Der Oberbürgermeister war zur Wehrmacht eingezogen. Bürgermeister Reche als sein ständiger Vertreter überführte die Stadtverwaltung in den für Brieg Stadt und Land vorgesehenen Auffangkreis Hirschberg im Riesengebirge. Dort war nach den gegebenen Verhältnissen eine geordnete Verwaltungstätigkeit nicht mehr möglich. Es wurden nur in einigen Räumen des Hirschberger Rathauses die Dienstgeschäfte abgewickelt, sowie Rat und Auskunft erteilt.
Ende Februar 1945 kam dann der Befehl, auch Hirschberg zu räumen. Damit mußte jede weitere Verwaltungsarbeit eingestellt werden. Die Stadtverwaltung hatte aufgehört zu existieren.
Unter den städtischen Einrichtungen nahmen die Schulen eine besondere Stellung ein. Auf seine Schulen ist Brieg immer stolz gewesen. Es war zwar kein besonderer Stadtschulrat angestellt, aber die Schulverwaltung lag als besonderes Dezernat in der Hand des Bürgermeisters. Erhebliche Beträge hat die Stadt noch kurz vor dem Kriege in die neue Volksschule zwischen der Bismarkstraße und der Strehlener Straße investiert.
Brieg besaß fünf Volksschulen; nämlich zwei evangelische Knabenvolksschulen an der Lindenstraße mit den letzten Rektoren ZIEBOLZ und NITZSCHKE, zwei evangelische Mädchenvolksschulen an der Steinstraße mit den letzten Rektoren BOJAK, PANTKE und SCHOLZ. Die katholische Knaben- und und Mädchenvolksschule unter den Rektoren KLEINDAM und PANDER war zunächst in einem alten Gebäude am Piastenschloß untergebracht. Später zog sie dann in den Neubau zwischen der Bismarkstraße und Strehlener Straße um. Im Jahre 1941 wurde diese Schule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. Die Schulaufsicht übte Schulrat WOLF aus. Er wohnt jetzt in Effern/Köln, Hönninger Weg 16.
Schließlich besaß Brieg auch eine gut eingerichtete Hilfsschule Leiter war Rektor IRRGANG, + 1.9.1948 in Jena
Ein besonders schönes Schulgebäude an der Ecke Bahnhof/Feldstraße beherbergte in einem Flügel die Knaben- und Mädchenmittelschule. Diese Schule führte zur mittleren Reife. Der letzte Leiter war Rektor BUSSE; Bardowick, Karl-Peters-Straße 2
Neben den städtischen allgemeinbildenden Schulen gab es in Brieg noch zwei staatliche Oberschulen für Jungen und Mädchen.
Schließlich besaß Brieg auch noch eine höhere Landwirtschaftsschule, die auch mit der Reifeprüfung abschloß und zum Studium der Landwirtschaft an Universitäten berechtigte. Der letzte Leiter war Studiendirektor GRÜTZNER. Im Jahre 1943 wurde die Schule allerdings aufgelöst.
An die Volksschulen schloß sich ein gut ausgebautes Berufs- und Fachschulwesen an. Die gewerbliche und kaufmännische Berufsschule sowie die anderen Fachschulen und die hauswirtschaftliche Berufsschule waren im Schulgebäude der früheren "Bürgerschule" an der Mühlstraße untergebracht. Leiter war zuletzt Direktor Wilhelm PFEIFFER, Bad Nauheim, Blücher Str.42
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Schulen Klassen Schüler Lehrkräfte
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Oberschulen m. 3 19 471 32
Oberschulen w. 1 8 191 14
Mittelschulen 2 12 312 14
Volksschulen 6 70 3.274 67
Berufsschulen 3 - 1.580 14
Berufsfachschulen 3 - 78 6
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Summe 18 109 5.879 147
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Zur evangelischen Kirche hatte die Stadt Brieg enge Beziehungen. Sie übte das Patronat nicht nur über die evangelische Kirche der Stadt, sondern als einstige Gutsherrin auch über die Kirchen der ehemaligen Kämmereidörfer Leubusch, Gierdorf-Kreisewitz (hier gemeinsam mit dem Grafen Pfeil) und Böhmischdorf aus. Als Kirchenpatron hatte die Stadt nach Anhörung der Kirchengemeinde die Pfarrer zu berufen und sich andererseits an den Kosten der Unterhaltung von Kirche und Pfarrhaus zu beteiligen, und zwar in der Stadt zu einem Drittel und in den Dörfern zu zwei Dritteln. Die Stadt hatte damit auch Sitz und Stimme im Gemeindekirchenrat. Wo allgemeine Belange der Erhaltung geschichtlicher und künstlerischer Werte es forderten, war die Stadt immer bereit, mit ihren Mitteln helfend einzugreifen. Sichtbarsten Ausdruck fand diese Hilfsbereitschaft u.a. bei der Schaffung der herrlichen Engler-Orgel in der evangelischen Nikolai-Kirche.
