Vortrag von Heiko Thimm auf der Jahreshauptversammlung der Gruppe Familien- und Wappenkunde im Sozialwerk der Bahn am 9. Januar 1998 in Rantum Sylt).
Statt eines Vorworts ...
Sie denken intensiv darüber nach, ob Sie bei Ihrer Familienforschung den Computer als Arbeitspferd einsetzen sollten? Sie wissen aber noch nicht so recht, ob es sinnvoll ist oder nicht? Ihnen fehlen Argumente, um diese Investition bei Ihrer "besseren Hälfte" durchzusetzen? Ihnen fehlen Argumente, um weiterhin auf das Hilfsmittel Computer zu verzichten? Prima, dann sind Sie hier genau richtig.
In der Regel ist die Familienforschung ein Freizeitvergnügen und dieses Freizeitvergnügen soll nun mit Hilfe des Computers nochmals gesteigert werden. Vergessen Sie dabei bitte nie, daß Familienforschung, obwohl ernst und gründlich betrieben, Spaß macht und das darf auch beim Einsatz des Computers nicht anders werden. Das bedeutet, daß es durchaus Genealogen gibt, die nach einem gescheiterten Computereinsatz auch die Familienforschung aufgaben.
Wenn es aber richtig Spaß macht, kann auch der gegenteilige Effekt eintreten. Familienforscher erstellen plötzlich mit Hilfe des Computers Auswanderkarteien, schreiben Kirchenbücher ab und helfen dabei, wichtige historische Quellen zu bearbeiten und zu schützen. Aus der Erfahrung der letzten Jahre nimmt die Anzahl der genealogischen Quellenbearbeitungen ständig zu; dies ist sicherlich auf den zunehmenden Einsatz von Computern in der Genealogie zurückzuführen.
Nun geht's endlich los ...
Es scheint so, daß der Computer als Werkzeug in der Familienforschung nicht mehr fortzudenken ist. Die Möglichkeiten, die sich dem Forscher eröffnen scheinen phantastisch. Nur wenige Familienforscher, die heute noch nicht mit dem Computer arbeiten, spielen nicht mit dem Gedanken, sich in Kürze einen anzuschaffen.
Die Vorteile eines Computereinsatzes in der Genealogie liegen auf der Hand :
- Übersicht in den Forschungsdaten
- automatische Kontrolle (sog. Plausibilitätstests)
- automatische Erstellung genealogischer Standardausgaben
- Datenaustausch mit anderen Genealogen
- Zugriff auf vorhandene Datenbanken
- Einfache Veröffentlichung eigener Forschung
So ganz nebenbei kann der Computer bei sonstigen anfallenden Aufgaben erheblich zur Entlastung beitragen. Sie erledigen Ihre Korrespondenz oder Ihre Steuererklärung in erheblich kürzerer Zeit als bisher (so ist zumindest die Theorie). Und natürlich soll nicht unterschlagen werden, daß der Computer als Schachpartner immer verfügbar ist.
Dynamik
So beeindruckend die Möglichkeiten sind, so erdrückend sind auch die Schwierigkeiten, mit denen man zuweilen konfrontiert wird. Die Computerindustrie ist eine Branche mit einer bisher nie gekannten Dynamik. Was gestern noch hochaktuell, wird heute bereits als untauglicher alter Hut verschrottet. Gurus, die zu allen Zeiten immer die absolute "Ahnung" haben, sind noch weniger zuverlässig als das Orakel von Delphi. Fachzeitschriften erschlagen den Leser mit den neuesten Informationen und Tips aus der Trickkiste. Wichtig ist, bei aller Euphorie, folgendes im Kopf zu behalten :
Wenn das Automobil eine vergleichbar rasante Entwicklung genossen hätte, wie die Computer, könnte ein Auto mit rasender Geschwindigkeit und bei höchstem Komfort fahren, fliegen und schwimmen. Wenn in der Automobilbranche dabei dieselben Qualitätskriterien wie in der Computerbranche Anwendung gefunden hätten, könnten wir locker mit der 20 fachen Anzahl schwerster Unfälle rechnen und wir müßten jedes Jahr eine neues Fahrzeug erwerben - weil es für das alte keine Ersatzteile mehr gibt.Dieses Beispiel sollte Ihnen auch zeigen, daß der Computer keine Anschaffung für's Leben ist, sondern - je nach Anspruch - nur für eine kurze Zeit. Durch Einsatz des gesunden Menschenverstandes können Sie diese Zeitspanne erheblich verlängern.
