Bei einem Seminar in Bremen bat mich Herr Thimm doch einmal über die Heraldik und im Besonderen über die Möglichkeiten zur Annahme eines Familienwappen zu schreiben. Da dies meine erste schriftliche Ausarbeitung über die Heraldik ist, bitte ich um Nachsicht wenn ich nicht gleich alle wissenswerten Punkte, die Sie interessieren, anspreche, weil noch das Ordnen der eigenen Gedanken im Vordergrund steht. Ich habe mir vorgestellt, daß Sie, als Leser, über die Abfassung weiterer Artikel mit entscheiden werden, in dem Sie mir durch Ihre Fragen zur Heraldik die Möglichkeit geben, diese zu beantworten. Am Ende des Artikels werde ich meine Adresse angeben.
1. Die Heraldik ist eine der historischen Hilfswissenschaften, die einen Teil der Geschichtswissenschaften ausmacht. Die Aufgabe der Heraldik soll es sein, die vielfältigen Wappen und deren geschichtlichen Hintergrund zu erforschen und dem Wappeninteressierten die Möglichkeit zu bieten, über das Wappen näheres über eventuelle Zusammenhänge einer oder seiner Familie zu erfahren - ähnlich wie in der Familienforschung. Abhandlungen zur Heraldik und ihrer Aufgaben, sind im Laufe der Zeit zu hunderten erschienen und im örtlichen Buchhandel oder bei den spezialisierten Fachverlagen erhältlich. Man könnte dieses Thema noch viel länger behandeln. Doch bin ich der Meinung, daß, weil die Heraldik ein sehr breites Feld einnimmt, ich lieber zu diesem Punkt im einzelnen Stellung nehmen werde, wenn die Leser dies wünschen.
2. Nun zu dem Thema, das für die Meisten von Ihnen viel interessanter ist, nämlich, wie man an ein eigenes Wappen kommt.
Schätzungsweise gibt es in Deutschland weit über 1 Million Wappen und es werden täglich mehr. Nun gibt es aber verschiedene Möglichkeiten ein Wappen zu erwerben. Auch wenn sich die Fachwelt - sprich die Heraldiker - darüber einig ist, daß es nur eine Möglichkeit gibt, nämlich die, bei einem Heraldiker sein Wappen in Auftrag zu geben. Ich werde Ihnen aber hier verschiedene Möglichkeiten aufzeigen:
Zu nächst wäre da die Möglichkeit, sich über einen heraldischen Verein an einen, von diesen empfohlenen Heraldiker zu wenden. Hier sind zu nennen, der "Deutschen Herold" in Berlin, er ist der älteste heraldische Verein in Deutschland. Er führt die "Deutsche Wappenrolle". Die Veröffentlichungen sind über den Degener Verlag zu beziehen, oder der heraldische Verein "Zum Kleeblatt", mit der Niedersächsischen Wappenrolle, in Hannover. Es gibt deren also einige und es befindet sich vielleicht einer in Ihrer Region. Lassen Sie sich aber in jedem Fall für eine Wappenarbeit über die anfallenden Kosten aufklären. Denn diese weichen im erheblichen Maße von Fall zu Fall ab. Je nach Ausführung einer Wappenarbeit kann es Sie zwischen 2.000,- und 6.000,- DM kosten. Diese Beträge scheinen sehr hoch, sind aber durchaus real. Ich habe diese Beträge einer Zeitschrift entnommen, die sich einmal mit dem Thema Heraldik auseinandergesetzt hat und ein bekannter Heraldiker bestätigte vor Jahren diese Beträge in einer Fernsehsendung des WDR.
