| 1741 | Es leben nur 5 jüdische Familien (insgesamt 20 Personen) in Brieg. |
| 1776 | Der preussische König verfügt die Umsiedlung von Juden aus den schlesischen Gebieten links der Oder nach Oberschlesien an die polnische Grenze, "da man ihrer schon genug habe". Dies betraf aber nicht die altansässigen Juden in Brieg und Glogau, die bleiben durften. |
| 1783 | erhöhte der König "zur Beschränkung der Population des überflüssigen Judenvolkes" die Gebühren für einen jüdischen Trauschein von 1 Dukaten auf 1 Friedrichsdor, und unterm 26.2.1785 bedrohte er die noch weiter Konterbande treibenden (schmuggelnden) Juden mit strengster Bestrafung, nach deren Verbüßung sie aus dem Lande gejagd werden sollten. |
| 1787 | wurden in der Stadt schon 147 jüdische Mitbürger (= 0,3% der damaligen Einwohnerzahl) gezählt. Der sonst so tolerante Friedrich d.G. war aus volkswirtschaftlichen Gründen den Juden nicht gerade freundlich gesinnt. |
| Die Juden in Brieg sind in der Lage, Grundstücke zu erwerben. Es geschah dies zunächst in der Regel so, daß ein Christ seinen Namen dafür hergab, um für den Juden als Käufer zu fungieren. Einige Häuser, auf den eigenen Namen gekauft, hatten nur Juden mit besonderen Privilegien. Sie erhielten damit automatisch Bürgerrecht, auch wenn - so geschehen in Brieg - das Haus 3 Monate später (mit 15% Gewinn, versteht sich!) wieder verkauft wird. So gingen bereits in der Anfangszeit der beginnenden Emanzipation viele Grundstücke der Innenstadt in jüdische Hände über. | |
| 1791 | bestimmte Friedrich Wilhelm II., daß Judensöhne jedes Handwerk erlernen dürften. |
| 1798 | konnte die jüdische Gemeinde an der Schüsselndorfer Straße ein Stück Land zur Anlage eines eigenen Friedhofes erwerben (vorher mußten sie ihre Toten in Breslau beerdigen). |
| 1799 | konnte an der Langen Straße, nicht allzuweit vom Gymnasium, eine Synagoge eingeweiht werden. |
| 1803 | wurde der Leibzoll für Juden aufgehoben. |
| 1810 | hatte die Stadt Brieg 377 Häuser und 7084 Einwohner, darunter 305 (4,3%) Juden. |
| 1811/12 | erhielten eine größere Zahl von Juden das Bürgerrecht. Sie durften fortan akademische Lehr-, Schul- und Gemeindeämter bekleiden, Grundbesitz ohne Beschränkungen erwerben, hatten Niederlassungsfreiheit und mußten einen Familiennamen annehmen. |
| 1812 | hörten die Übertritte der Juden zum Christentum fast ganz auf. Meistens handelte es sich dabei um ortsfremde Juden, die alsbald nach dem Übertritt Brieg wieder verließen, um andernorts als überzeugte Christen auftreten zu können. |
| 1820 | gab es in Brieg 7 Schulen, darunter die jüdische Elementarschule, geleitet vom Kantor der Synagoge. |
| 1822 | wurde für Juden die Berechtigung zum Bekleiden von Lehrämtern aufgehoben. |
| 1824 | waren von 49 erwerbstätigen Juden 13 Kaufleute, 6 Wollhändler, 4 Destillateure, 4 Schnittwarenhändler, 3 Makler, 3 Lieferanten, 2 Buchhändler und 2 Handelsleute. |
| Es besuchten 124 Kinder die Judenschule. 16 jüdische Familienväter weigerten sich und schickten ihre Kinder lieber auf christliche und Privatschulen. | |
| 1830 | forderten die Juden selbst den Magistrat auf, ihre Schule aufzulösen. |
| 1831 | es wurde angeordnet, daß kein Jude Bürgermeister werden durfte. |
| 1832 | hatte die jüdische Schule nur noch 20 Schüler |
| 1836 | wurde ihnen der Erwerb bäuerlichen Besitzes nur gestattet, wenn dieser vom Juden selbst und mit jüdischem Gesinde bewirtschaftet wurde. |
| 1840 | wurde verboten, jüdische Gymnasiasten am Sabbat (Samstag) vom Schreiben zu dispensieren. |
| Von 400 Häusern hatten 40 jüdische Besitzer, und zwar nicht gerade die schäbigsten Gebäude, einige Juden besaßen sogar deren zwei. | |