Wie? - dies erfahren Sie zu einem späteren Zeitpunkt.
Notwendige Beschränkung
Um überhaupt eine Chance zu haben, diese Einsteigerinformation in einem nachvollziehbaren Rahmen zu halten, müssen wir uns auf eine Gruppe der ersonalcomputer beschränken. Daher wählen wir die "Windows-Computer" aus, da es für diese Computer die meisten Genealogieprogramme gibt. Außerdem haben diese Computer den größten Marktanteil, was natürlich in der Computerbranche nicht bedeutet, daß es ergo die benutzerfreundlichsten und leistungsfähigsten Rechner für's Geld sind. Das wären die Computer von Apple, aber dafür gibt es nur wenige Genealogieprogramme ... Pech.
Zwischenruf
Nun haben Sie schon wichtige Erkenntnisse der Computeranwendung gewonnen, die Sie vor empfindlichen Enttäuschungen schützen werden und das Frustrationsniveau dramatisch senken werden.
Merksatz 1 : Der Computereinsatz ist nicht so einfach und effizient, wie die Werbung es Ihnen weis machen will.
Merksatz 2 : Das am meisten eingesetzte Produkt ist nicht immer das Beste.
Die Bausteine des Erfolgs
Mit einem Computer ist es alleine nicht getan. Der Profi unterscheidet zwischen der "Hardware" und der "Software". Hierbei kann man unter der Hardware alles zusammenfassen, was an Computern und Peripheriegeräten zur Verfügung steht. Die Software erweckt den Computer zum Leben und macht ihn bereit, bestimmte Aufgaben zu lösen. Beginnen wir mit den verschiedenen Systembeschreibungen.
Ein Desktop-System ist nichts anderes, als ein Computer, der "auf dem Tisch" steht. Dies war bis vor kurzer Zeit die Standardausführung. Der Vorteil dieses Systems ist, daß der Monitor auf dem Computer steht und damit in einer guten Höhe ist, um angenehm zu arbeiten. Der Nachteil ist, daß das System nur beschränkt ausbaufähig ist. Abhilfe schafft dann ein Tower-System, das wie ein Turm unter dem Schreibtisch steht. Es bietet ausreichend Platz auch für großzügige Erweiterungen. Obwohl die Computerbauteile immer kleiner werden, hat die Computerindustrie es geschafft, uns diese riesigen Turmgehäuse anzudrehen. Damit es nicht so auffällt, gibt es ein Mittelding, zwischen Tower und Desktop, der (wer hätte das gedacht) Mini-Tower.
Der für den Genealogen interessanteste Rechner ist aber der tragbare Computer, das Notebook. Hierbei sind alle notwendigen Funktionen auf kleinstem Raum untergebracht. Sie können diesen Computer mit ins Archiv nehmen und die Forschungsdaten direkt erfassen und abgleichen. Dabei müssen Sie zu Hause nicht auf den Komfort einer normalen Computertastatur verzichten. Für diesen Zweck gibt es Erweiterungen, die es erlauben, das Notebook mit einem normalen Monitor und einer normalen Tastatur auszustatten. Diese Miniaturisierung hat aber ihren Preis. Rechnen Sie bei gleicher Rechenleistung mit ca. 50% Aufpreis.
Mit der Eingabe der Daten könnte nach dem Erwerb eines Rechners begonnen werden. Aber Sie möchten auch das eine oder andere zu Papier bringen. Hierzu gibt es die verschiedensten "Drucker". Im Prinzip müssen Sie heute nur noch entscheiden, ob Sie viel oder wenig und ob Sie eventuell farbige Ausdrucke erstellen möchten. Im Prinzip können für den Familienforscher drei nterschiedliche Druckertypen berücksichtigt werden : Nadeldrucker, Tintenstrahldrucker und Laserdrucker. Die Nadeldrucker haben den Vorteil, daß die Verbrauchskosten, sprich Farbbandkosten, sehr niedrig sind. Dafür sind diese Drucker sehr laut und deshalb aus den Privaträumen nahezu vollständig verbannt. Dennoch sollte man einen Gedanken an diese Drucker verschwenden. Neben den sehr niedrigen Folgekosten sind diese Drucker sehr robust. Die Ausgabequalität reicht für normale Ansprüche aus.