Die andere Möglichkeit wäre, sich ein Wappen bei einer gewerbsmäßigen Wappengesellschaften oder einem freien Heraldiker, die man auf Messen oder ähnlichen Veranstaltungen antrifft, anfertigen zu lassen, was natürlich einen richtigen Heraldiker in den Grundfesten seiner Überzeugung erschüttern würde. Die heraldischen Vereine und somit deren Mitglieder, gehen davon aus, daß diese Wappenverkäufer, die Heraldik kommerziell betreiben und diese dem Eindruck eines Schleuderartikels vermitteln wollen, den sich jeder leisten kann. Dies trifft für die Mehrheit von uns in sofern zu, daß wir dem Wappen wieder eine gesellschaftliche Stellung zu ordnen wollen, die von vielen Bürgern gewünscht wird und eben nicht nur einer privilegierten Schicht zu stehen soll. Es stellt sich nur die Frage, von was denn die Vereine leben oder besser deren Heraldiker. Die Wappen werden von denen doch auch nicht verschenkt. Bitte lassen Sie sich davon nicht beirren, fast alle sind gestandene und hervorragende Heraldiker und schwarze Schafe hat man hier wie dort. Es gibt eben auch Heraldiker, die kostengünstiger arbeiten können. Hier nun einige Anführungen von freien Wappengesellschaften, die, stellvertretend für viele andere, ebenso gute Arbeiten liefern. Da wäre z.B. die Pro Heraldica in Stuttgart zu nennen, Herausgeber der "Allgemeinen deutschen Wappenrolle, der Weltbild Verlag in Augsburg, dieser gibt die Wappenrolle "Münchener Herold" heraus. Hier sollten Leute mit einer gewissen heraldischen Vorbildung kaufen. Dann das Archiv für Familien - und Wappenkunde in Elze/Leine und auch die Hanseatische Heraldische Gesellschaft zu Bremen Fittkau, Konieczny, Voß GbRmbH der ich als Verfasser dieses Artikels angehöre. Die beiden letzt genannten Anbieter veröffentlichen ihre Wappen in der selbst herausgegebenen "Hanseatischen Wappenrolle". Natürlich kann man auch bei diesen Anbietern ein paar Tausender anlegen, doch liegen hier die Einstiegspreise bei ca. 500,- DM und niedriger. Es gilt wie in allen Angelegenheiten, daß man sich eingehend erkundigen und beraten lassen soll, wie die Angebote sind und was dafür geleistet wird. Lassen Sie sich einfach ein paar Arbeiten zeigen und nehmen Sie sich vor allen Dingen Zeit!
Letztendlich bleiben noch Sie übrig. Entwerfen Sie doch einfach Ihr Wappen selbst. Es gibt keine Verpflichtung, daß das Wappen eingetragen werden muß. Aber Vorsicht, wenn Sie Ihr Wappen nicht veröffentlichen lassen, besteht die Gefahr, daß ein Anderer mit der selben Idee, das selbe Wappen trägt wie Sie. Hat dieser sein Wappen nun registrieren und veröffentlichen lassen, steht er von der gesetzlichen Seite her auf der besseren Seite. Mein Rat in solchen Fällen, lassen Sie Ihr Wappen von einem Heraldiker prüfen, registrieren und veröffentlichen. Denn alle Heraldiker haben sich verpflichtet, die eingereichten Wappen nach heraldischen Gesichtspunkten zu überprüfen, um so Wappendopplungen vorzubeugen.
Abschließend sei noch zu erwähnen, das in der Heraldik von der bildlichen Darstellung fast alles Möglich ist, aber man bei der Wahl seiner Symbole darauf achten sollte, daß diese nicht zu Modern erscheinen. Ich selbst habe schon Autoreifen, Straßenbahnen, Stromabnehmer oder Löwenskelette gesehen. Hier ist meiner Meinung nach der Geschmack abhanden gekommen. Ein Wappen sollte nicht anstößig sein, sondern der alten Tradition entsprechend seinen Träger hervorheben. Allerdings gab es auch schon früher Wappensymbole, die nicht jedermann Sache waren. In diesem Sinne, wie ich hoffe, bis zum nächsten mal.
Nun zum Abschluß zur Adresse unter der Sie mich erreichen können:
Hanseatische Heraldische Gesellschaft zu Bremen
GbRmbH
z.Hd. Herrn Lothar Fittkau
Steffensweg 76
28217 Bremen
Tel + Fax : 0421-396 26 22