Kirchenrechtlich war Brieg in zwei evangelische Kirchengemeinden aufgeteilt, nämlich in die evangelisch-reformierte Stadtpfarrgemeinde St. Nikolai und in die evangelisch-lutherische Gemeinde St. Lukas auf der Logaustraße. Die Nikolai-Kirche war auf der Lange Straße gelegen.
Sie wurde in den Jahren 1370 bis 1417 im gotischen Stil als Basilika erbaut. Das verhältnismäßig schmale Mittelschiff überragt die beiden Seitenschiffe und empfängt durch die mit spätgotischem Maßwerk gezierten Fenster von oben her ihr Licht. Zwei mächtige Türme recken ihre hochgeführten Helme in eine Höhe von 75 Metern; sie wurden erst 1885 errichtet. Das Hauptschiff war 29 Meter hoch.
Die nachreformatorische Zeit hat die mittelalterliche Messopferkirche durch Aufstellung kunstvoll geschnitzter Stühle und durch Einbau von Emporen in eine evangelische Predigtkirche umgebaut.
Der schönste Schmuck der Kirche ist die Orgel. Sie wurde 1724 bis 1730 durch Michael Engler aus Breslau erbaut. Sie gehört zu den schönsten, musikgeschichtlich bedeutendsten Werken Deutschlands und ist noch eine der wenigen Bach-Orgeln. Letzter Organist war Kirchenmusikdirektor Max DRISCHNER, jetzt in Goslar, Hoher Weg 5.
Die kleine Orgel ist ein Werk des Brieger-Orgel-Baumeisters SCHEFFLER aus dem Jahre 1796. Der Altar ist eine Stiftung des Eisenhändlers Christian Daniel CLERIKUS, dessen Insignien CDC im Fries über dem Altarbild zu erkennen sind. Der Altar mit seinen mittelalterlichen Holzschnitzerein zeigt Szenen aus der Passion Jesu. Das Triumpfkreuz mit Maria und Johannes sowie die Apostel-Gruppe stammen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Die Kirche wurde im Jahre 1897 auf Grund einer Generalkonzession König Friedrich Wilhelm IV. für die von der preußischen Landeskirche sich getrennt haltenden Lutheraner erbaut.
Die Gemeinde bestand schon seit dem Jahre 1830 und umfaßte zuletzt ca. 650 Seelen. Sie beschränkte sich nicht nur auf das Stadtgebiet von Brieg allein, sondern auch auf die Brieger Kreisdörfer und die Städte Neiße und Neustadt.
Die Kirche hatte 400 Sitzplätze. Das Altarbild stellte die Auferstehung Christi dar, die Orgel stammte von der Firma Schlaak & Söhne aus Schweidnitz.
Letzter Geistlicher war Pfarrer Paul SCHRÖTER. Er war zugleich Superintendent der Diozöse Breslau der ev.-luth. Kirche Altpreußens mit 16 Pfarramtbezirken. Er wohnte in Klitten, Kreis Niesky
Bis zur Vertreibung haben in der Stadt Brieg folgende christlichen Gemeinschaften bestanden:
Die Anzahl der jüdischen Gemeindemitglieder nahm vom Jahre 1933 an immer mehr ab. Waren es damals noch 255, so waren es 1938 nur noch 160 Juden einschließlich der Kinder.
Zum Territorium der katholischen Stadtpfarrgemeinde Brieg gehörten der gesamte Stadtkreis Brieg, ferner 15 Dorfgemeinden bzw. Gutsbezirke, nämlich Briesen, Grabendorf, Giersdorf, Groß Neudorf, Grüningen, Hermsdorf, Kreisewitz, Linden, Neu-Briesen, Pampitz, Paulau, Rathau, Rothaus, Schreibendorf und Schüsselndorf. Die Pfarrei Brieg gehörte zum Dekanat Brieg. Es hatte seinen Sitz in Löwen, und ihm stand der Erzpriester und Geistliche Rat Friedrich VON WOYSKI vor. Er war zugleich Pfarrer in Löwen und amtierte zuletzt in Endel, Kreis Vechta. Im November 1954 ist er dort verstorben. Die Zahl der Gemeindemitglieder der Zivilgemeinde betrug 8.500. Davon waren in der Stadt Brieg ca. 7.000 wohnhaft. Von der Gesamtbevölkerung der Stadt waren etwa 23% katholisch.