Seit einigen Jahren sind die Tintenstrahler groß im Kommen. Fristeten früher Tintenstrahler eher ein Nischendasein, sind diese Drucker heute der Standardtischdrucker im Heimbereich. Die Anschaffungskosten werden sehr niedrig gehalten - dafür schlagen die Hersteller bei den Tintenpatronen richtig zu. Die Seitenkosten sind exorbitant, aber wer denkt beim Kauf eines Druckers an so etwas? Unterschieden werden müssen hier Tintenstrahldrucker, die beim Wechsel der Tintenpatrone auch gleich einen neuen Druckkopf bekommen und den Tintenstrahldruckern, die lediglich eine neue Tintenpatrone erhalten. Es ist leicht herauszufinden, welche von beiden Typen die niedrigeren Folgekosten hat.
Schließlich sind noch die Laserdrucker interessant. Die höheren Anschaffungskosten werden mit einem exzellenten Schriftbild und einer hohen ruckgeschwindigkeit belohnt. Die Folgekosten schwanken je nach Druckerhersteller enorm. Hier können Sie getrost mit 2 bis 6 Pfennig. pro gedruckter A4 Seite kalkulieren, was aber immer noch günstiger ist, als bei vielen Tintenstrahldruckern. Sofern Sie viel ausdrucken müssen, ist es durchaus attraktiv einen Laserdrucker einzusetzen, der schneller und günstiger die Informationen zu Papier bringt.
Nachdem die Grundeinheiten des Computersystems besprochen wurden, wenden wir uns der besonderen Peripherie zu. Sofern Sie Bilder oder Dokumente / Originaltexte einscannen möchten, benötigen Sie hierfür einen Scanner. Einen Scanner müssen Sie sich wie einen Kopierer vorstellen, nur daß von einer Vorlage nicht direkt eine Papierkopie erstellt, sondern die Informationen in den Computer übertragen werden. Der Vorteil liegt nun darin, daß Sie die so eingescannten Bilder und Dokumente direkt mit den Personen und Familien Ihrer Familienforschung verbinden können. Auf diese Weise haben Sie auf Ihrem Rechner ein vollständiges Archiv. Es gibt natürlich noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, Bilder in den Computer zu übernehmen, aber das würde den Rahmen hier sprengen.
Da heute alles von dem schönen neuen Datenhighway spricht, darf natürlich das Modem nicht vergessen werden. Dieses Bauteil ist notwendig, um Ihren Computer mit anderen Computern zu verbinden, Telefaxe direkt über den PC zu versenden oder stundenlang im Internet zu surfen.
Zum Abschluß sei noch erwähnt, daß alle Daten auf dem Computer nicht automatisch gesichert sind, d.h., daß Sie im Falle eines Defekts auf Sicherungen zurückgreifen müssen. Welche Sicherungsmethode für Sie die richtige ist, hängt dann vom geplanten Einsatz ab.
Die Seele des Computers
Ohne Software geht es nicht. Ohne spezielle Programme hat der Blechkasten Computer nichts zu bestellen. Zunächst ist da das Betriebssystem. Aktuell ist für die betrachtete Computergruppe das Betriebssystem Windows '95 oder Windows'98 (bzw. der große Bruder Windows NT 4.0). Ältere Computer, die im Gebrauchthandel verfügbar sind, haben meist noch Windows 3.1 oder lediglich MS-DOS als Betriebssystem. Das Betriebssystem macht nichts anderes, als die grundlegenden Funktionen für den Computer in einer einheitlichen Umgebung anzubieten. Der Rest wird über sogenannte Anwendungsprogramme geregelt. Hierzu gehören Textprogramme und auch die für diesen Artikel so wichtigen Genealogieprogramme.
Die Genealogieprogramme können in verschiedene Gruppen eingeteilt werden, die je nach Einsatz besser oder schlechter geeignet sind. Einfache Familienforschungsprogramme
Einfache Familienforschungsprogramme sind dazu geeignet, elementare Forschungsdaten zu verwalten und auszugeben. In der Regel sind diese Programme bei größeren Beständen ab 1000 Personen überfordert.
Der Einsatz dieser Programme ist lediglich dazu geeignet, kleine Bestände zu verwalten und Ausdrucke zu erstellen. Echte Forschung ist hiermit nicht möglich, da die dazu notwendigen Mechanismen im Programm nicht enthalten sind.
Also Beschränkung auf eine kleine, eigene Familienforschung.