| 1882 | zählte Brieg (nach einer Eintragung im Knopf des südlichen Kirchturms der Nikolaikirche) 9.499 Einwohner, davon 6.559 evang., 2.514 kath. und 426 jüdische Mitbürger. |
| 1911 | Wie sehr der Wohlstand der jüdischen Bevölkerung gestiegen war, zeigt die Stadtverordnetenwahl von 1911, die noch nach dem Dreiklassenwahlrecht von 1884 vor sich ging. In der 1. Steuerklasse wählten 39, von denen 5 (=12,9%) jüdisch waren. In der 2. Klasse wählten 469 Wähler von denen 38 (= 8,1%) zu den Juden zählten. Die Synagoge hatte damals 53 Mitglieder, von denen also 43 (81%) zu den vermögenden Schichten gehörten. Auf die Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches bezogen, machten die Juden aber nur 1% aus. Es ist aber auch bekannt, daß sie sich nicht kleinlich zeigten, wenn es um die Förderung sozialer und kultureller Unternehmungen ging. Für Brieg seien als herausragende Beispiele die Gebrüder FRIEDLÄNDER und Geh. Baurat Hermann WEISSTEIN genannt. |
| 1921 | waren von 53 Erwerbstätigen jüdischen Mitbürgern 32 Kaufleute, 5 Destillateure, je 2 Pferdehändler, sonstige Viehhändler, Bankiers, Rechtsanwälte, Beamte und Fabrikbesitzer. Der Kantor erteilte den Religionsunterricht. |
| 1925 | zählte die jüdische Gemeinde in Brieg 271 Köpfe. In den 20er Jahren spielte in Brieg der der SPD beigetretene Fabrikbesitzer COHN eine beherrschende Rolle, so daß ihn seine Gegner schon den "ungekrönten König von Brieg" nannten. Im Stadtrat verwaltete er das Dezernat für Stadtbank, Sparkasse, Verkehrsamt, Theater und die Betriebswerke. In dieser Zeit waren im Magistrat unter 11 Mitgliedern 3 Juden. Der Gegnerschaft, die er sich im Bürgertum schuf, ist es zuzuschreiben, daß bei den Stadtverordnetenwahlen 1924 die Deutschvölkischen bereits 818 Stimmen erhielten. |
| 1929 | Sollte COHN sogar Stadtkämmerer werden, was dann aber unterblieb. |
| Verlangte Assessor FREUND, Sohn eines Rabbiners, vor einer Verhandlung vom Justizwachtmeister, daß dieser das Kruzifix vom Richtertisch zu entfernen habe. Den Antrag von Rechtsanwalt Dr. RUFFERT, es wieder hinzustellen, lehnte FREUND mit der Begründung ab, es irritierte ihn; auch gebe es keine konfessionelle Rechtssprechung mehr. Auf dem Wege eines Dienstverfahrens wurde FREUND von Brieg versetzt. | |
| 1933 | zählte die jüdische Gemeinde in Brieg 255 Köpfe. Die Lage der Juden wurde von Jahr zu Jahr unerträglicher. Wem es jetzt noch gelang, das Deutsche Reich zu verlassen - oft unter Zurücklassen seines Vermögens -, der konnte von Glück sagen. |
| 1938 | zählte die jüdische Gemeinde in Brieg nur noch 160 Köpfe. Hiervon waren 60 männliche und 9 weibliche Juden erwerbstätig, darunter 37 Kaufleute, 9 Angestellte, 4 Handelsleute, je 3 Vieh- und Pferdehändler, Gastwirte und Verkäufer, je zwei Schnittwarenhändler und Makler. Nach dem Versagen der Teilnahme an den Reifeprüfungen war ihnen später auch der Besuch der höheren Schulen überhaupt versagt. Anfangs beließ man jüdische Lehrer und Beamte in ihren Ämtern, wenn sie am 1. Weltkrieg teilgenommen hatten und in zwei Schlachten nachweislich mitgekämpft hatten. Später wurden alle Beamten ausnahmslos entlassen und ihnen auch ihre wirtschaftliche Tätigkeit beschnitten. Dem anfänglichen Boykott jüdischer Geschäfte folgte schließlich die Enteignung ihrer Unternehmen und die "Reichskristallnacht" vom 9.11.1938. Der nach dem Verlassen ihrer Wohnungen zu tragende "Judenstern" kam einer Ächtung gleich. Auch in Brieg wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört, flog jüdisches Eigentum auf die Straße, doch unterblieben weitere Exzesse und Blutvergießen. Dennoch wurde so mancher zum Selbstmord getrieben |
Hier enden die Aufzeichnungen über jüdisches Leben in Brieg
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zuletzt aktualisiert: 12.06.2001