Neben der Zivilgemeinde bestand auch noch eine sehr starke Standortgemeinde sowie eine kleine Gemeinde in der Strafanstalt.
Im Gebiet der Stadtpfarrei lag eine ganze Anzahl von Kirchen und Kapellen. Die Stadtpfarrkirche "Zum Heiligen Kreuz" war in den Jahren 1735 bis 1741 von den Jesuiten als Kollegkirche für den geplanten aber nicht verwirklichten Kollegbau im Barockstil erbaut worden. Sie wurde 1746 feierlich konsekriert und 1819 zur Stadtpfarrkirche erhoben. Die Türme wurden allerdings erst 1856 vollendet.
Die Wirkung des Äußeren ist für einen Jesuitenbau nüchtern. Um so überraschender erscheint der herrliche Innenraum. Drei mächtige Pfeilerpaare gliedern den lichten weiten Raum, schaffen Seitenkapellen und tragen das gewaltige Tonnengewölbe, das durch gemalte Scheinarchitektur den Raum in unendliche Höhen weitet. Malerei an der geraden Chorwand über dem schlichten Altar baut in eine Scheinkuppel einen Prunkaltar. Die Geschichte des heiligen Kreuzes ist das Thema der Malereien des Chors, des Deckengewölbes und an den Tonnen der Seitenschiffe, Schöpfer der Malereien ist der Jesuitenpater Kube. Die Bildhauerarbeiten der Kanzel, die bewegten Begleitfiguren des Altarkreuzes, fügen sich gut dem spätbarocken Innenraum ein. Beachtenswert sind zwei barocke Plastiken: Judas Taddäus und Nepomuk. Ein köstliches Stück ist das mittelalterliche, holzgeschnitzte Kruzifix an einem Pfeiler rechts vom Altar. Am zweiten Chorpfeiler rechts hängt im spätbarocken Rahmen ein Madonnenbild in der Art des Lukas Cranach. Die deutsche Innigkeit und Schlichtheit muten in dieser ganz auf Sinnenreize eingestellten Umgebung nahezu fremdartig.
Die Schloßkirche "Zur Heiligen Hedwig" war die älteste Kirche der Stadt, aber in Ihrer jetzigen Gestalt nur ein kleiner Rest der einst prächtigen Collegiats-Stiftkirche, die im Jahre 1741 während der Belagerung durch die Preußen größtenteils zerstört wurde. Einige Jahrzehnte später ist sie dann in ihrer jetzigen Gestalt wieder aufgebaut worden. Sie wurde zuletzt nur noch für Sondergottesdienste genutzt, und das Allerheiligste in ihr nur während der Hedwigswoche aufbewahrt. Als besondere Kostbarkeit birgt sie neben der steinernen St. Hedwigs-Plastik aus dem 14. Jahrhundert die Metall-Sarkophage der letzten Piasten-Herzöge aus dem 17. Jahrhundert.
Die Begräbniskirche auf dem alten katholischen Friedhof stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Begräbniskapelle St. Michael auf dem neuen Friedhof in der Schüsselndorfer Straße wurde erst 1943 als Notbau errichtet. Im Marienstift befand sich dann noch eine kleine Kapelle, in welcher regelmäßig Gottesdienste abgehalten wurden.
Simultankirchen bestanden im Zuchthaus und im Gefängnis.
Als karitative Anstalt darf das St. Marienstift nicht unerwähnt bleiben. Es umfaßte ein Krankenhaus mit über 120 Betten, ein Kinderheim für ca. 20 Kinder und einen Kindergarten. Etwa 20 Borromäerinnen vom Mutterhaus Trebnitz versahen neben anderen Hilfskräften den Dienst am Kranken. Es war das größte allgemeine Krankenhaus Briegs. In ihm wurden alle anfallenden chirurgischen, urologischen und gynäkologischen Operationen durchgeführt. Nur allerschwerste Fälle wurden in die Universitätskliniken Breslau überwiesen.
Langjähriger Chefarzt war Dr. med. F. SCHOEPS, jetzt Wiesbaden, Bismarkstraße 7, Oberarzt war Dr. F. DÖRNER, Bad Mergentheim, Gartenweg 6
Am 1. Januar 1945 lebten in Brieg folgende Geistliche:
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zuletzt aktualisiert: 11.05.2001