Erweitert
Die Verwaltung der Daten ist vergleichbar mit den einfachen Programmen, die Programme lassen aber erheblich größere Bestände zu und es gibt Anwender, die viele tausend Datensätze damit verwalten. Diese Programme unterstützen den engagierten Familienforscher bei seiner Arbeit durch vielfältige Such- und Auswertungsmöglichkeiten.
Mit Hilfe dieser Programme kann die eigene Familienforschung und mit gewissen Einschränkungen auch Ortsfamilienbücher erfaßt und ausgegeben werden.
Echte Genealogieprogramme
Echte Genealogieprogramme bilden genealogische Sachverhalte im Computerprogramm ab. Sie können praktisch beliebig komplizierte verwandtschaftliche Verhältnisse analysieren und umfangreiches Datenmaterial hinterlegen. Anbieter derartiger Programme haben Referenzinstallationen mit großen Forschungen (mindestens 100.000 Personen).
Genealogieprogramme dieser Qualitätsstufe können beliebige genealogische Quellen verwalten und ausdrucken. Dadurch erhalten Sie ein Werkzeug für die verschiedensten genealogischen Aufgaben, zu dem Preis, daß die Software in der Regel anspruchsvoller ist.
Hinweis : Anders als bei Computern ist es für einen Softwarehersteller völlig unproblematisch, Ihnen zur Anschauung oder zum Test, eine Version des Programms zur Verfügung zu stellen. Sie müssen ausgiebig Gelegenheit bekommen, das Produkt auszuprobieren. Stellt sich hier ein Anbieter quer, vergessen Sie das Programm.
Zwischenruf
Dem Neueinsteiger in die schöne grelle Computerwelt ist in der Regel nicht klar, daß dieser Einstieg zu finanziellen Dauerbelastungen führen kann. Dies begründet sich zum einen durch die bereits erwähnte Dynamik der Computerbranche. Es geht ständig schneller, höher, weiter. Wenn Sie hier Ihr Anspruchsdenken nicht an der Computerwerbung, sondern am tatsächlichen Bedarf ausrichten, haben Sie die erste Hürde bereits genommen.
Nun gibt es aber Situationen, in denen Sie zu kostenpflichtigen Aktualisierungen nahezu gezwungen werden. Hierzu müssen Sie zunächst lernen, daß Computersoftware ziemlich kompliziert ist und in ihrer Vielfalt nicht vollständig ausgetestet werden kann. Softwareanbieter sind in der Regel bemüht, die Programme auszutesten, aber manchmal passiert es auch bei großen Anbietern, daß fehlerhafte Programme ausgeliefert werden.
Merksatz 3 : Software kann fehlerhaft sein.
Wird dann ein Fehler festgestellt, so erfolgt durch den Programmhersteller eine Korrektur. Diese Korrektur können Sie dann auf den verschiedensten Wegen erhalten, ohne dafür mit zusätzlichen Kosten belastet zu werden.
Nun wird es interessant. Der Hersteller des von Ihnen benutzten Genealogieprogramms ist natürlich dazu gezwungen, ständig auf neue Computer und Betriebssysteme zu reagieren. Dies verlangt der "Markt". Neben den Anpassungen erfolgt eine Programmerweiterung, die z.B. durch Konkurrenzprogramme aufgezwungen wird. Im Gegensatz zum Auto müssen Sie bei einem Modellwechsel nicht gleich ein neues Auto kaufen, sondern Sie haben die hier Möglichkeit, ein "Update" oder besser, eine Aktualisierung zu einem günstigen Preis zu erwerben. Dies ist alles legitim und kann direkt nachvollzogen werden. Der Hersteller hat Aufwand und der muß bezahlt werden. Unangenehm ist die Verbindung von Fehlerkorrektur und Neuerungen im Update für die Benutzer der alten Programmversion, die nicht auf den neuen Stand wechseln.
Die Gründe hierfür können ganz einfach sein :
- Der von mir benutzte Rechner reicht für die neue Programmversion nicht aus und ich möchte mir keinen neuen Computer kaufen.
- Die Neuerungen benötige ich nicht.
Somit arbeiten Sie mit der alten Programmversion weiter. Kein Problem - bis Sie eben auf einen Fehler stoßen, der ein Weiterarbeiten nur mit Zähneknirschen ermöglicht oder sogar völlig ausschließt. Sie melden dies beim Softwarehersteller und erfahren, daß die "alte" Version nicht mehr unterstützt wird und Sie auf die neue Version umsteigen müssen / sollen oder wie auch immer. Dumm gelaufen.
Merksatz 4 : Die Softwarebranche hat es als einzige geschafft, fehlerhafte Produkte durch für den Anwender kostenpflichtige Korrekturen mit Erweiterungen, die keiner oder nur wenige brauchen, (sog. Updates) zu vergolden. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen!
Somit sollten Sie sich vor dem Erwerb anschauen, wie der Softwarehersteller in der Vergangenheit mit Aktualisierungen umgegangen ist und wie teuer der Spaß wird. Manche Hersteller bringen es auf ein oder zwei kostenpflichtige Updates pro Jahr und dann kann die Computerei zum teuren Spaß werden.
Damit wir uns nicht mißverstehen : Leistung muß bezahlt werden und es ist völlig richtig, daß die Nutzung neuer Funktionen in der Regel kostenpflichtig sein kann. Der Kunde sollte aber eine vernünftige und nachvollziehbare Wahl haben und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
Erst denken, dann kaufen
Eigentlich trifft dieser Ratschlag auf alle Bereiche des täglichen Lebens zu und wird beim Computerkauf doch so häufig mißachtet. In der Regel trauen wir uns nicht, dem Verkäufer scheinbar banale Fragen zu stellen. Die Sprache der Computer-Freaks ist so fremd, daß man immer nur verschreckt nickt und eigentlich gar nicht so richtig weiß, was der freundliche Mann da so alles erzählt. Daher ist es wichtig, daß Sie sich zuerst Gedanken darüber machen, was Sie tatsächlich benötigen. Ach ja, die Grundregel einer Hausfrau heißt, daß man nicht hungrig einkaufen geht. Dies ist beim Computerkauf ebenso wichtig; d.h. natürlich nicht, daß Sie sich vorher eine Bratwurst genehmigen sollen, sondern daß Sie Ihre Computereuphorie dämpfen und nüchtern (sprich sachlich) an die Sache herangehen.
Planung Computereinsatz
Das heißt nicht, daß Sie den Computer in allen Einzelteilen selber festlegen. Sie schreiben einfach einmal auf, wozu Sie den Rechner verwenden möchten. Diese Tabelle ergänzen Sie dann einfach um weitere Aufgaben, die in Zukunft mit dem Computer gelöst werden sollen.
| Aufgabe | wichtig |
weniger wichtig |
unwichtig |
| Adressen verwalten | |||
| Briefe schreiben | |||
| Familienforschung | |||
| Kirchenbuchverkartung | |||
| umfangreiche Texte verfassen | |||
| Datenbanken | |||
| Bilder bearbeiten | |||
| Tondokumente aufzeichnen | |||
| OnLine Dienste nutzen |
Diese Liste gibt Ihnen einen guten Überblick über das, was Sie machen möchten. Der Computeranbieter wird Ihnen dann eventuell die finanziellen Grenzen aufzeigen, so daß dann eine Korrektur der Prioritäten notwendig wird. Der Drucker wird nach dem zu erwartenden Ausgabevolumen und der Ausgabequalität festgelegt.
Welcher Computer?
Nun haben Sie vieles über Computer erfahren und können sich ein Bild davon machen, was Sie wirklich brauchen. Das Problem ist nun, daß Sie an dieser Stelle gerne erfahren möchten, welcher Computer denn nun der passende ist - und gerade hier muß ich passen. Aber Hinweise kann ich wohl geben.
Merksatz 5 : Lieber etwas mehr in den Bildschirm investieren (größer, z.B. 17", bessere Qualität) als in einen schnelleren Prozessor.
Bevor Sie sich nun ins Getümmel stürzen, um den Genealogiecomputer schlechthin zu erwerben, bedenken Sie eine preisgünstige Alternative. Sofern Sie nicht gleich mit einem Vollblut-Computer in den neuen Lebensabschnitt starten müssen, könnten Sie sich auch mit einem gebrauchten Computer begnügen. Da viele Firmen auf neue Systeme umsteigen und ihre alten PCs nicht mehr brauchen, gibt es überall Computerhändler, die gebrauchte Computer und auch Drucker zu interessanten Preisen verkaufen. Sicher, das sind dann nicht die neuesten Geräte und die Garantieleistungen sind ebenfalls eingeschränkt, aber der Preis für diese Computer läßt doch aufhorchen.
Planung Genealogiesoftware
Dies ist die schwierigste Entscheidung, die Sie treffen müssen und in letzter Instanz benötigen Sie sicherlich Hilfestellung - aber nicht am Anfang! Dies ist der häufigste Fehler, der gemacht wird. Viele Einsteiger fragen einen Genealogen im Verein, welches Programm er einsetzen soll. Die Empfehlungen sind zufällig - nichtsdestotrotz, euphorisch - und im Verein sind viele etablierte Programme vertreten. Je mehr Forscherkollegen befragt werden, desto mehr Programme lernt man kennen, die alle ungeheuer toll sind. Das kann es doch nicht sein. Sie kaufen sich doch auch kein Auto, bloß weil ein guter Freund damit zufrieden ist. Wo sitzen Ihre 3 Kinder, wenn der Kollege sich einen Zweisitzer zugelegt hat. Sie sehen, auch hier müssen passende Kriterien aufgestellt werden, die zur Auswahl des für Sie passenden Programms führt.
Leider sind bisher nur konventionelle Programm-Steckbriefe in der Zeitschrift COMPUTERGENEALOGIE(was den eigentlichen Nutzen dieser erfolgreichen Publikation aber nicht schmälert) erschienen. Diese Steckbriefe stecken voller nichtssagender ungenealogischer Worthülsen : benutzerfreundlich, mausgesteuert, menügeführt, usw. Diese Kriterien sind subjektiv und in letzter Konsequenz unwichtig. Sie wollen mit Hilfe des Computers ein Problem lösen. Es gibt nur ein Programm, das dies leistet. Es ist Ihnen wie auf den Leib geschnitten, aber es hat keine Maussteuerung oder verfügt über eine nicht top-aktuelle Benutzerführung. Nehme ich deshalb ein Programm mit moderner Benutzer- schnittstelle, das aber fachliche Mängel aufweist und definitiv keine Lösung ist? Was habe ich von einer Top-Straßenlage eines Autos, wenn der Wagen nicht den benötigten Kofferraum anbietet? Also : Es müssen wirksame Kriterien her, die eine Entscheidung möglich machen. Und wer bringt diese Kriterien? Sie selber natürlich. Sie brauchen ein Genealogieprogramm, das bestimmte Kriterien erfüllen muß. Erfüllt es diese Kriterien nicht, weg damit. Sie haben sich dabei von der Computerei völlig gelöst und berücksichtigen nur noch das Thema, in dem Sie kompetent sind.
Wie läuft das denn nun ab? Ganz einfach. Sie gehen davon aus, daß ein Genealogieprogramm die grundlegenden Informationen wie Namen, Vornamen, Beruf, Geburts-, Tauf-, Sterbe- und Begräbnisdaten und die Familiengrund- informationen sowieso verwalten kann.
Nun stellen Sie einfach zusammen, was Ihre Forschung so besonders macht.
Beispiele:
- Die Vorfahren sind nicht seßhaft und waren an vielen Orten. Damit ergeben sich viele Namenscheibweisen und Aufenthaltsorte. Dies trifft zum Beispiel für Hugenotten und Waldenser zu. Das Programm muß die Person nach allen möglichen Schreibweisen automatisch suchen können.
- Sie wollen mehrere Berufe pro Person eingeben, inkl. Zeitraum und Ort.
- Ihre Vorfahren haben häufig lange Vornamen, das Programm muß also mit Bandwürmern wie "Johann Peter Caspar David Friedrich" umgehen können, ohne daß Abkürzungen die genealogische Information verfälschen können.
- Sie wollen zusätzlich die Konfirmation oder Kommunion/Firmung eintragen.
- Einige Ihrer Vorfahren haben die Konfession gewechselt. Dies soll im Programm dokumentierbar sein.
- Taufpaten und Trauzeugen sollen eingegeben werden können.
- Ihr Urgroßvater hat 8 mal geheiratet und hatte nebenbei 5 uneheliche Verbindungen, aus denen Nachwuchs hervorging.
- Die patronymische Namensgebung muß verwendet werden können : Weeke Johanssen Tochter von Johann Weken.
Diese Liste läßt sich beliebig erweitern. Wichtig ist auch, daß Sie Ihre Forschungsziele definieren.
- eigene Familienforschung
- Kirchenbuchverkartung
- Erfassung beliebiger genealogischer Quellen, z.B. Steuerlisten, Auswanderlisten, Bürgerbücher, ...
Stellen Sie sich vor, Sie haben sich für ein Programm entschieden und dann sind für Sie wichtige Problemstellungen nicht lösbar!
Wenn Sie Ihre Liste fertig haben, schreiben Sie die Programmanbieter an und erbitten eine Rückantwort. Bei dieser Gelegenheit sollten Sie in der Liste aufführen, welche Leistungsmerkmale unbedingt notwendig sind. Sofern ein Anbieter die wesentlichen Leistungsmerkmale abdeckt, fordern Sie eine Prüfversion an und prüfen dann die Dinge, die subjektiv wichtig sind. Sind mehrere Programme gleichwertig, entscheidet die Benutzerführung, die Dokumentation, der Service und der Preis.
Damit wir uns nicht mißverstehen. Sie werden immer den einen oder anderen Kompromiß eingehen müssen. Die "Eierlegende-Woll-Milch-Sau" ist im Bereich der Genealogieprogramme noch nicht aufgetaucht und wird es wahrscheinlich auch nicht geben, da die Interessen der Genealogen so unterschiedlich sind.
Ein wichtiges Kriterium, das mittlerweile die meisten Genealogieprogramme erfüllen, ist der Datenaustausch über das GEDCOM Format. Diese Möglichkeit erlaubt Ihnen eine flexible Antwort auf mögliche Kompromisse. Immer wieder tritt das Problem auf, daß Sie ein Programm bevorzugen, aber ein bestimmter Ausdruck ist nicht möglich oder nicht so, wie Sie ihn sich wünschen. Ein anderes Programm hat aber diesen Ausdruck - ist aber in vielen anderen Dingen nicht nach Ihrem Geschmack. Die Lösung : nehmen Sie beide Programme. Erfassen Sie in dem für Sie geeigneteren Programm und wenn Sie den speziellen Ausdruck wünschen, drucken Sie es einfach mit dem anderen Programm aus. Dies ist eigentlich ein übliches Verfahren. Die meisten Genealogieprogramme sind ein Nebenerwerb der Entwickler und daher reicht die zur Verfügung stehende Zeit oft nicht aus, um alle gewünschten Ausgabevarianten und Gestaltungsmöglichkeiten zu rasieren. Wenn Sie also auf bestimmte Ausdrucke nicht warten können, drucken Sie dies einfach mit einem anderen Genealogieprogramm.
Sie sehen, die vermeintlich schwierigste Aufgabe, ist lösbar, ohne sich großartig mit den Computern und seinen Eigenarten auseinanderzusetzen.
Hilfsprogramme zur Genealogie - geschenkt!
Es muß nicht alles teuer bezahlt werden, was man als Genealoge so braucht. So gibt es eine Reihe "kostenloser, frei-verfügbarer Programme", die die tägliche Arbeit erheblich erleichtern. Vorstellen möchte ich zwei Programme von Herrn Augustin aus Koblenz, der seine Programme interessierten Anwendern zur Verfügung stellt.
Kalenderprogramm KAHIGE
Wer hat noch nicht über die Kalendertafeln gestöhnt, wenn wieder einmal der dritte Sonntag nach Trinitatis 1724 angegeben wurde? Sicherlich die Tafeln sind einfach zu benutzen, wenn man sie denn richtig verstanden hat; aber mit einem komfortablen Kalenderprogramm ist das doch nicht zu vergleichen.
Das Programm von Herrn Augustin bietet :
- Allgemeine Kalenderberechnungen
- Christlicher Kalender
- Christliche Datierungsbegriffe
- französischer Revolutionskalender
Genealogische Quellen GEQU
Immer wieder fragt man sich, ob nicht das eine oder andere Kirchspiel bereits verkartet worden ist, oder ob jemand gerade dabei ist. Herr Augustin pflegt eine große Datenbank mit den bearbeiteten genealogischen Quellen.
Aktuelle Versionen der aufgeführten Programme KAHIGE und GEQU erhalten Sie auf der Homepage von Herrn Augustin.
Statt eines Schlußworts ...
Da schreibt man "enorm wichtige" Artikel über die "genealogischen Datenstrukturen und Leitwertkonzepte in der Genealogie" und dann wird ein Artikel verlangt, der dem Einsteiger eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung sein soll, ob und wenn ja, welcher Computer in der Familienforschung eingesetzt werden soll. So etwas schüttelt der Fachmann aus dem Ärmel ... Pustekuchen. Nie habe ich mich mit einem Thema schwerer getan, als mit diesem. Als "Fachmann" ist man immer geneigt, den Anwender, insbesondere den Einsteiger, etwas aus dem Blick zu verlieren; lapidare Pauschalantworten erwarten den Fragesteller und der vermeintliche Fachmann schüttelt verzagt sein Haupt. Die Schwierigkeiten, die sich dem Neuling auftürmen, werden häufig ignoriert. Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, wie schwierig es dem Neueinsteiger fallen könnte und welche bösen Fallen auf den Nicht-Eingeweihten lauern. Dabei ist die Unaufgeschlossenheit gegenüber den Neulingen kein böser Wille; jeder Computerfachmann wird täglich mit Änderungen und Verbesserungen konfrontiert, daß er teilweise selber Mühe hat, mitzukommen.
Erinnern Sie den "Fachmann" gelegentlich daran, daß Sie etwas nicht verstanden haben. Sie werden überrascht sein, wie viele "Fachleute" plötzlich sehr eingehend und kompetent grundlegende Hinweise geben können.
Ich danke jedenfalls Herrn Wilck, daß er mich überzeugt hat, diesen Artikel zu schreiben und hoffe, daß Sie Nutzen aus diesen Informationen ziehen konnten.
Literatur
Bücher, die speziell für Computerneulinge geschrieben wurden, gibt es in unüberschaubarer Fülle. Schmökern Sie in einer Buchhandlung in aller Ruhe, um die passenden Bücher zu finden. Zum Thema "Computergenealogie" gibt es nicht so viele Veröffentlichungen, daher eine kleine (sicherlich unvollständige) Übersicht:
Besonders gerne empfehle ich das preiswerte Taschenbuch :
"Familienforschung", Hobby und Wissenschaft Dr. Dr. Franz Josef Burghardt, Karl Thomas Verlag, Meschede, dritte Auflage, ISBN 3-926089-03-2
In diesem praktischen Ratgeber wird die Familienforschung in allen Facetten dargestellt. Der sehr gut lesbare und praxisnahe Text gibt einen guten Einblick in die Familienforschung und bringt am Ende sogar einen kleinen Einblick in die wissenschaftliche Genealogie (Theoretische bzw. Quantitative Genealogie).
Dieses Buch ist für jeden Einsteiger in die Genealogie uneingeschränkt zu empfehlen. Der Fortgeschrittene wird aber auch gerne auf diesen praktischen Ratgeber zurückgreifen. Der Teil über die Computergenealogie ist sehr knapp aber dafür leicht verständlich.
Der Klassiker unter den Büchern zur Familienkunde ist sicherlich das im Degener Verlag erscheinende "Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung". Dieses Buch hat mittlerweile einen stattlichen Umfang von über 600 Seiten und enthält neben den Grundlagen zur Familienkunde, Darstellungen zur Heraldik, Schriftkunde und vieles mehr. Ein ausführliches Kapitel zur "Computergenealogie" von Herrn Michael Becker aus Berlin rundet diesen Ratgeber ab.
Taschenbuch zur Familiengeschichtsforschung, Ribbe - Henning Verlag Degener & Co, 11. Auflage, ISBN 3-7686-1052-7
Wer sich für die Computergenealogie interessiert, wird in der zweimal jährlich erscheinenden gleichnamigen Zeitschrift wertvolle Informationen finden. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an :
Redaktion COMPUTERGENEALOGIE Herrn Dr. Günter Junkers, Bergische Landstr. 210, 51375 Leverkusen
Aktueller Hinweis: Die Zeitschrift Computergenealogie hat ihre regelmäßige Erscheinungsweise eingestellt.
Ebenfalls zu empfehlen, in der Ausstattung aber viel aufwendiger (und dadurch natürlich auch etwas teurer) ist das Buch :
Familiengeschichte und Wappenkunde Agathe Kaiser und E. D. Linder Battenberg Verlag Augsburg, ISBN 3-89441-153-8
Neben der Einführung in die Genealogie enthält dieses Buch einen umfangreichen Teil zur Heraldik und einen von mir sehr geschätzten Anschriftenteil. Die Besprechung der Computer-Programme ist in der mir vorliegenden Ausgabe (1994) verständlicherweise nicht mehr aktuell, aber die allgemeinen Hinweise gelten sicherlich auch noch heute.
